Ver­schlei­er­te Par­tei­spen­den sind kei­ne Untreue

Die Ver­schleie­rung von Par­tei­en­spen­den ist regel­mä­ßig kei­ne Untreue­hand­lung. Mit die­ser Begrün­dung hat jetzt der Bun­des­ge­richts­hof das Urteil des Land­ge­richts Köln in der Köl­ner Par­tei­spen­den­af­fä­re auf­ge­ho­ben.

Ver­schlei­er­te Par­tei­spen­den sind kei­ne Untreue

Die unzu­läs­si­ge Auf­nah­me rechts­wid­rig erlang­ter Par­tei­spen­den in den Rechen­schafts­be­richt einer Par­tei stellt auch dann kei­ne pflicht­wid­ri­ge Hand­lung im Sin­ne des Straf­tat­be­stan­des der Untreue gemäß § 266 Abs. 1 StGB dar, wenn das Par­tei­en­gesetz für die­sen Fall gegen die Par­tei eine zwin­gen­de finan­zi­el­le Sank­ti­on vor­sieht, hier den Ver­lust auf staat­li­che Mit­tel im Rah­men der Par­tei­en­fi­nan­zie­rung in Höhe des Zwei­fa­chen des erlang­ten Betra­ges gemäß § 23a Abs. 1 Satz 1 PartG 1. Pflicht­wid­rig im Sin­ne des § 266 Abs. 1 StGB sind nur Ver­stö­ße gegen ver­mö­gens­schüt­zen­de Nor­men. Der hier ver­letz­te § 25 PartG 1 bezweckt einen sol­chen Ver­mö­gens­schutz nicht 2.

Die Par­tei­en kön­nen aber – z.B. durch Sat­zun­gen – bestim­men, dass die Beach­tung der Vor­schrif­ten des Par­tei­en­geset­zes für die Funk­ti­ons­trä­ger der Par­tei eine selb­stän­di­ge das Par­tei­ver­mö­gen schüt­zen­de Haupt­pflicht im Sin­ne von § 266 Abs. 1 StGB dar­stellt.

Das Land­ge­richt Köln hat einen ehe­ma­li­gen Vor­sit­zen­den des CDU-Kreis­ver­ban­des Köln wegen Untreue in Tat­ein­heit mit Betrug und wegen Bei­hil­fe zur Steu­er­hin­ter­zie­hung zu einer Gesamt­frei­heits­stra­fe von einem Jahr ver­ur­teilt, deren Voll­stre­ckung es zur Bewäh­rung aus­ge­setzt hat 3. Wei­te­re acht Mit­an­ge­klag­te hat das Land­ge­richt jeweils wegen Bei­hil­fe zur Untreue in Tat­ein­heit mit Bei­hil­fe zum Betrug sowie wegen Steu­er­hin­ter­zie­hung zu Gesamt­geld­stra­fen zwi­schen 80 und 130 Tages­sät­zen ver­ur­teilt.

Nach den Urteils­fest­stel­lun­gen erhielt der CDU-Kreis­ver­band Köln im Jahr 1999 Par­tei­spen­den von einer oder meh­re­ren unbe­kannt geblie­be­nen Per­so­nen in einer Gesamt­hö­he von 67.000 DM. Einer der Ange­klag­ten, der dama­li­ge Vor­sit­zen­de des Kreis­ver­ban­des, woll­te, dass die Spen­den zu Guns­ten des Kreis­ver­ban­des erfasst wur­den; zugleich woll­te er errei­chen, dass Spen­der und Spen­den­hö­he ver­schlei­ert wur­den. Des­halb warb er die Mit­an­ge­klag­ten dafür, als Schein­spen­der auf­zu­tre­ten, und stell­te die­sen fal­sche Quit­tun­gen über Par­tei­spen­den aus. Die Mit­an­ge­klag­ten mach­ten in ihren Steu­er­erklä­run­gen die quit­tier­ten Spen­den steu­er­lich gel­tend und ver­kürz­ten dadurch Steu­ern. Auf­grund der Ver­schleie­rung der tat­säch­li­chen Gege­ben­hei­ten erhielt zudem die Bun­des­par­tei, wie vom Vor­sit­zen­den des Kreis­ver­bands erstrebt, zu Las­ten der ande­ren am Sys­tem der staat­li­chen Par­tei­fi­nan­zie­rung betei­lig­ten Par­tei­en eine ihr in die­ser Höhe nicht zuste­hen­de staat­li­che För­de­rung nach dem Par­tei­en­gesetz. Bei sei­nem Han­deln nahm der Ange­klag­te in Kauf, dass der wah­re Sach­ver­halt – wie dann auch gesche­hen – spä­ter bekannt wer­den und der Kreis­ver­band Köln der CDU in der Fol­ge durch Sank­tio­nen nach dem Par­tei­en­gesetz erheb­li­che finan­zi­el­le Nach­tei­le erlei­den könn­te.

