Ver­such der Betei­li­gung an einem Ver­bre­chen – und die straf­ba­re Vor­be­rei­tungs­hand­lung

Der Ver­such der Betei­li­gung an einem Ver­bre­chen im Sin­ne von § 30 Abs. 2 StGB steht mit einer unter Stra­fe gestell­ten Vor­be­rei­tung die­ses Ver­bre­chens jeden­falls dann in Tat­ein­heit (§ 52 Abs. 1 StGB), wenn die sich aus § 30 Abs. 1 und 2 StGB erge­ben­de Straf­an­dro­hung die­je­ni­ge für die Vor­be­rei­tungs­hand­lung über­steigt [1].

Ver­such der Betei­li­gung an einem Ver­bre­chen – und die straf­ba­re Vor­be­rei­tungs­hand­lung

Zwar erfor­dert die Vor­be­rei­tung einer Straf­tat – hier gemäß § 310 Abs. 1 Nr. 2 StGB – wei­ter­ge­hen­de, über deren blo­ße Ver­ab­re­dung hin­aus­ge­hen­de Schrit­te in Rich­tung auf die Voll­endung.

Die Annah­me eines Stu­fen­ver­hält­nis­ses mit der Fol­ge einer Ver­drän­gung der Ver­ab­re­dung [2] ver­bie­tet sich in den genann­ten Fäl­len jedoch schon auf­grund der in der höhe­ren Straf­an­dro­hung für die Ver­ab­re­dung – hier nach § 308 Abs. 1, § 30 Abs. 2, § 49 Abs. 1 StGB – zum Aus­druck kom­men­den gesetz­li­chen Wer­tung.

Der Grund dafür, Tat­hand­lun­gen nach § 30 StGB hin­sicht­lich der Straf­an­dro­hung weit­ge­hend dem Ver­such gleich­zu­stel­len, liegt in der Gefähr­lich­keit des kon­spi­ra­ti­ven Zusam­men­wir­kens meh­re­rer Per­so­nen, das Grup­pen­dy­na­mik ent­fal­ten, die Betei­lig­ten psy­chisch bin­den und so die spä­te­re Aus­füh­rung der Tat wahr­schein­li­cher machen kann.

Allein eine Vor­be­rei­tungs­hand­lung, die tat­be­stand­lich kei­ne Mit­wir­kung eines wei­te­ren Betei­lig­ten erfor­dert, weist die­sen beson­de­ren Unrechts­ge­halt nicht auf.

Umge­kehrt tritt aber auch die Vor­be­rei­tung nicht hin­ter die Ver­ab­re­dung zurück [3], denn § 30 StGB erfasst sei­ner­seits nicht den anders gela­ger­ten Unrechts­ge­halt der­je­ni­gen Tat­be­stän­de, in denen der Gesetz­ge­ber unter­halb der Ver­suchs­schwel­le lie­gen­de Vor­be­rei­tungs­hand­lun­gen wegen dar­in ent­hal­te­ner tat­säch­li­cher Schrit­te hin zur Voll­endung des Ver­bre­chens als straf­wür­dig ein­ge­stuft hat.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 8. Dezem­ber 2015 – 3 StR 438/​15

  1. im Anschluss an BGH, Urteil vom 24.01.2001 – 3 StR 324/​00, BGHSt 46, 266; im Ergeb­nis eben­so LK/​Wolff aaO, § 310 Rn.19; Fischer aaO, § 310 Rn. 9[]
  2. so NK-StGB-Zac­zyk, 4. Aufl., § 30 Rn. 80[]
  3. so aber S/​S‑Heine/​Bosch aaO, § 310 Rn. 11; Münch­Komm-StGB/­Krack aaO, § 310 Rn. 15; Lackner/​Kühl aaO, § 310 Rn. 5[]