Ver­fas­sungs­be­schwer­de in Straf­sa­chen – und der Sub­si­dia­ri­täts­grund­satz

Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de ist auch gegen­über der Glaub­haft­ma­chung, dem Zwi­schen­rechts­be­helf sowie dem Anhö­rungs­rü­ge­ver­fah­ren gemäß der Straf­pro­zess­ord­nung sub­si­di­är.

Ver­fas­sungs­be­schwer­de in Straf­sa­chen – und der Sub­si­dia­ri­täts­grund­satz

So hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt aktu­ell eine Ver­fas­sungs­be­schwer­de nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­men, weil sie man­gels Wah­rung des Grund­sat­zes der Sub­si­dia­ri­tät der Ver­fas­sungs­be­schwer­de (vgl. § 90 Abs. 2 BVerfGG) unzu­läs­sig ist.

Zwar erscheint es dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt zwei­fel­haft, ob die Aus­le­gung des § 244 Abs. 6 StPO in den ange­grif­fe­nen Ent­schei­dun­gen, wonach eine Frist zum Stel­len von Beweis­an­trä­gen wirk­sam bleibt, wenn das Gericht – wie im vor­lie­gen­den Fall – nach der Frist­set­zung erneut in die Beweis­auf­nah­me ein­tritt, dem Anspruch auf ein fai­res und rechts­staat­li­ches Ver­fah­ren (Art. 2 Abs. 1 GG i.V.m. Art.20 Abs. 3 GG) genügt [1].

Jedoch hät­te die Beschwer­de­füh­re­rin im Wege der Glaub­haft­ma­chung nach § 244 Abs. 6 Satz 4 StPO a.F. (§ 244 Abs. 6 Satz 5 StPO n.F.) vor­brin­gen kön­nen und müs­sen, dass zum einen die Stel­lung des Beweis­an­trags vom 15.06.2018 vor der Frist­set­zung vom 15.02.2018 nicht mög­lich war, weil er sich auf die Ein­las­sung des Mit­an­ge­klag­ten in den Haupt­ver­hand­lungs­ter­mi­nen vom Mai 2018 bezog, und dass zum ande­ren die Frist­set­zung mit dem Wie­der­ein­tritt in die Beweis­auf­nah­me gegen­stand­los gewor­den ist. Hier­durch hät­te eine Zurück­wei­sung des Beweis­an­trags erst im Urteil mög­li­cher­wei­se ver­hin­dert wer­den kön­nen.

Dar­über hin­aus hät­te die Beschwer­de­füh­re­rin die dar­ge­leg­te Ver­let­zung ihres Rechts auf ein fai­res und recht­staat­li­ches Ver­fah­ren mit der Ein­le­gung des Zwi­schen­rechts­be­helfs nach § 238 Abs. 2 StPO gegen das Unter­las­sen der Beschei­dung des Beweis­an­tra­ges im Haupt­ver­hand­lungs­ter­min vom 15.06.2018 ver­hin­dern kön­nen [2].

Schließ­lich hat es die Beschwer­de­füh­re­rin ver­säumt, das Anhö­rungs­rü­ge­ver­fah­ren nach § 356a Satz 1 StPO durch­zu­füh­ren, soweit der Bun­des­ge­richts­hof – inso­weit dem Gene­ral­bun­des­an­walt fol­gend – ange­nom­men hat, die Beschwer­de­füh­re­rin hät­te mit dem Zwi­schen­rechts­be­helf des § 238 Abs. 2 StPO bereits gegen die Frist­set­zung vom 15.02.2018 vor­ge­hen müs­sen. Eine sol­che Anhö­rungs­rü­ge wäre nicht offen­sicht­lich aus­sichts­los gewe­sen [3].

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 8. Mai 2020 – 2 BvR 1905 – /​19

  1. vgl. auch BT-Drs. 18/​11277, S. 35; Schmitt, in: Mey­er-Goß­ner/­Sch­mitt, StPO, 63. Aufl.2020, § 244 Rn. 99; Krehl, in: Karls­ru­her Kom­men­tar zur StPO, 8. Aufl.2019, § 244 Rn. 87e; Bör­ner, JZ 2018, S. 232, 239[]
  2. vgl. Schnei­der, in: Karls­ru­her Kom­men­tar zur StPO, 8. Aufl.2019, § 238 Rn. 12; Becker, in: Löwe-Rosen­berg, StPO, 27. Aufl.2020, § 238 Rn. 18, jeweils m.w.N.[]
  3. vgl. BVerfGE 107, 395, 410 f.; BVerfGK 11, 390, 393; BVerfG, Beschluss vom 06.10.2014 – 2 BvR 1569/​12, Rn. 9 f.[]