Ver­jäh­rung­un­ter­bre­chung durch Durch­su­chungs­be­schluss – und die Ermitt­lung wegen meh­re­rer Taten

Nach § 78c Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 StGB wird die Ver­jäh­rung durch jede rich­ter­li­che Beschlag­nah­me- oder Unter­su­chungs­an­ord­nung unter­bro­chen.

Ver­jäh­rung­un­ter­bre­chung durch Durch­su­chungs­be­schluss – und die Ermitt­lung wegen meh­re­rer Taten

Die­se Wir­kung ent­fällt nur dann, wenn die rich­ter­li­chen Anord­nungs­ent­schei­dun­gen Min­dest­an­for­de­run­gen an die Kon­kre­ti­sie­rung des Tat­vor­wurfs nicht genü­gen und des­halb ihrer­seits unwirk­sam sind 1.

Wird gend, wegen meh­re­rer Taten im pro­zes­sua­len Sin­ne des § 264 StPO ermit­telt, so bezieht sich die Unter­bre­chungs­wir­kung grund­sätz­lich auf alle ver­fah­rens­ge­gen­ständ­li­chen Taten, sofern nicht der Ver­fol­gungs­wil­le der tätig wer­den­den Straf­ver­fol­gungs­or­ga­ne erkenn­bar auf eine oder meh­re­re Taten beschränkt ist 2.

Ent­schei­den­des Kri­te­ri­um für die sach­li­che Reich­wei­te der Unter­bre­chungs­wir­kung ist daher bei meh­re­ren ver­fah­rens­ge­gen­ständ­li­chen Taten der Ver­fol­gungs­wil­le der Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den. Für des­sen Bestim­mung ist der Zweck der jewei­li­gen Unter­su­chungs­hand­lung maß­geb­lich, der anhand des Wort­lauts der Maß­nah­me und des sich aus dem sons­ti­gen Akten­in­halt erge­ben­den Sach- und Ver­fah­rens­zu­sam­men­hangs zu ermit­teln ist 3.

Im vor­lie­gend ent­schie­de­nen Fall bestan­den daher bei Anle­gen die­ses Maß­stabs für den Bun­des­ge­richts­hof kei­ner­lei Anhalts­punk­te für einen ledig­lich auf die Taten zu Las­ten der im Durch­su­chungs­be­schluss ledig­lich auf­ge­füh­ren Geschä­dig­ten A. und K. beschränk­ten Ver­fol­gungs­wil­len bei Bean­tra­gung der sodann erlas­se­nen Durch­su­chungs­be­schlüs­se. Aus­weis­lich der Ermitt­lungs­ver­fü­gung der Staats­an­walt­schaft wur­de die zustän­di­ge Kri­mi­nal­po­li­zei ange­hal­ten, eine Auf­stel­lung sämt­li­cher Anle­ger zu erstel­len und die­se mit­tels Seri­en­brief zu befra­gen. In Umset­zung die­ser Ver­fü­gung erstell­te die Kri­mi­nal­po­li­zei­in­spek­ti­on eine Auf­stel­lung geschä­dig­ter Anle­ger, die auch die Geschä­dig­te der Tat 3, D., umfasst. Die genann­ten Durch­su­chungs­be­schlüs­se sind auf der Grund­la­ge die­ses Ermitt­lungs­stands bean­tragt wor­den und las­sen daher gera­de kei­ne Beschrän­kung des Ver­fol­gungs­wil­lens erken­nen.

Viel­mehr spricht auch der übri­ge Akten­in­halt sowie der jeweils dar­auf bezo­ge­ne Sach- und Ver­fah­ren­stand gegen einen sol­chen beschränk­ten Ver­fol­gungs­wil­len. So ergibt sich bereits aus einem Ver­merk der Staats­an­walt­schaft Lands­hut, der Bestand­teil eines an die Staats­an­walt­schaft Augs­burg gerich­te­ten Über­nah­me­ersu­chens ist, dass von einem wesent­lich grö­ße­ren Kreis Geschä­dig­ter als bis­her ange­nom­men aus­zu­ge­hen sei. Die­sem Über­nah­me­ersu­chen ist mit Ver­fü­gung der Staats­an­walt­schaft Augs­burg ent­spro­chen wor­den.

Ange­sichts des­sen bedurf­te es kei­ner Ent­schei­dung, ob die Ver­jäh­rungs­frist(en) nicht ohne­hin bereits durch die Gewäh­rung von Akten­ein­sicht für den Ver­tei­di­ger des Ange­klag­ten gemäß § 78c Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 StGB 4 unter­bro­chen wor­den ist (sind).

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 26. Juni 2018 – 1 StR 71/​18

  1. sie­he nur BGH, Urteil vom 10.11.2016 – 4 StR 86/​16, NStZ 2018, 45, 46 mwN[]
  2. st. Rspr.; BGH, Beschlüs­se vom 07.11.2001 – 1 StR 375/​01, wis­tra 2002, 57; und vom 19.06.2008 – 3 StR 545/​07, NStZ 2009, 205, 206; Urteil vom 10.11.2016 – 4 StR 86/​16, NStZ 2018, 45, 47 mwN; sie­he auch Beschluss vom 10.08.2017 – 1 StR 218/​17, wis­tra 2018, 78, 79[]
  3. eben­falls st. Rspr.; BGH, Beschlüs­se vom 07.11.2001 – 1 StR 375/​01, wis­tra 2002, 57; und vom 19.06.2008 – 3 StR 545/​07, NStZ 2009, 205, 206; Urteil vom 10.11.2016 – 4 StR 86/​16, NStZ 2018, 45, 47 mwN[]
  4. zur grund­sätz­li­chen Unter­bre­chungs­wir­kung der Gewäh­rung von Akten­ein­sicht BGH, Beschluss vom 19.06.2008 – 3 StR 545/​07, NStZ 2009, 205, 206 mwN[]