Ver­ge­wal­ti­gung – und die nicht eigen­hän­dig durch­ge­führ­te Tat­hand­lung

Das Regel­bei­spiel der Ver­ge­wal­ti­gung nach § 177 Abs. 6 Satz 2 Nr. 1 StGB in der Fas­sung des 50. Geset­zes zur Ände­rung des Straf­ge­setz­bu­ches – Ver­bes­se­rung des Schut­zes der sexu­el­len Selbst­be­stim­mung vom 04.11.2016 1 – wie noch § 177 Abs. 2 Satz 2 Nr. 1 StGB aF 2 Mit­tä­ter 1)) ver­langt nicht die eigen­hän­di­ge Ver­wirk­li­chung einer der dort auf­ge­führ­ten Tat­hand­lun­gen.

Ver­ge­wal­ti­gung – und die nicht eigen­hän­dig durch­ge­führ­te Tat­hand­lung

Dies hat der Bun­des­ge­richts­hof in einer aktu­el­len Ent­schei­dung zwar for­mal offen gelas­sen, da es für die Ent­schei­dung über die Revi­si­on der (nach § 177 Abs. 6 Satz 2 Nr. 2 StGB ver­ur­teil­ten) Ange­klag­ten hier­auf nicht ankam. Sei­nen Gedan­ken­gang teilt der Bun­des­ge­richts­hof gleich­wohl mit:

Für die Nicht­er­for­der­lich­keit einer eigen­hän­di­gen Ver­wirk­li­chung der in § 177 Abs. 6 Satz 2 Nr. 1 StGB auf­ge­führ­ten Ver­ge­wal­ti­gungs­hand­lun­gen könn­te der Wort­laut der Norm spre­chen, der gegen­über der vor­an­ge­gan­ge­nen Fas­sung inso­weit erwei­tert wor­den ist, als "zusätz­lich" 3 ein beson­ders schwe­rer Fall im Sin­ne des § 177 Abs. 6 StGB auch dann vor­liegt, wenn der Täter mit dem Opfer den Bei­schlaf voll­zie­hen lässt. Hin­zu kommt, dass nach dem Zweck der neu gefass­ten Vor­schrift alle sexu­el­len Hand­lun­gen erfasst wer­den sol­len, die der Täter an dem Opfer vor­nimmt oder die der Täter von dem Opfer vor­neh­men lässt. Dar­un­ter fal­len auch sol­che sexu­el­le Hand­lun­gen, "die das Opfer an einem Drit­ten vor­neh­men muss bzw. von einem Drit­ten an sich erdul­den muss" 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 10. Okto­ber 2018 – 2 StR 134/​18

  1. BGBl. I 2460[]
  2. vgl. dazu nur BGH, Urteil vom 22.04.1999 – 4 StR 3/​99, BGHR StGB § 177 Abs. 2 Satz 2 Nr. 1 ((i.d.F.06. StrRG[]
  3. vgl. auch BT-Drs. 18/​9097, S. 28[]
  4. vgl. BT-Drs. 18/​9097, S. 23; s. auch Münch­Komm-StG­B/­Ren­zi­kow­ski, 3. Aufl., § 177 nF Rn. 35, 171; BeckOKStGB/​Ziegler, 39. Ed., § 177 Rn. 48; Bur­hoff, StRR 4/​2017, 6, 8; Lede­rer, AnwBl 2017, 514, 519; Ren­zi­kow­ski, NJW 2016, 3553, 3556; aA, ohne auf den ver­än­der­ten Geset­zes­wort­laut ein­zu­ge­hen: Fischer, StGB, 65. Aufl., § 177 Rn. 156, 161; SKStGB/​Wolters/​Noltenius, 9. Aufl., § 177 Rn. 96; Kind­häu­ser, LPKStGB, 7. Aufl., § 177 Rn.19; Lackner/​Kühl/​Heger, StGB, 29. Aufl., § 177 Rn. 4[]