Nach Auf­fas­sung des Land­ge­richts hat sich der dama­li­ge Vor­sit­zen­de des Kreis­ver­ban­des des­halb wegen Untreue in Tat­ein­heit mit Betrug und wegen Bei­hil­fe zur Steu­er­hin­ter­zie­hung straf­bar gemacht. Die Mit­an­ge­klag­ten, die sich bereit erklärt hat­ten, als Schein­spen­der auf­zu­tre­ten, und die ihnen quit­tier­ten Spen­den steu­er­lich zu ihren Guns­ten gel­tend gemacht hat­ten, sind nach Auf­fas­sung des Land­ge­richts straf­bar wegen Bei­hil­fe zur Untreue in Tat­ein­heit mit Betrug sowie wegen Steu­er­hin­ter­zie­hung.

Auf die Revi­sio­nen der Ange­klag­ten hat der Bun­des­ge­richts­hof die Ver­ur­tei­lun­gen – mit Aus­nah­me eini­ger Fest­stel­lun­gen zum Sach­ver­halt – auf­ge­ho­ben und die Sache an eine ande­re Straf­kam­mer des Land­ge­richts Köln zurück­ver­wie­sen.

Die bis­he­ri­gen Urteils­fest­stel­lun­gen tra­gen eine Ver­ur­tei­lung des Kreis­vor­sit­zen­den wegen Untreue in Tat­ein­heit mit Betrug nicht. Der Bun­des­ge­richts­hof hat hier­zu ins­be­son­de­re klar­ge­stellt, dass der vom Land­ge­richt fest­ge­stell­te Ver­stoß gegen die Vor­schrif­ten über die Behand­lung von Par­tei­spen­den im Par­tei­en­gesetz allein auch dann kei­ne Ver­mö­gens­straf­tat der Untreue (§ 266 StGB) dar­stellt, wenn das Par­tei­en­gesetz für sol­che Fäl­le eine finan­zi­el­le Sank­ti­on gegen das Par­tei­ver­mö­gen vor­sieht. Denn die Pflich­ten aus dem Par­tei­en­gesetz haben kei­nen das Par­tei­ver­mö­gen schüt­zen­den Cha­rak­ter. Nur bei Ver­let­zung einer ver­mö­gens­schüt­zen­den Norm kommt aber eine straf­ba­re Untreue in Betracht.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat die Sache an das Land­ge­richt zurück­ver­wie­sen, damit dort geklärt wer­den kann, ob statt­des­sen wegen des Ver­sto­ßes gegen par­tei­in­ter­ne Rege­lun­gen, die dem Schutz des Par­tei­ver­mö­gens die­nen und Sank­tio­nen nach dem Par­tei­en­gesetz ver­mei­den sol­len, eine Straf­bar­keit wegen Untreue in Betracht kommt. Die Ange­klag­ten hat­ten bis­her kei­ne Gele­gen­heit, sich gegen die­sen ver­än­der­ten recht­li­chen Ansatz zu ver­tei­di­gen. Dane­ben kommt wei­ter­hin eine Straf­bar­keit wegen Betru­ges zum Nach­teil der ande­ren Par­tei­en in Betracht, wenn die­se – was vom Land­ge­richt zu prü­fen sein wird – infol­ge der unrich­ti­gen Anga­ben über die Par­tei­spen­den der CDU gerin­ge­re als ihnen zuste­hen­de Mit­tel aus der staat­li­chen Par­tei­en­fi­nan­zie­rung erhal­ten hat­ten.

