Ver­fas­sungs­be­schwer­de in Straf­sa­chen – und die Ein­hal­tung der Monatsfrist

Die all­ge­mei­ne Begrün­dungs­last des § 23 Abs. 1 Satz 2 BVerfGG ver­langt von einem Beschwer­de­füh­rer im Zwei­fels­fall die schlüs­si­ge Dar­le­gung, dass die ein­mo­na­ti­ge Frist des § 93 Abs. 1 Satz 1 BVerfGG zur Erhe­bung und Begrün­dung der Ver­fas­sungs­be­schwer­de ein­ge­hal­ten ist1.

Ver­fas­sungs­be­schwer­de in Straf­sa­chen – und die Ein­hal­tung der Monatsfrist

In Straf­sa­chen wer­den Ent­schei­dun­gen regel­mä­ßig sowohl dem Ver­tei­di­ger als auch dem Beschul­dig­ten bekannt­ge­ge­ben. Daher ist sub­stan­ti­ier­ter Vor­trag zu allen Zugangs­zeit­punk­ten – oder die Klar­stel­lung, dass der Beschluss nur einem der Betei­lig­ten bekannt­ge­ge­ben wur­de – jeden­falls dann erfor­der­lich, wenn sich die Ein­hal­tung der Monats­frist nicht ohne Wei­te­res aus den vor­ge­leg­ten Unter­la­gen ergibt2

Im hier ent­schie­de­nen Fall ver­miss­te das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt der­ar­ti­gen Vor­trag: Die Beschwer­de­füh­re­rin trägt nur vor, dass der mit der Ver­fas­sungs­be­schwer­de vom 27.04.2021 ange­grif­fe­ne Beschluss des Land­ge­richts Kon­stanz vom 24.03.2021 ihr selbst am 27.03.2021 zuge­gan­gen ist. Vor­trag dazu, ob und wann die Ent­schei­dung ihrem im fach­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren man­da­tier­ten Ver­tei­di­ger bekannt­ge­ge­ben wur­de, lässt sie ver­mis­sen. Den vor­ge­leg­ten Unter­la­gen ist ledig­lich zu ent­neh­men, dass der ange­grif­fe­ne Beschluss des Land­ge­richts Kon­stanz am 25.03.2021 aus­ge­fer­tigt wur­de. Ein Zugang der Ent­schei­dung beim Ver­tei­di­ger vor dem 27.03.2021 mag frag­lich sein, kann aber ohne nähe­re Anga­ben der Beschwer­de­füh­re­rin auch nicht aus­ge­schlos­sen werden.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 2. Juni 2021 – 2 BvR 847/​21

  1. vgl. BVerfGK 14, 468 <469> BVerfG, Beschluss vom 24.02.2021 – 2 BvR 428/​18, Rn. 2; Beschluss vom 29.04.2021 – 2 BvR 1543/​20, Rn. 6[]
  2. vgl. BVerfG, Beschluss vom 24.02.2021 – 2 BvR 428/​18, Rn. 8; Beschluss vom 29.04.2021 – 2 BvR 1543/​20, Rn. 7[]