Ver­fas­sungs­be­schwer­de – oder Antrag auf Wie­der­ein­set­zung?

Eine Ver­fas­sungs­be­schwer­de ist man­gels Erschöp­fung des Rechts­wegs unzu­läs­sig (§ 90 Abs. 2 Satz 1 BVerfGG), wenn der Beschwer­de­füh­rer durch einen Antrag auf Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand noch fach­ge­richt­li­chen Rechts­schutz errei­chen kann 1.

Ver­fas­sungs­be­schwer­de – oder Antrag auf Wie­der­ein­set­zung?

Im hier ent­schie­de­nen Fall hat das Revi­si­ons­ge­richt die gemäß § 345 Abs. 2 StPO zu Pro­to­koll der Geschäfts­stel­le begrün­de­te Revi­si­on des Beschwer­de­füh­rers allein des­we­gen als unzu­läs­sig ver­wor­fen, weil sie vom zustän­di­gen Rechts­pfle­ger nicht in einer den Anfor­de­run­gen der fach­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung genü­gen­den Wei­se 2 auf­ge­nom­men wur­de. In die­sen Fäl­len gebie­tet es das Grund­recht auf ein fai­res Ver­fah­ren (Art. 2 Abs. 1 GG i.V.m. Art.20 Abs. 3 GG), dass der Beschwer­de­füh­rer zuvor die Mög­lich­keit erhält, über das Ver­fah­ren der Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand eine Kor­rek­tur zu errei­chen, falls die den förm­li­chen Anfor­de­run­gen des § 345 Abs. 2, § 344 Abs. 2 StPO nicht ent­spre­chen­de Begrün­dung der Revi­si­on auf ein Ver­säum­nis des Rechts­pfle­gers und nicht auf ein Ver­schul­den des Beschwer­de­füh­rers zurück­zu­füh­ren sein soll­te 3. Das ist nach dem Vor­brin­gen des Beschwer­de­füh­rers in sei­ner Ver­fas­sungs­be­schwer­de jeden­falls nicht aus­ge­schlos­sen, auch wenn – wor­auf das Ober­lan­des­ge­richt zutref­fend hin­weist – das Pro­to­koll mit der Erklä­rung des Rechts­pfle­gers schließt, der Beschwer­de­füh­rer habe auf Auf­nah­me des Antrags in der vor­lie­gen­den Form bestan­den. Über die Mög­lich­keit der Wie­der­ein­set­zung ist der Betrof­fe­ne gege­be­nen­falls zu beleh­ren 4. Dies ist hier – soweit ersicht­lich – unter­blie­ben.

Eine Wie­der­ein­set­zung schei­det dann auch nicht wegen Frist­ab­laufs aus. Soweit der Beschwer­de­füh­rer die Frist zur Stel­lung eines Wie­der­ein­set­zungs­an­trags ver­säumt hat und nicht ent­spre­chend belehrt war, kommt zumin­dest eine Wie­der­ein­set­zung auch in die­se Frist in Betracht 5.

Der Beschwer­de­füh­rer kann somit inner­halb einer Woche ab Zugang die­ses Beschlus­ses gemäß § 45 StPO Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand sowohl hin­sicht­lich der Wie­der­ein­set­zungs­frist als auch hin­sicht­lich der Frist zur Anbrin­gung einer Revi­si­ons­be­grün­dung bean­tra­gen, die den Anfor­de­run­gen des § 344, § 345 Abs. 2 StPO genügt; inner­halb die­ser Frist kann er zugleich – durch eine von einem Rechts­an­walt unter­zeich­ne­te Schrift oder zu Pro­to­koll der Geschäfts­stel­le – eine erneu­te Revi­si­ons­be­grün­dung anbrin­gen (§ 45 Abs. 2 Satz 2 StPO). Auf Basis des Vor­trags des Beschwer­de­füh­rers ist der Rechts­weg daher jeden­falls der­zeit noch nicht erschöpft.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 16. Dezem­ber 2016 – 2 BvR 2422/​16

  1. vgl. BVerfGE 10, 274, 281; 42, 252, 256 f.; 77, 275, 282[]
  2. vgl. hier­zu BGH, Beschluss vom 17.12 2015 – 4 StR 483/​15, NStZ-RR 2016, S. 89[]
  3. vgl. BVerfGK 8, 303, 304; BVerfG, Beschluss vom 18.09.2006 – 2 BvR 1612/​06 6; Beschluss vom 10.10.2012 – 2 BvR 1095/​12, NJW 2013, S. 446, 447; vgl. auch BGH, Beschluss vom 03.05.2006 – 2 StR 64/​06, NStZ 2006, S. 585[]
  4. vgl. BVerfGK 8, 303, 304; BVerfG, Beschluss vom 18.09.2006 – 2 BvR 1612/​06 9; Beschluss vom 10.10.2012 – 2 BvR 1095/​12, NJW 2013, S. 446, 447[]
  5. vgl. BVerfGK 5, 151, 154 f.; 8, 303, 304; BVerfG, Beschluss vom 18. Sep-tem­ber 2006 – 2 BvR 1612/​06 9; Beschluss vom 10.10.2012 – 2 BvR 1095/​12, NJW 2013, S. 446, 447[]