Ver­ge­wal­ti­gung – und die womög­lich ver­min­der­ten „Hemm­schwel­le“

Die Nicht­an­wen­dung des Straf­rah­mens des § 177 Abs. 2 Satz 1 StGB trotz Erfül­lung eines Regel­bei­spiels nach § 177 Abs. 2 Satz 2 StGB begeg­net nur dann kei­nen recht­li­chen Beden­ken, wenn nach einer Gesamt­wür­di­gung der rele­van­ten Straf­zu­mes­sungs­tat­sa­chen gewich­ti­ge Mil­de­rungs­grün­de hier­für strei­ten 1.

Ver­ge­wal­ti­gung – und die womög­lich ver­min­der­ten „Hemm­schwel­le“

Dies hat das Land­ge­richt ver­kannt, indem es der durch die Ver­wirk­li­chung des § 177 Abs. 2 Satz 2 Nr. 1 StGB begrün­de­ten Regel­wir­kung ledig­lich die Erwä­gung zu einer womög­lich ver­min­der­ten "Hemm­schwel­le" des Ange­klag­ten gegen­über­ge­stellt hat. Es bestehen schon Beden­ken, ob die­ser Gesichts­punkt für sich genom­men eine aus­schlag­ge­ben­de Ent­las­tung des Ange­klag­ten begrün­den könn­te. Das bedarf jedoch kei­ner Ent­schei­dung, weil die Tat aus­weis­lich der Äuße­rung des Ange­klag­ten, die Neben­klä­ge­rin "ver­die­ne" die Ver­ge­wal­ti­gung, Bestra­fungs­cha­rak­ter auf­weist. Bereits dies schließt es aus, frü­her gepflo­ge­ne, von der Neben­klä­ge­rin über­dies stets abge­lehn­te Sexu­al­prak­ti­ken straf­mil­dernd in Ansatz zu brin­gen 2.

Dar­über hin­aus hat das Land­ge­richt die wei­te­ren den Ange­klag­ten schwer belas­ten­den Umstän­de (gewich­ti­ge Gewalt­aus­übung, beson­de­re Demü­ti­gung der Neben­klä­ge­rin, Durch­füh­rung des Anal­ver­kehrs bis zum Samen­er­guss, Trau­ma­ti­sie­rung der Neben­klä­ge­rin) nicht wie gebo­ten im Rah­men einer Gesamt­be­trach­tung gewür­digt.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 20. April 2016 – 5 StR 37/​16

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 25.03.1998 – 1 StR 116/​98, NStZ-RR 1998, 299; Urteil vom 25.02.2009 – 2 StR 554/​08, NStZ-RR 2009, 203[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 10.07.2007 – 3 StR 242/​07, BGHR StGB § 177 Abs. 2 Straf­rah­men­wahl 19[]