Ver­neh­mungs­erset­zen­de Ver­le­sung – und die still­schwei­gen­de Zustim­mung

Lie­gen die Vor­aus­set­zun­gen der die ver­neh­mungs­erset­zen­de Ver­le­sung aus­nahms­wei­se gestat­ten­den § 251 Abs. 1 StPO oder § 256 StPO nicht vor, bedarf es kei­ner Bean­stan­dung nach § 238 Abs. 2 StPO 1.

Ver­neh­mungs­erset­zen­de Ver­le­sung – und die still­schwei­gen­de Zustim­mung

Eine still­schwei­gen­de Zustim­mung zur Ver­le­sung kommt über­haupt nur in Betracht, wenn auf Grund der vor­an­ge­gan­ge­nen Ver­fah­rens­ge­stal­tung davon aus­ge­gan­gen wer­den darf, dass sich alle Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten der Trag­wei­te ihres Schwei­gens bewusst waren 2. Dar­an fehlt es regel­mä­ßig, wenn zu kei­nem Zeit­punkt eine auf § 251 Abs. 1 Nr. 1 StPO gestütz­te oder durch Ein­ver­ständ­nis legi­ti­mier­te Ver­le­sung the­ma­ti­siert wor­den ist.

Ist auch die Anord­nung ent­ge­gen § 251 Abs. 4 Satz 1 und 2 StPO vom Gericht nicht beschlos­sen und der Grund der Ver­le­sung nicht bekannt­ge­ge­ben wor­den, konn­te dem Ange­klag­ten und dem Ver­tei­di­ger aber unter kei­nen Umstän­den bewusst sein, dass es ent­schei­dend auf ihre Zustim­mung ankom­men könn­te. Allein ihr Schwei­gen auf eine Ver­le­sung kann daher nicht dahin gedeu­tet wer­den, dass sie mit der Ver­le­sung ein­ver­stan­den gewe­sen wären.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 9. August 2016 – 1 StR 334/​16

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 25.10.2011 – 3 StR 315/​11, NStZ 2012, 585[]
  2. BGH, Beschluss vom 12.07.1983 – 1 StR 174/​83, NJW 1984, 65 f.; OLG Köln, Beschluss vom 15.09.1987 – Ss 450/​87, NStZ 1988, 31; vgl. auch BGH, Urteil vom 17.05.1956 – 4 StR 36/​56, BGHSt 9, 230, 232 f.; Löwe/Ro­sen­berg-San­der/Ci­re­ner, StPO, 26. Aufl., § 251 Rn. 22 mwN[]