Ver­such – und die Straf­rah­men­ver­schie­bung

Über eine Ver­schie­bung des Straf­rah­mens wegen Ver­suchs ist auf Grund einer Gesamt­schau aller schuld­re­le­van­ten Umstän­de zu ent­schei­den.

Ver­such – und die Straf­rah­men­ver­schie­bung

Dabei hat das Tat­ge­richt neben der Per­sön­lich­keit des Täters die Tat­um­stän­de im wei­tes­ten Sin­ne und dabei vor allem die ver­suchs­be­zo­ge­nen Gesichts­punk­te, ins­be­son­de­re die Nähe zur Tat­voll­endung, die Gefähr­lich­keit des Ver­suchs und die ein­ge­setz­te kri­mi­nel­le Ener­gie, umfas­send zu wür­di­gen 1.

Die­sen Anfor­de­run­gen ist das Land­ge­richt im hier vom Bun­des­ge­richts­hof beur­teil­ten Fall – auch ein­ge­denk des begrenz­ten revi­si­ons­ge­richt­li­chen Prü­fungs­maß­stabs, nach dem die Ent­schei­dung des Tat­ge­richts bis zur Gren­ze des Ver­tret­ba­ren hin­zu­neh­men ist 2 – noch gerecht gewor­den:

Es hat sich ein­ge­hend mit der Per­son des Ange­klag­ten aus­ein­an­der gesetzt, hat das Tat­un­recht aller drei Taten in den Blick genom­men, indem es die Ver­wirk­li­chung der Mord­merk­ma­le Heim­tü­cke und der nied­ri­gen Beweg­grün­de bei den Taten zu Las­ten der bei­den älte­ren Kin­der sowie die tat­ein­heit­li­che Ver­wirk­li­chung der gefähr­li­chen Kör­per­ver­let­zung ange­spro­chen hat. Schließ­lich hat die Straf­kam­mer die "Gefähr­lich­keit des Ver­suchs und damit die tat­säch­li­che Nähe zur Voll­endung der Tat und dem Ein­tritt des gewoll­ten Erfolgs" eben­so berück­sich­tigt wie die Fol­gen der Tat für sei­ne Kin­der.

Dass das Land­ge­richt die an ande­rer Stel­le erwähn­te erhöh­te kri­mi­nel­le Ener­gie des Ange­klag­ten nicht aus­drück­lich als zu berück­sich­ti­gen­den Umstand auf­ge­führt hat, lässt nicht besor­gen, es habe die Tat­um­stän­de, aus denen sich die erhöh­te kri­mi­nel­le Ener­gie des Ange­klag­ten ergibt, aus dem Blick ver­lo­ren. Der Begrün­dung der Straf­zu­mes­sungs­ent­schei­dung lässt sich ent­neh­men, dass die Straf­kam­mer neben den schon erwähn­ten Umstän­den, die – wie etwa das heim­tü­cki­sche Vor­ge­hen – das Tat­bild prä­gen, die Tötungs­ab­sicht und damit das ziel­ge­rich­te­te Vor­ge­hen des Ange­klag­ten im Blick hat­te und zudem zu sei­nen Las­ten die frap­pie­ren­de Gleich­gül­tig­keit in Bezug auf das von ihm zuge­füg­te Leid sei­ner Kin­der berück­sich­tig­te. Dass das Land­ge­richt den durch die kon­kre­ten Taten begrün­de­ten Schuld­vor­wurf ohne Berück­sich­ti­gung der dabei auf­ge­wen­de­ten kri­mi­nel­len Ener­gie in die Gesamt­ab­wä­gung ein­ge­stellt haben könn­te, liegt ange­sichts des­sen fern.

Schließ­lich lässt die Erwä­gung des Land­ge­richts, die kör­per­li­chen Fol­gen der Taten sei­en ver­gleichs­wei­se gering, ins­be­son­de­re sei­en Spät­fol­gen kör­per­li­cher Art bei kei­nem der Kin­der zwin­gend, nicht besor­gen, die Straf­kam­mer habe die "ver­schul­de­ten Aus­wir­kun­gen der Tat" nicht in genü­gen­der Wei­se in den Blick genom­men. Das Land­ge­richt hat aus­drück­lich die schwe­ren Fol­gen der Taten für die Kin­der M. und Ma. her­vor­ge­ho­ben und in ihre Abwä­gung gestellt. Inso­weit han­delt es sich bei dem Hin­weis der Straf­kam­mer auf die "ver­gleichs­wei­se gerin­gen Fol­gen" der Tat ledig­lich um eine wenig gelun­ge­ne For­mu­lie­rung, die deut­lich machen soll, dass ange­sichts der Tat­be­ge­hung weit schwer­wie­gen­de­re Fol­gen gedroht hät­ten, die­se aber nicht ein­ge­tre­ten sind.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 22. Novem­ber 2017 – 2 StR 166/​17

  1. st. Rspr.; vgl. BGH, Beschluss vom 28.09.2010, wis­tra 2011, 18 m.w.N.[]
  2. st. Rspr.; vgl. BGH NStZ 2004, 620 m.w.N.[]