Die Ver­ur­tei­lung der Mit­an­ge­klag­ten, der Schein­spen­der, hat der Bun­des­ge­richts­hof eben­falls auf­ge­ho­ben; er hat die Sache auch inso­weit an das Land­ge­richt zurück­ver­wie­sen. Das Land­ge­richt muss nun inso­weit ins­be­son­de­re die für eine Straf­bar­keit wegen Steu­er­hin­ter­zie­hung bedeut­sa­men steu­er­li­chen Aus­wir­kun­gen der von den Mit­an­ge­klag­ten steu­er­lich gel­tend gemach­ten unrich­ti­gen Spen­den­quit­tun­gen prü­fen.

Untreue zulas­ten der eige­nen Par­tei

Den Ange­klag­te B. als Vor­sit­zen­den des Kreis­ver­ban­des traf eine Ver­mö­gens­be­treu­ungs­pflicht i.S.v. § 266 Abs. 1 StGB für das Ver­mö­gen des CDU-Kreis­ver­ban­des Köln. Für den Vor­sit­zen­den einer Unter­glie­de­rung einer Par­tei gilt inso­weit nichts ande­res als für den Vor­sit­zen­den eines Ver­eins 4.

Dane­ben hat­te der Ange­klag­te B. – ohne dass aber das Land­ge­richt dar­auf abge­stellt hät­te – auch gegen­über der Bun­des-CDU eine Ver­mö­gens­be­treu­ungs­pflicht i.S.v. § 266 Abs. 1 StGB 5. Ihn traf die Pflicht, bei Wahr­neh­mung der ihm ein­ge­räum­ten, (auch) für das Ver­mö­gen der Bun­des-CDU bedeut­sa­men Befug­nis­se die Ver­mö­gens­in­ter­es­sen der Bun­des­par­tei zu wah­ren. Dies gilt nament­lich auch, soweit er an den für die Par­tei­en­fi­nan­zie­rung bedeut­sa­men Rechen­schafts­be­rich­ten mit­wirk­te.

Die Bun­des­par­tei ist auf mate­ri­ell und for­mell rich­ti­ge Berich­te der nach­ge­ord­ne­ten Gebiets­ver­bän­de (§ 7 PartG) über die Her­kunft und die Ver­wen­dung der Mit­tel sowie über das Ver­mö­gen der Par­tei ange­wie­sen, um dem Prä­si­den­ten des Bun­des­ta­ges einen ord­nungs­ge­mä­ßen Rechen­schafts­be­richt (vgl. § 23 PartG) erstat­ten zu kön­nen. Der Ange­klag­te B. war daher zur Tat­zeit als Vor­sit­zen­der eines sol­chen nach­ge­ord­ne­ten Gebiets­ver­ban­des ver­pflich­tet, einen den gesetz­li­chen Pflich­ten ent­spre­chen­den Bericht zu erstel­len.

Indem der Ange­klag­te B. den Vor­schrif­ten des Par­tei­en­geset­zes zuwi­der die Erstel­lung eines unrich­ti­gen Rechen­schafts­be­richts ver­an­lass­te, ver­letz­te er aller­dings kei­ne das Ver­mö­gen sei­ner Par­tei schüt­zen­de Rechts­norm. Er hat daher – inso­weit – kei­ne ihm oblie­gen­de Ver­mö­gens­be­treu­ungs­pflicht i.S.v. § 266 Abs. 1 StGB ver­letzt.

