Ver­fas­sungs­be­schwer­de in einem stra­ßen­ver­kehrs­recht­li­chen Bußgeldverfahren

Auf­grund der Begrün­dungs­an­for­de­run­gen der § 23 Abs. 1 Satz 2, § 92 BVerfGG müs­sen Unter­la­gen aus dem fach­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren vor­ge­legt oder inhalt­lich wie­der­ge­ge­ben wer­den, soweit ohne deren Kennt­nis eine Ein­schät­zung, ob die Ver­fas­sungs­be­schwer­de Erfolg haben kann, nicht mög­lich ist1

Ver­fas­sungs­be­schwer­de in einem stra­ßen­ver­kehrs­recht­li­chen Bußgeldverfahren

Liegt zu den mit der Ver­fas­sungs­be­schwer­de auf­ge­wor­fe­nen Ver­fas­sungs­fra­gen bereits Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vor, so ist der behaup­te­te Grund­rechts­ver­stoß in Aus­ein­an­der­set­zung mit den vom Bun­des­ver­fas­sungs-gericht ent­wi­ckel­ten Maß­stä­ben zu begrün­den2

Die­sen Anfor­de­run­gen genüg­te die vor­lie­gen­de Ver­fas­sungs­be­schwer­de bereits des­halb nicht, weil der anwalt­lich ver­tre­te­ne Beschwer­de­füh­rer bis auf die ange­grif­fe­nen Ent­schei­dun­gen kei­ne das fach­ge­richt­li­che Ver­fah­ren betref­fen­de Unter­la­gen, nament­lich das Pro­to­koll der Haupt­ver­hand­lung, die Begrün­dung sei­ner Rechts­be­schwer­de und die Antrags­schrift der Gene­ral­staats­an­walt­schaft Koblenz, auf die das Ober­lan­des­ge­richt Koblenz zur Begrün­dung sei­ner Rechts­be­schwer­de­ent­schei­dung Bezug genom­men hat, vor­ge­legt und deren maß­geb­li­chen Inhalt auch nicht ander­wei­tig mit­ge­teilt hat. Es lässt sich des­halb weder ver­ant­wort­bar ver­fas­sungs­recht­lich prü­fen, ob der Beschwer­de­füh­rer das fach­ge­richt­li­che Ver­fah­ren ord­nungs­ge­mäß betrie­ben und dem Grund­satz der Sub­si­dia­ri­tät (§ 90 Abs. 2 BVerfGG) Genü­ge getan hat, noch, auf wel­che Grün­de das Rechts­be­schwer­de­ge­richt sei­ne Ent­schei­dung nach § 79 Abs. 3 Satz 1 OWiG in Ver­bin­dung mit § 349 Abs. 2 StPO gestützt hat und ob ihm dabei Ver­fas­sungs­ver­stö­ße unter­lau­fen sind. Im Übri­gen fehlt es in der Ver­fas­sungs­be­schwer­de an jeg­li­cher ver­fas­sungs­recht­lich-argu­men­ta­ti­ver Aus­ein­an­der­set­zung mit den vom Beschwer­de­füh­rer ange­grif­fe­nen Entscheidungen. 

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 13. Janu­ar 2021 – 2 BvR 2213/​20

  1. vgl. BVerfGE 112, 304 <314 f.>[]
  2. vgl. BVerfGE 77, 170 <214 ff.> 99, 84 <87> 101, 331 <345 f.> 123, 186 <234> 130, 1 <21>[]

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