Ver­le­sung poli­zei­li­cher Obser­va­ti­ons­be­rich­te

Die Rüge der Ver­let­zung des § 250 Satz 2 StPO durch Ver­le­sung poli­zei­li­cher Obser­va­ti­ons­be­rich­te und wei­te­rer poli­zei­li­cher Ver­mer­ke und Berich­te ist u.a. immer dann unbe­grün­det, wenn des­sen Ver­fas­ser in der Haupt­ver­hand­lung als Zeu­ge auch zum Inhalt die­ses Berichts ver­nom­men wur­de.

Ver­le­sung poli­zei­li­cher Obser­va­ti­ons­be­rich­te

Damit han­del­te es sich um eine zuläs­si­ge ver­neh­mungs­er­gän­zen­de Ver­le­sung 1.

Da der in § 250 Satz 2 StPO nor­mier­te Vor­rang des Per­so­nal­be­wei­ses den grund­sätz­lich zuläs­si­gen 2Urkun­den­be­weis nicht wei­ter als für sei­ne Ziel­set­zung einer bes­se­ren Sach­auf­klä­rung erfor­der­lich ein­schränkt, ist die eigen­stän­di­ge Beweis­ver­wen­dung des Inhalts einer ver­le­se­nen Urkun­de auch dann zuläs­sig, wenn sie bei­spiels­wei­se Lücken der Zeu­gen­aus­sa­ge schließt 3.

Eine sol­che Urkun­de kann dabei auch im Wege des Selbst­le­se­ver­fah­rens gemäß § 249 Abs. 2 StPO zum Gegen­stand der Haupt­ver­hand­lung gemacht wer­den, wenn es nicht aus­nahms­wei­se dar­auf ankommt, einen in ihr ent­hal­te­nen bestimm­ten Wort­laut unmit­tel­bar mit den Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten zu erör­tern 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 8. Febru­ar 2018 – 3 StR 400/​17

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 25.09.2007 – 1 StR 350/​07, NStZ-RR 2008, 48[]
  2. BGH, Urteil vom 16.02.1965 – 1 StR 4/​65, BGHSt 20, 160, 161 f.[]
  3. vgl. im Ein­zel­nen LR/​Sander/​Cirener, StPO, 26. Aufl., § 250 Rn. 17 ff.[]
  4. LR/​Mosbacher, StPO, 26. Aufl., § 249 Rn. 46, 53; aA LR/​Sander/​Cirener, StPO, 26. Aufl., § 250 Rn. 17 aE[]