Die vor­lie­gend betrof­fe­nen Vor­schrif­ten des Par­tei­en­geset­zes die­nen vor­nehm­lich der Sicher­stel­lung und Trans­pa­renz der staat­li­chen Par­tei­en­fi­nan­zie­rung. Dage­gen sol­len die sich hier­aus erge­ben­den Ver­pflich­tun­gen der für die Par­tei­en han­deln­den Per­so­nen nicht das jewei­li­ge Par­tei­ver­mö­gen vor Regress­an­sprü­chen des Bun­des schüt­zen. Damit kann auch ein Ver­stoß gegen die­se Vor­schrif­ten des Par­tei­en­geset­zes für sich allein kei­ne pflicht­wid­ri­ge Hand­lung i.S.v. § 266 Abs. 1 StGB dar­stel­len. Pflicht­wid­rig im Sin­ne die­ser Vor­schrift sind nur Ver­stö­ße gegen ver­mö­gens­schüt­zen­de Nor­men 6. Jeden­falls der hier ver­letz­te § 25 PartG aF bezweckt einen sol­chen Ver­mö­gens­schutz aber nicht. Der Umstand, dass ein Ver­stoß gegen die Vor­schrif­ten des Par­tei­en­geset­zes spe­zi­fi­sche und sich damit mit­tel­bar auf das Ver­mö­gen der Par­tei aus­wir­ken­den Sank­tio­nen aus­lö­sen kann, macht die­se Vor­schrif­ten nicht zu ver­mö­gens­schüt­zen­den Nor­men i.S.v. § 266 StGB.

Das Ver­hal­ten des Ange­klag­ten B. berühr­te gleich­wohl Pflich­ten, die das Ver­mö­gen der Par­tei schüt­zen soll­ten. Denn die Beach­tung der Vor­schrif­ten des Par­tei­en­geset­zes war hier im Ver­hält­nis zwi­schen der Bun­des-CDU und den Funk­ti­ons­trä­gern der Par­tei, die mit den Par­tei­en­fi­nan­zen befasst waren, Gegen­stand einer selb­stän­di­gen, von der Par­tei sta­tu­ier­ten Ver­pflich­tung.

Die­se par­tei­in­ter­ne Pflicht war dem Ange­klag­ten B. auch bekannt. Im Leit­fa­den zum Abrech­nungs­buch für Stadt, Stadt­be­zirks, Gemein­de- und Orts­ver­bän­de der CDU Deutsch­land wur­de von jedem mit Par­tei­en­fi­nan­zen befass­ten Funk­ti­ons­trä­ger aus­drück­lich die Beach­tung der gesetz­li­chen (d.h. aus dem Par­tei­en­gesetz fol­gen­den) Buch­füh­rungs­pflich­ten gefor­dert, damit finan­zi­el­le Nach­tei­le für die Par­tei ver­mie­den wer­den. Die­se For­de­rung, die gesetz­li­chen Buch­füh­rungs­pflich­ten zu beach­ten, beschränk­te sich nicht auf die all­ge­mei­ne Auf­for­de­rung zum geset­zes­treu­en Ver­hal­ten. Viel­mehr soll­ten mit der sta­tu­ier­ten Ver­pflich­tung zur Ein­hal­tung der Vor­schrif­ten des Par­tei­en­geset­zes gera­de – wie sich aus dem Hin­weis auf die aus Ver­stö­ßen resul­tie­ren­den finan­zi­el­len Nach­tei­len ergibt – Ver­mö­gens­ein­bu­ßen ver­mie­den wer­den, die sich aus gesetz­wid­ri­gem Ver­hal­ten erge­ben kön­nen. Hier­durch wur­de die Beach­tung der Vor­schrif­ten des Par­tei­en­geset­zes für die mit den Par­tei­en­fi­nan­zen befass­ten Funk­ti­ons­trä­ger der Par­tei zu einer fremd­nüt­zi­gen, das Par­tei­ver­mö­gen schüt­zen­den Haupt­pflicht i.S.v. § 266 Abs. 1 StGB.

