Ver­stän­di­gungs­ge­sprä­che vor der Haupt­ver­hand­lung – und die Infor­ma­ti­on in der Haupt­ver­hand­lung

Über vor der Haupt­ver­hand­lung geführ­te Gesprä­che, deren Gegen­stand die Mög­lich­keit einer Ver­stän­di­gung war, ist in der Haupt­ver­hand­lung zu infor­mie­ren, § 243 Abs. 4 Satz 1 StPO.

Ver­stän­di­gungs­ge­sprä­che vor der Haupt­ver­hand­lung – und die Infor­ma­ti­on in der Haupt­ver­hand­lung

Fin­den sol­che Gesprä­che statt, ist in der Haupt­ver­hand­lung deren wesent­li­chen Inhalt mit­zu­tei­len, mit­hin, von wel­cher Sei­te die Fra­ge einer Ver­stän­di­gung auf­ge­wor­fen wur­de, wel­che Stand­punk­te von ein­zel­nen Gesprächs­teil­neh­mern dabei ver­tre­ten wur­den und ob sie bei ande­ren auf Zustim­mung oder Ableh­nung gesto­ßen sind [1].

Dem­ge­mäß sah der Bun­des­ge­richts­hof in dem hier beur­teil­ten Fall eine Ver­let­zung von § 243 Abs. 4 Satz 1 StPO:

Die Mit­tei­lung der im Vor­feld der Haupt­ver­hand­lung geführ­ten Gesprä­che, in denen es um die Ein­stel­lung bestimm­ter Vor­wür­fe gegen ein Geständ­nis des Ange­klag­ten und die Ver­hän­gung einer noch bewäh­rungs­fä­hi­gen Stra­fe ging, erfolg­te, wie aus dem Pro­to­koll bewie­sen wird, nur rudi­men­tär ("Es wur­de fest­ge­stellt, dass Erör­te­run­gen nach den §§ 202a, 212 StPO, deren Gegen­stand die Mög­lich­keit einer Ver­stän­di­gung gemäß § 257c StPO gewe­sen ist, statt­ge­fun­den haben. Dabei wur­de sei­tens der Staats­an­walt­schaft und der Kam­mer bei Ein­stel­lung meh­re­rer Ankla­ge­punk­te aus der Ankla­ge 16.06.2014 die Ver­hän­gung einer bewäh­rungs­fä­hi­gen Gesamt­stra­fe in Aus­sicht gestellt").

Der Bun­des­ge­richts­hof konn­te nicht aus­schlie­ßen, dass das Urteil auf die­sem Rechts­feh­ler beruht [2]. Die Sache bedurf­te des­halb neu­er Ver­hand­lung und Ent­schei­dung.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 3. März 2020 – 5 StR 36/​20

  1. st. Rspr., vgl. zuletzt nur BGH, Beschluss vom 26.11.2019 – 3 StR 336/​19, NStZ-RR 2020, 87; BVerfG, Beschluss vom 04.02.2020 – 2 BvR 900/​19, je mwN[]
  2. vgl. zum Prü­fungs­maß­stab BVerfG, aaO Rn. 36 ff.[]