Ver­stän­di­gung im Straf­pro­zess – und die ver­ein­bar­te Revi­si­ons­rück­nah­me

Eine Rück­nah­me­er­klä­rung ist grund­sätz­lich unwi­der­ruf­lich und unan­fecht­bar1.

Ver­stän­di­gung im Straf­pro­zess – und die ver­ein­bar­te Revi­si­ons­rück­nah­me

Es kann offen­blei­ben, ob sie taug­li­cher Gegen­stand einer Ver­stän­di­gung sein kann2. Denn selbst wenn man eine der­ar­ti­ge Gesamt­lö­sung unter Ein­be­zie­hung eines ande­ren Ver­fah­rens für unzu­läs­sig hält3, kann dies nicht dazu füh­ren, dass eine ent­spre­chen­de Erklä­rung unbe­acht­lich ist.

Dies wür­de dem Ange­klag­ten sei­ne Stel­lung als Pro­zess­sub­jekt rau­ben, kraft derer ihm die Mög­lich­keit gege­ben sein muss, auf den Gang und das Ergeb­nis des Straf­ver­fah­rens Ein­fluss zu neh­men4.

Schon des­halb ver­bie­tet sich man­gels ver­gleich­ba­rer Sach­ver­hal­te auch eine ana­lo­ge Anwen­dung des § 302 Abs. 1 Satz 2 StPO5, der ledig­lich den Ver­zicht auf ein Rechts­mit­tel unter­sagt, wenn dem Urteil eine Ver­stän­di­gung vor­aus­ge­gan­gen ist, die­ses aber nicht von Amts wegen einer Über­prü­fung durch das Beru­fungs- bzw. das Revi­si­ons­ge­richt unter­stellt.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 24. Novem­ber 2015 – 3 StR 312/​15

  1. st. Rspr., vgl. etwa BGH, Beschluss vom 22.09.1993 – 2 StR 367/​93, BGHR StPO § 302 Abs. 1 Satz 1 Rechts­mit­tel­ver­zicht 13; Mey­er-Goß­ner/­Sch­mitt, StPO, 58. Aufl., § 302 Rn. 9 f., 22 auch zu Aus­nah­men
  2. so KG, Beschluss vom 09.12 2014 – 2 Ws 7/​15, NStZ 2015, 236, 237
  3. so aus­drück­lich Knauer/​Pretsch, NStZ 2015, 238; Mos­ba­cher, JuS 2015, 701, 703 unter Bezug­nah­me auf BVerfG, Urteil vom 19.03.2013 – 2 BvR 2628/​10 u.a., BVerfGE 133, 168, 214
  4. vgl. BVerfG, Beschluss vom 12.04.1983 – 2 BvR 1304/​80 u.a., BVerfGE 63, 380, 390; eben­so KG aaO, 238
  5. im Ergeb­nis eben­so KG aaO, 237