Ver­such­te Straf­ver­ei­te­lung – und der Vor­satz

Der Tat­be­stand eines ver­such­ten Delikts ver­langt in sub­jek­ti­ver Hin­sicht (Tatent­schluss) das Vor­lie­gen einer vor­satz­glei­chen Vor­stel­lung, die sich auf alle Umstän­de des äuße­ren Tat­be­stan­des bezieht. Bei der Straf­ver­ei­te­lung nach § 258 Abs. 1 StGB ist dabei in Bezug auf die Tat­hand­lung und den Ver­ei­te­lungs­er­folg direk­ter Vor­satz („absicht­lich oder wis­sent­lich“) erfor­der­lich, wäh­rend für die Kennt­nis der Vor­tat beding­ter Vor­satz aus­reicht [1].

Ver­such­te Straf­ver­ei­te­lung – und der Vor­satz

Eine genaue Vor­stel­lung in recht­li­cher oder tat­säch­li­cher Hin­sicht ist dabei nicht erfor­der­lich [2].

Die sub­jek­ti­ven Vor­aus­set­zun­gen für die Annah­me einer ver­such­ten Straf­ver­ei­te­lung lie­gen daher vor, wenn der Täter es – unge­ach­tet fort­be­stehen­der Zwei­fel – nur für mög­lich gehal­ten hat, dass eine Straf­tat began­gen wor­den ist und die von ihm dar­auf­hin ins Auge gefass­te Hand­lung dar­auf abzielt, für den Fall, dass tat­säch­lich eine Straf­tat vor­liegt, eine Bestra­fung des Vor­tä­ters zumin­dest für gerau­me Zeit zu ver­hin­dern [3].

Eine Straf­bar­keit wegen ver­such­ter Straf­ver­ei­te­lung kann selbst dann in Betracht kom­men, wenn er die Bege­hung einer Vor­tat nur irr­tüm­lich für mög­lich gehal­ten hat. In die­sem Fall läge ledig- lich ein untaug­li­cher Ver­such vor [4].

Auch für die Straf­ver­ei­te­lung gemäß § 258 StGB sind Täter­schaft und Teil­nah­me grund­sätz­lich nach den all­ge­mei­nen Regeln abzu­gren­zen [5]. Eine ver­such­te Straf­ver­ei­te­lung kann – unbe­scha­det der wei­te­ren Vor­aus­set­zun­gen – in Betracht kom­men, wenn der Ange­klag­te die Vor­stel­lung hat­te, den Ver­ei­te­lungs­er­folg als Täter her­bei­zu­füh­ren und es ihm nicht ledig­lich dar­um ging, den Vor­tä­ter bei Selbst­schutz­maß­nah­men zu unter­stüt­zen [6]. In Fäl­len, in denen der Täter dem Vor­tä­ter erst­mals Kennt­nis von einem gegen ihn anhän­gi­gen oder anhän­gig wer­den­den Ermitt­lungs­ver­fah­ren ver­mit­telt, liegt eine täter­schaft­li­che Bege­hungs­wei­se nahe [7].

Mit Blick auf eine mög­li­che Ver­ur­tei­lung wegen eines untaug­li­chen Ver­suchs wird der neue Tatrich­ter gege­be­nen­falls auch kon­kre­te Fest­stel­lun­gen zu den in Betracht kom­men­den Vor­ta­ten zu tref­fen haben.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 10. Sep­tem­ber 2015 – 4 StR 151/​15

  1. vgl. BGH, Urteil vom 19.05.1999 – 2 StR 86/​99, BGHSt 45, 97, 100; Fischer, StGB, 62. Aufl., § 258 Rn. 33; Wal­ter in: LK-StGB, 12. Aufl., § 258 Rn. 112 f. mwN[]
  2. vgl. Jahn in: SSW-StGB, 2. Aufl., § 258 Rn. 29[]
  3. vgl. RG, Urteil vom 19.11.1920 – – II 1176/​20, RGSt 55, 126 zu § 257 StGB aF[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 11.11.1960 – 4 StR 402/​60, BGHSt 15, 210 zur Begüns­ti­gung im Amt gemäß § 346 StGB aF; Wal­ter in: LK-StGB, 12. Aufl., § 258 Rn. 143 f.; Jahn in: SSW-StGB, 2. Aufl., § 258 Rn. 30; Fischer, StGB, 62. Aufl., § 258 Rn. 37 mwN[]
  5. vgl. Wal­ter in: LK-StGB, 12. Aufl., § 258 Rn. 159 mwN[]
  6. vgl. BGH, Urteil vom 04.08.1983 – 4 StR 378/​83, NJW 1984, 135; Wal­ter in: LK-StGB, 12. Aufl., § 258 Rn. 162 mwN[]
  7. vgl. BGH, Urteil vom 20.06.1990 – 2 StR 38/​90[]