Ver­mö­gens­scha­den beim betrü­ge­ri­schen Fac­to­ring

Ein Ver­mö­gens­scha­den im Sin­ne des § 263 StGB tritt nur ein, wenn die Ver­mö­gens­ver­fü­gung des Getäusch­ten bei wirt­schaft­li­cher Betrach­tungs­wei­se unmit­tel­bar zu einer nicht durch Zuwachs aus­ge­gli­che­nen Min­de­rung des wirt­schaft­li­chen Gesamt­werts sei­nes Ver­mö­gens führt (Prin­zip der Gesamt­sal­die­rung) [1].

Ver­mö­gens­scha­den beim betrü­ge­ri­schen Fac­to­ring

Bei der hier vor­ge­nom­me­nen Wert­be­rech­nung kön­nen nicht die Grund­kauf­prei­se der For­de­run­gen als Scha­den ange­setzt. Die­se soge­nann­ten Grund­kauf­prei­se – errech­net aus einem Pro­zent­satz von 20 bis 25 % des "Fair Value" – sind auf eine typi­sier­te Durch­schnitts­be­trach­tung zurück­ge­führt und stel­len schon des­halb kei­ne geeig­ne­te Basis für die Scha­dens­be­stim­mung im Sin­ne des § 263 StGB dar. Dem­nach sind die Fac­to­ring­ver­trä­ge auch kei­ne Ver­trä­ge, in denen die Ver­trags­par­tei­en in einem von Ange­bot und Nach­fra­ge bestimm­ten markt­wirt­schaft­li­chen Sys­tem den Wert eines häu­fig ver­kauf­ten oder gehan­del­ten Gegen­stan­des fest­set­zen, und des­halb bei der Dar­le­gung des Scha­dens auf nähe­re Aus­füh­run­gen ver­zich­tet wer­den könn­te. Hin­zu kommt vor­lie­gend, dass der Täter im vor­lie­gen­den Fall für die völ­lig über­schul­de­te J. AG die For­de­run­gen zwar schnell erwer­ben und ver­wer­ten woll­te, er von vor­ne­her­ein jedoch nie vor­hat­te, den Kauf­preis zu zah­len. Des­halb lässt sich aus dem Kauf­preis kein trag­fä­hi­ges Indiz für den objek­ti­ven Wert der abge­tre­te­nen For­de­rung ablei­ten.

Die Berech­nung des wirt­schaft­li­chen Werts der durch die For­de­rungs­ab­tre­tung aus dem Ver­mö­gen der Geschä­dig­ten ohne wert­hal­ti­gen Gegen­an­spruch aus­ge­schie­de­nen For­de­run­gen hät­te das Land­ge­richt des­halb – gege­be­nen­falls im Wege der Schät­zung oder mit sach­ver­stän­di­ger Hil­fe – anhand der inso­weit maß­geb­li­chen Wert­kri­te­ri­en (etwa: mate­ri­ell­recht­li­che Begründ­etheit des Anspruchs nebst Anspruchs­grund­la­ge und höhe, Beweis­bar­keit im Gerichts­ver­fah­ren, Boni­tät des Schuld­ners, Ver­gleichs­be­reit­schaft des Schuld­ners – Einwendungen/​Einreden) ermit­teln müs­sen. Für die­se Wert­ermitt­lung kann als Indiz auch rele­vant sein, inwie­weit eine For­de­rung spä­ter tat­säch­lich durch­ge­setzt wer­den konn­te.

Vor dem Hin­ter­grund, dass in der Mehr­zahl der hier abge­ur­teil­ten Fäl­le die For­de­rungs­ein­trei­bung erfolg­los blieb, kann der Bun­des­ge­richts­hof nicht aus­schlie­ßen, dass die abge­tre­te­nen For­de­run­gen im Ein­zel­fall wirt­schaft­lich wert­los waren und den Getäusch­ten des­halb im Ergeb­nis kein Scha­den ent­stan­den ist. Der Rechts­feh­ler betrifft des­halb nicht nur den Schuld­um­fang, son­dern in jedem Fall auch den Schuld­spruch des Betrugs.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 19. August 2015 – 1 StR 334/​15

  1. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 18.02.2009 – 1 StR 731/​08, BGHSt 53, 199, 201; und vom 29.01.2013 – 2 StR 422/​12, NStZ 2013, 711[]