Die Bun­des-CDU durf­te im Hin­blick auf die bei einem Ver­stoß gegen das Par­tei­en­gesetz für das Par­tei­ver­mö­gen dro­hen­den Sank­tio­nen ent­spre­chen­de Pflich­ten zum Schutz des Par­tei­ver­mö­gens durch Sat­zung oder par­tei­in­ter­ne Vor­ga­ben begrün­den. Im Hin­blick auf die erheb­li­chen finan­zi­el­len Aus­wir­kun­gen sol­cher Sank­tio­nen besteht – jen­seits even­tu­el­ler Scha­dens­er­satz­an­sprü­che – ein anzu­er­ken­nen­des Inter­es­se der Par­tei­en, die Ein­hal­tung der Vor­schrif­ten des Par­tei­en­geset­zes gegen­über den mit den Par­tei­en­fi­nan­zen befass­ten Funk­ti­ons­trä­gern der Par­tei als ver­mö­gens­schüt­zen­de Haupt­pflich­ten aus­zu­ge­stal­ten. Zwi­schen den Auf­ga­ben der Ver­pflich­te­ten und dem inso­weit zu schüt­zen­den Ver­mö­gen besteht vor­lie­gend auch ein hin­rei­chen­der funk­tio­na­ler Zusam­men­hang, der die Sta­tu­ie­rung ent­spre­chen­der – sich auch straf­recht­lich aus­wir­ken­der – Pflich­ten zum Schutz des Par­tei­en­ver­mö­gens recht­fer­tigt.

Der Ange­klag­te B. hat die ihn tref­fen­de Ver­mö­gens­be­treu­ungs­pflicht ver­letzt, indem er inhalt­lich fal­sche Berich­te über die Her­kunft und die Ver­wen­dung der Mit­tel sowie über das Ver­mö­gen des CDU-Kreis­ver­ban­des erstat­tet hat. Wegen der par­tei­in­ter­nen Aus­ge­stal­tung der Pflicht zur ord­nungs­ge­mä­ßen Buch­füh­rung als ver­mö­gens­be­zo­ge­ne Haupt­pflicht war auch der erfor­der­li­che untreue­spe­zi­fi­sche Zusam­men­hang zwi­schen der Pflicht­ver­let­zung und dem geschütz­ten Rechts­gut Ver­mö­gen gege­ben 7. Nicht der Ver­stoß gegen die nicht ver­mö­gens­schüt­zen­den Vor­schrif­ten des Par­tei­en­geset­zes, son­dern die Ver­let­zung der dem Ange­klag­ten B. auf­grund sei­ner Funk­ti­on durch Rechts­ge­schäft auf­er­leg­ten Treue­pflich­ten begrün­de­te damit die Pflicht­wid­rig­keit sei­nes Tuns i.S.v. § 266 Abs. 1 StGB.

Gemes­sen an dem schutz­wür­di­gen Inter­es­se der Par­tei als Ver­mö­gens­trä­ger erweist sich die Pflicht­ver­let­zung des Ange­klag­ten B. auch als gra­vie­rend 8. Sie war zum einen durch die Anga­be von Schein­spen­dern gezielt ver­schlei­ert. Zum ande­ren war die feh­ler­haf­te Ver­bu­chung von Spen­den geeig­net, erheb­li­che das Par­tei­ver­mö­gen betref­fen­de Sank­tio­nen nach sich zu zie­hen. Auch ist zwi­schen der Pflicht­ver­let­zung und dem geschütz­ten Ver­mö­gen der erfor­der­li­che funk­tio­na­le Zusam­men­hang gege­ben, der die par­tei­in­ter­ne Sta­tu­ie­rung der – hier ver­letz­ten – Pflich­ten zum Schutz des Par­tei­ver­mö­gens recht­fer­tigt.

