Ver­kehrs­über­wa­chung durch pri­va­ten Dienst­leis­ter

Eine im hoheit­li­chen Auf­trag von einer pri­va­ten Per­son durch­ge­führ­te Geschwin­dig­keits­mes­sung erman­gelt es an der erfor­der­li­chen Rechts­grund­la­ge.

Ver­kehrs­über­wa­chung durch pri­va­ten Dienst­leis­ter

So hat das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main in dem hier vor­lie­gen­den Fall ent­schie­den und alle dar­auf­hin erlas­se­nen Buß­geld­be­schei­de als rechts­wid­rig ange­se­hen. Wegen Über­schrei­tens der zuläs­si­gen Höchst­ge­schwin­dig­keit außer­halb geschlos­se­ner Ort­schaf­ten war gegen den in die­sem Fall Betrof­fe­nen ein Buß­geld fest­ge­setzt wor­den. Die zugrun­de­lie­gen­de Mes­sung hat­te der Zeu­ge B. vor­ge­nom­men. Der Zeu­ge war Ange­stell­ter einer pri­va­ten GmbH. Die Gemein­de hat­te mit die­ser GmbH einen Arbeit­neh­mer­über­las­sungs­ver­trag zum Zweck der „Unter­stüt­zung bei der Durch­füh­rung von Geschwin­dig­keits­pro­to­kol­len, all­ge­mei­ne Daten­ver­ar­bei­tung und Erstel­lung von Mess­be­rich­ten“ mit jewei­li­gen Stun­den­ver­rech­nungs­sät­zen geschlos­sen.

Das Amts­ge­richt Geln­hau­sen [1] hat­te den Betrof­fe­nen frei­ge­spro­chen, weil der Bür­ger­meis­ter der Gemein­de Frei­ge­richt als Orts­po­li­zei­be­hör­de im Wege ver­bo­te­ner Arbeit­neh­mer­über­las­sung einen pri­va­ten Dienst­leis­ter mit der hoheit­li­chen Ver­kehrs­über­wa­chung beauf­tragt und für die so ermit­tel­ten Ver­stö­ße Ver­warn- und Buß­gel­der hat ver­hän­gen las­sen. Dage­gen hat die Staats­an­walt­schaft Hanau Rechts­be­schwer­de ein­ge­legt.

In sei­ner Ent­schei­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main grund­le­gend aus­ge­führt, dass die vor­lie­gend durch­ge­führ­te Ver­kehrs­über­wa­chung durch den gemein­sa­men Ord­nungs­be­hör­den­be­zirk der Gemein­den Frei­ge­richt und Has­sel­roth geset­zes­wid­rig ist. Die im hoheit­li­chen Auf­trag von einer pri­va­ten Per­son durch­ge­führ­te Geschwin­dig­keits­mes­sung hat kei­ne Rechts­grund­la­ge. In der Fol­ge hät­te nach Mei­nung des Ober­lan­des­ge­richts das Regie­rungs­prä­si­di­um Kas­sel kei­nen Buß­geld­be­scheid erlas­sen dür­fen. Die Orts­po­li­zei­be­hör­de dür­fe die Ver­kehrs­über­wa­chung nur durch eige­ne Bediens­te­te mit ent­spre­chen­der Qua­li­fi­ka­ti­on vor­neh­men. Der Zeu­ge B. sei unstrei­tig kein Bediens­te­ter der Gemein­de. Sei­ne Über­las­sung im Wege der Arbeit­neh­mer­über­las­sung sei rechts­wid­rig. Das Ver­fah­ren kön­ne damit nicht als Grund­la­ge für den Erlass eines Buß­geld­be­scheids die­nen.

Wei­ter­hin hat das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main fest­ge­stellt, dass in der Fol­ge die­ses gesetz­wid­ri­gen Han­delns sämt­li­che Ver­kehrs­über­wa­chun­gen des gemein­sa­men Ord­nungs­be­hör­den­be­zirks der Gemein­den Frei­ge­richt und Has­sel­roth min­des­tens seit dem 23.03.2017 unzu­läs­sig sind. „Dar­über hin­aus dürf­te dies auch für die Gemein­den Bracht­tal und Nid­derau gel­ten, da der Zeu­ge dort…ebenfalls unter den genann­ten Bedin­gun­gen tätig war“, so das Ober­lan­des­ge­richt abschlie­ßend.

Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main, Beschluss vom 6. Novem­ber 2019 – 2 Ss-OWi 942/​19

  1. AG Geln­hau­sen, Urteil vom 29.05.2019 – 44 OWi – 2545 Js 3379/​19[]