Ver­neh­mung – und der feh­len­de Hin­weis auf den anwalt­li­chen Not­dienst

Der Bun­des­ge­richts­hof hat bereits unter Gel­tung der alten Fas­sung von § 136 Abs. 1 StPO, in der das Hin­weis­ge­bot noch nicht aus­drück­lich nor­miert war, einen Hin­weis auf den anwalt­li­chen Not­dienst für ent­behr­lich gehal­ten, wenn der Beschul­dig­te bereits einen bestimm­ten Rechts­an­walt als Ver­tei­di­ger benannt hat­te 1.

Ver­neh­mung – und der feh­len­de Hin­weis auf den anwalt­li­chen Not­dienst

In die­sem Fall beschrän­ke sich für die Ermitt­lungs­be­hör­den das Gebot, bei der Kon­takt­auf­nah­me mit einem Ver­tei­di­ger zu hel­fen, dar­auf, eine Ver­bin­dung zu dem benann­ten Rechts­an­walt her­zu­stel­len, sofern der Beschul­dig­te nicht zu erken­nen gebe, dass er nach dem Schei­tern der Kon­takt­auf­nah­me einen ande­ren Rechts­an­walt als Ver­tei­di­ger wäh­len wol­le.

Dies hat sich durch die Ein­fü­gung des Hin­weis­ge­bots in § 136 Abs. 1 Satz 4 StPO in der Neu­fas­sung vom 27.08.2017 2 nicht geän­dert. Der Geset­zes­be­grün­dung, die auf frü­he­re Recht­spre­chung zur Erfor­der­lich­keit von ernst­haf­ten Bemü­hun­gen der ver­neh­men­den Per­son ver­weist, den Beschul­dig­ten bei der Kon­takt­auf­nah­me zu einem Ver­tei­di­ger zu unter­stüt­zen, ist zu ent­neh­men, dass die gesetz­li­chen Ergän­zun­gen in § 136 Abs. 1 StPO ledig­lich klar­stel­lend erfolgt sind 3. Die Vor­schrift des § 136 Abs. 1 Satz 4 StPO schützt danach den Beschul­dig­ten, der zwar einen Ver­tei­di­ger befra­gen möch­te, aber kei­nen benennt.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 19. Juni 2019 – 5 StR 167/​19

  1. BGH, Beschluss vom 11.08.2005 – 5 StR 200/​05, BGHR StPO § 136 Abs. 1 Ver­tei­di­ger­be­fra­gung 8[]
  2. BGBl. I S. 3295[]
  3. vgl. BT-Drs. 18/​9534, S. 22 unter Bezug­nah­me unter ande­rem auf BGH, Urteil vom 12.01.1996 – 5 StR 756/​94, BGHSt 42, 15, 19[]