Die Annah­me des Land­ge­richts, dass dem Ver­mö­gen des CDU-Kreis­ver­ban­des Köln durch das Ver­hal­ten des Ange­klag­ten B. ein Nach­teil i.S.v. § 266 Abs. 1 StGB ent­stan­den ist, wird aller­dings durch die bis­he­ri­gen Fest­stel­lun­gen nicht belegt.

Das Land­ge­richt begrün­det sei­ne Wer­tung, dass dem Ver­mö­gen des CDU-Kreis­ver­ban­des ein Nach­teil ent­stan­den sei, damit, dass nach § 46 Abs. 4 der zur Tat­zeit gel­ten­den Sat­zung des CDU­Lan­des­ver­bands Nord­rhein­West­fa­len im Fal­le von durch einen Kreis­ver­band ver­ur­sach­ten Sank­tio­nen des Prä­si­den­ten des Bun­des­ta­ges nach § 23a PartG aF Rück­griff auf den Kreis­ver­band genom­men wer­de. Inso­weit wird in den Urteils­grün­den zwar fest­ge­stellt, dass in der Sat­zung ent­spre­chen­de Haf­tungs­tat­be­stän­de vor­han­den sind. Aller­dings wird nicht fest­ge­stellt, dass der CDU-Kreis­ver­band Köln inner­halb der CDU auch tat­säch­lich in Anspruch genom­men wur­de oder eine sol­che Inan­spruch­nah­me ernst­haft droht. Die blo­ße Exis­tenz eines in der Par­tei­sat­zung ent­hal­te­nen Haf­tungs­tat­be­stan­des genügt indes nicht, um einen bereits ein­ge­tre­te­nen Ver­mö­gens­nach­teil des CDU-Kreis­ver­ban­des Köln i.S.v. § 266 Abs. 1 StGB zu begrün­den. Inso­weit weist die Revi­si­on zu Recht dar­auf hin, dass die Ent­schei­dung über die haf­tungs­recht­li­che Inan­spruch­nah­me eines Kreis­ver­ban­des einer Par­tei durch die dem Kreis­ver­band über­ge­ord­ne­te Bun­des­par­tei nicht in ers­ter Linie an wirt­schaft­li­chen Gesichts­punk­ten aus­ge­rich­tet sein wird. Es hät­te daher kon­kre­ter Fest­stel­lun­gen dazu bedurft, ob – und wenn ja, in wel­cher Höhe – die Durch­set­zung von Ersatz­an­sprü­chen gegen­über dem CDU-Kreis­ver­band Köln tat­säch­lich beab­sich­tigt war.

Eine straf­ba­re Untreue könn­te aller­dings auch dar­in lie­gen, dass das pflicht­wid­ri­ge Ver­hal­ten des Ange­klag­ten B. das Ver­mö­gen der Bun­des-CDU den im Par­tei­en­gesetz vor­ge­se­he­nen Sank­tio­nen aus­ge­setzt und damit die­sem Ver­mö­gen einen Nach­teil i.S.v. § 266 Abs. 1 StGB zuge­fügt hat. Das Land­ge­richt hat indes hin­sicht­lich des Ver­mö­gens­nach­teils allein auf das Ver­mö­gen des CDU-Kreis­ver­ban­des Köln abge­stellt. In der Ankla­ge wird der Untreue­vor­wurf auf ande­re, nach Auf­fas­sung des Bun­des­ge­richts­hofs nicht trag­fä­hi­ge tat­säch­li­che und recht­li­che Gesichts­punk­te gestützt. Der Bun­des­ge­richts­hof könn­te daher die Ver­ur­tei­lung nur dann auf die ver­än­der­ten Gesichts­punk­te stüt­zen, wenn der Ange­klag­te in der Haupt­ver­hand­lung ent­spre­chend § 265 Abs. 1 StPO hier­auf hin­ge­wie­sen wor­den wäre oder zumin­dest aus­zu­schlie­ßen ist, dass er sich, wenn er dar­auf hin­ge­wie­sen wor­den wäre, anders als gesche­hen hät­te ver­tei­di­gen kön­nen. Bei­des ist nicht der Fall. Der Schuld­spruch wegen Untreue ist daher auf­zu­he­ben.

