Ver­stän­di­gungs­ge­sprä­che – und die Feh­ler in der Mit­tei­lung hier­über

Der Erfül­lung der Mit­tei­lungs­pflicht steht das im Hin­blick auf die Infor­ma­ti­on der Öffent­lich­keit bean­stan­de­te Feh­len einer Klar­stel­lung der fälsch­li­chen Benen­nung des Datums des Ver­merks der frü­he­ren Vor­sit­zen­den über den Erör­te­rungs­ter­min nicht ent­ge­gen.

Ver­stän­di­gungs­ge­sprä­che – und die Feh­ler in der Mit­tei­lung hier­über

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts besteht ein zen­tra­les Anlie­gen der vom Gesetz­ge­ber mit dem Ver­stän­di­gungs­ge­setz ver­folg­ten Rege­lungs­kon­zep­ti­on in der Kon­trol­le des Ver­stän­di­gungs­ge­sche­hens durch die Öffent­lich­keit. Dem Gesetz­ge­ber sei es maß­geb­lich dar­auf ange­kom­men, die Trans­pa­renz der straf­ge­richt­li­chen Haupt­ver­hand­lung und die Unter­rich­tung der Öffent­lich­keit in der Haupt­ver­hand­lung gera­de im Fal­le einer Ver­stän­di­gung zu bewah­ren; die Ver­stän­di­gung müs­se sich nach dem Wil­len des Gesetz­ge­bers "im Lich­te der öffent­li­chen Haupt­ver­hand­lung offen­ba­ren" 1.

Die mit der Mög­lich­keit einer Beob­ach­tung der Haupt­ver­hand­lung durch die All­ge­mein­heit ver­bun­de­ne öffent­li­che Kon­trol­le der Jus­tiz erhal­te durch die gesetz­li­che Zulas­sung der in eine ver­trau­li­che Atmo­sphä­re drän­gen­den Ver­stän­di­gun­gen zusätz­li­ches Gewicht. Dem habe der Gesetz­ge­ber durch die Mit­tei­lungs­pflicht in § 243 Abs. 4 StPO Rech­nung getra­gen. Die Öffent­lich­keit kön­ne ihre Kon­troll­funk­ti­on aber nur aus­üben, wenn sie die Infor­ma­tio­nen erhal­te, die zur Beur­tei­lung der Ange­mes­sen­heit einer etwai­gen Ver­stän­di­gung erfor­der­lich sind. Nur so bleibt der gericht­li­che Ent­schei­dungs­pro­zess trans­pa­rent und die Recht­spre­chung auch in Ver­stän­di­gungs­fäl­len für die All­ge­mein­heit durch­schau­bar 2. Zugleich dien­ten die Trans­pa­renz­vor­schrif­ten des Ver­stän­di­gungs­ge­set­zes dem Schutz des Ange­klag­ten vor einem im Gehei­men sich voll­zie­hen­den "Schul­ter­schluss" zwi­schen Gericht, Staats­an­walt­schaft und Ver­tei­di­gung 3. Die Kon­trol­le durch die Öffent­lich­keit sol­le ver­hin­dern, dass "sach­frem­de, das Licht der Öffent­lich­keit scheu­en­de Umstän­de auf das Gericht und damit auf das Urteil Ein­fluss gewin­nen" 4.

Die­se Kon­troll­funk­ti­on der Öffent­lich­keit ist durch die feh­len­de Klar­stel­lung über das Datum des Erör­te­rungs­ter­mins und des dar­über gefer­tig­ten Ver­merks nicht in Fra­ge gestellt wor­den. Die Öffent­lich­keit hat in dem durch § 243 Abs. 4 Satz 1 StPO gebo­te­nen Umfang Kennt­nis von der Durch­füh­rung einer Erör­te­rung gemäß § 202a StPO und deren Inhalt erhal­ten. Ange­sichts des Ablaufs des Ver­fah­rens bis zu der Ver­le­sung des Ver­merks las­sen sich Miss­ver­ständ­nis­se über Art und Anzahl mit­tei­lungs­pflich­ti­ger Erör­te­run­gen vor Beginn der Haupt­ver­hand­lung im ers­ten Rechts­gang, die sich auf die Wirk­sam­keit der Kon­troll­funk­ti­on hin­sicht­lich der bei­den Ange­klag­ten aus­ge­wirkt haben könn­ten, sicher aus­schlie­ßen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 3. Dezem­ber 2015 – 1 StR 169/​15

  1. vgl. BVerfGE 133, 168, 214 f., Rn. 81 f. unter Hin­weis auf die Begrün­dung des Gesetz­ent­wurfs der Bun­des­re­gie­rung, BT-Drs. 16/​12310, S. 8, 12; BVerfG, Beschluss vom 15.01.2015 – 2 BvR 2055/​14, NStZ 2015, 172, 173[]
  2. BVerfG, Beschluss vom 15.01.2015 – 2 BvR 2055/​14, NStZ 2015, 172, 173 mwN[]
  3. vgl. BVerfG, Beschluss vom 01.07.2014 – 2 BvR 989/​14, Rn. 11; BVerfG, Beschluss vom 15.01.2015 – 2 BvR 2055/​14, NStZ 2015, 172, 173[]
  4. vgl. BVerfG, Beschluss vom 15.01.2015 – 2 BvR 2055/​14, NStZ 2015, 172, 173 mwN[]