Untreue zulas­ten der übri­gen Par­tei­en

Die Ver­ur­tei­lung des Ange­klag­ten B. wegen Betru­ges zum Nach­teil der ande­ren an der staat­li­chen Par­tei­en­fi­nan­zie­rung betei­lig­ten Par­tei­en kann eben­falls kei­nen Bestand haben.

Bereits die Auf­he­bung des Schuld­spruchs wegen Untreue bedingt die Auf­he­bung der Ver­ur­tei­lung wegen tat­ein­heit­lich began­ge­nen Betru­ges. Der Bun­des­ge­richts­hof ist schon des­halb dar­an gehin­dert, den Schuld­spruch wegen Betru­ges iso­liert auf­recht­zu­er­hal­ten, weil nach den obi­gen Aus­füh­run­gen nicht aus­ge­schlos­sen wer­den kann, dass das neue Tat­ge­richt wie­der zu einer Ver­ur­tei­lung wegen (tat­ein­heit­lich began­ge­nen) Betru­ges gelan­gen wird.

Indem der Ange­klag­te B. ver­an­lass­te, dass in den Rechen­schafts­be­richt der CDU (§§ 23, 24 PartG aF) rechts­wid­rig erlang­te Spen­den (hier nach § 23a Abs. 1 Satz 1, § 25 Abs. 1 Satz 2 Nr. 5 PartG aF) auf­ge­nom­men wur­den, damit die Par­tei nach Ein­rei­chung des Rechen­schafts­be­richts (§ 23 Abs. 2 Satz 3 PartG aF) und Bean­tra­gung der staat­li­chen För­de­rung (§ 19 Abs. 1 Satz 1 PartG aF) staat­li­che Mit­tel in ihr tat­säch­lich nicht zuste­hen­der Höhe erhält, täusch­te er den Prä­si­den­ten des Deut­schen Bun­des­ta­ges über die Bemes­sungs­grund­la­gen für die För­de­rung im Rah­men der staat­li­chen Par­tei­en­fi­nan­zie­rung. Durch die täu­schungs­be­ding­te Fest­set­zung (§ 19 Abs. 2 PartG aF) und Aus­zah­lung der För­de­rung ent­stand in Höhe des nicht gerecht­fer­tig­ten Aus­zah­lungs­be­tra­ges ein Ver­mö­gens­scha­den.

Ver­fü­gen­der und Geschä­dig­ter waren hier aller­dings nicht iden­tisch. Denn die Täu­schung über die Höhe der berück­sich­ti­gungs­fä­hi­gen Spen­den ließ den Gesamt­um­fang der staat­li­chen Par­tei­en­fi­nan­zie­rung unbe­rührt und betraf nur die Ver­tei­lung der För­der­sum­me auf die ein­zel­nen Par­tei­en. Die unrich­ti­gen Anga­ben im Rechen­schafts­be­richt der CDU konn­ten sich somit auf die För­der­be­trä­ge der ande­ren Par­tei­en aus­wir­ken. Wür­de näm­lich – wie hier – im betrof­fe­nen Kalen­der­jahr bei Aus­zah­lung der den Par­tei­en unter Beach­tung der rela­ti­ven Ober­gren­ze (§ 18 Abs. 5 Satz 1 PartG aF) gesetz­lich an sich zuste­hen­den Zuschüs­se nach § 18 Abs. 3 PartG aF die abso­lu­te Ober­gren­ze der För­de­rung über­schrit­ten, sind die den Par­tei­en zuste­hen­den För­de­rungs­be­trä­ge antei­lig zu kür­zen (§ 18 Abs. 2 und Abs. 5 Satz 2 PartG aF i.V.m. § 19 Abs. 6 Satz 2 PartG aF) 9. Damit konn­te der täu­schungs­be­ding­te Ver­mö­gens­scha­den nicht beim Bund, son­dern nur bei den­je­ni­gen Par­tei­en ein­tre­ten, die wegen der Falsch­an­ga­ben eine nied­ri­ge­re als ihnen zuste­hen­de För­de­rung erhiel­ten.

Die Urteils­fest­stel­lun­gen zum Ver­mö­gens­nach­teil der ande­ren Par­tei­en ent­hal­ten aller­dings einen durch­grei­fen­den Rechts­feh­ler. Sie sind lücken­haft, weil sich aus ihnen nicht ergibt, ob und gege­be­nen­falls in wel­chem Umfang bei den übri­gen am Sys­tem der staat­li­chen Par­tei­en­fi­nan­zie­rung betei­lig­ten Par­tei­en durch die Fest­set­zung gerin­ge­rer För­de­rungs­be­trä­ge ein Ver­mö­gens­scha­den ein­ge­tre­ten ist. Der Bun­des­ge­richts­hof kann auch nicht aus­schlie­ßen, dass das Urteil auf die­sem Dar­le­gungs­man­gel beruht.

Da hier – wie dar­ge­legt – die Sum­me der staat­li­chen Finan­zie­rungs­be­trä­ge die abso­lu­te Ober­gren­ze der Par­tei­en­fi­nan­zie­rung über­schrei­ten wür­de, waren die Ansprü­che der Par­tei­en antei­lig zu kür­zen, wobei sich die För­der­quo­te einer Par­tei aus dem Ver­hält­nis ihrer anrech­nungs­fä­hi­gen Ein­nah­men (§ 18 Abs. 5 Satz 1 PartG aF) gegen­über denen der ande­ren Par­tei­en ergab (§ 19 Abs. 5, 6 PartG aF). Zur Bestim­mung des Umfangs der Aus­wir­kung, die den Ver­mö­gens­scha­den der ande­ren Par­tei­en bil­det, hät­te es der Fest­stel­lung der Finan­zie­rungs­be­trä­ge der Par­tei­en im betrof­fe­nen Kalen­der­jahr bedurft. Dar­an fehlt es hier.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 13. April 2011 – 1 StR 94/​10

  1. i.d.F. vom 28.01.1994[][]
  2. Fort­füh­rung von BGH, Beschluss vom 13.09.2010 – 1 StR 220/​09[]
  3. LG Köln, Urteil vom 04.08.2009 – 106 – 13/​06 []
  4. vgl. BGH, Urteil vom 05.02.1991 – 1 StR 623/​90, BGHR StGB § 266 Abs. 1 Ver­mö­gens­be­treu­ungs­pflicht 18; BGH, Urteil vom 27.02.1975 – 4 StR 571/​74, NJW 1975, 1234; BGH, Beschluss vom 13.06.1986 – 3 StR 197/​86, wis­tra 1986, 256[]
  5. vgl. auch BGH, Beschluss vom 21.12. 2006 – 3 StR 240/​06, NStZ-RR 2007, 176[]
  6. vgl. BGH, Beschluss vom 13.09. 2010 – 1 StR 220/​09, NJW 2011, 88, 91[]
  7. vgl. dazu BGH, Beschluss vom 13.09. 2010 – 1 StR 220/​09, NJW 2011, 88, 91[]
  8. vgl. BGH, Urteil vom 15.11.2001 – 1 StR 185/​01, BGHSt 47, 148, 150; BGH, Urteil vom 06.12. 2001 – 1 StR 215/​01, BGHSt 47, 187; BGH, Urteil vom 13.05.2004 – 5 StR 73/​03, BGHSt 49, 147, 155[]
  9. vgl. BGH, Beschluss vom 21.12. 2006 – 3 StR 240/​06, NStZ-RR 2007, 176; BGH, Urteil vom 28.10.2004 – 3 StR 301/​03, BGHSt 49, 275, 299 f.[]