(Ver­such­te) Ver­ge­wal­ti­gung und anschlie­ßen­der Ver­de­ckungs­mord als Tat­mehr­heit

Die ver­such­te Ver­ge­wal­ti­gung und die tat­ein­heit­lich began­ge­ne vor­sätz­li­che Kör­per­ver­let­zung ste­hen zu dem unmit­tel­bar anschlie­ßend began­ge­nen Ver­de­ckungs­mord im Ver­hält­nis der Tat­mehr­heit (§ 53 StGB). Inso­weit ist kei­ne die Annah­me einer Hand­lungs­ein­heit und damit einer Tat im mate­ri­ell­recht­li­chen Sinn recht­fer­ti­gen­de Ver­bin­dung gege­ben.

(Ver­such­te) Ver­ge­wal­ti­gung und anschlie­ßen­der Ver­de­ckungs­mord als Tat­mehr­heit

Eine Tat­ein­heit im Sin­ne von § 52 StGB begrün­den­de Tei­li­den­ti­tät der Aus­füh­rungs­hand­lun­gen liegt nicht vor. Dies ist der Fall, wenn die objek­ti­ven Aus­füh­rungs­hand­lun­gen des Täters in einem für sämt­li­che Tat­be­stands­ver­wirk­li­chun­gen not­wen­di­gen Teil iden­tisch sind und so dazu bei­tra­gen, den Tat­be­stand aller in Betracht kom­men­den Straf­ge­set­ze zu erfül­len 1. Ein Zusam­men­tref­fen nur im sub­jek­ti­ven Tat­be­stand reicht dafür nicht aus 2. Der Bun­des­ge­richts­hof hat daher eine Tat­ein­heit zwi­schen einem (ver­such­ten) Ver­de­ckungs­mord und einer Sexu­al­straf­tat in einem Fall bejaht, in dem der Ange­klag­te noch wäh­rend der Bege­hung des Sexu­al­de­lik­tes mit der Tötungs­hand­lung begann 3, und die Annah­me von Tat­mehr­heit in einem Fall bestä­tigt, in dem sich aus den Urteils­fest­stel­lun­gen nicht ergab, dass der Täter noch wei­te­re sexu­el­le Hand­lun­gen an sei­nem Opfer vor­neh­men woll­te, als er zum Angriff auf des­sen Leben ansetz­te 4.

Dar­an gemes­sen kommt die Annah­me von sich teil­wei­se über­schnei­den­den Tat­hand­lun­gen hier nicht in Betracht. Nach den rechts­feh­ler­frei getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen hat der Ange­klag­te den objek­ti­ven Tat­be­stand des § 211 StGB durch ein Wür­gen des Tat­op­fers und die Bei­brin­gung von Stich­ver­let­zun­gen ver­wirk­licht. Kei­ne die­ser Hand­lun­gen ist mit den Gewalt­hand­lun­gen iden­tisch, die er zur Durch­set­zung sei­nes Ver­ge­wal­ti­gungs­vor­ha­bens vor­nahm.

Auch eine natür­li­che Hand­lungs­ein­heit liegt nicht vor. Von einer sol­chen ist aus­zu­ge­hen, wenn zwi­schen ver­schie­de­nen straf­recht­lich erheb­li­chen Ver­hal­tens­wei­sen ein so enger Zusam­men­hang besteht, dass sich das gesam­te Tätig­wer­den bei natür­li­cher Betrach­tungs­wei­se als ein ein­heit­li­ches Tun dar­stellt. Dies setzt neben einem unmit­tel­ba­ren räum­lich­zeit­li­chen Zusam­men­hang vor­aus, dass die ver­schie­de­nen Aus­füh­rungs­hand­lun­gen durch ein gemein­sa­mes sub­jek­ti­ves Ele­ment ver­bun­den sind 5.

Das für die Annah­me einer natür­li­chen Hand­lungs­ein­heit erfor­der­li­che gemein­sa­me sub­jek­ti­ve Ele­ment liegt hier nicht vor. Der Ent­schluss des Ange­klag­ten, sein Opfer zu töten, beruh­te auf einer neu­en Wil­lens­ent­schlie­ßung 6. Er fiel zwar mit der Ent­schei­dung zusam­men, das (fehl­ge­schla­ge­ne) Ver­ge­wal­ti­gungs­vor­ha­ben auf­zu­ge­ben, war aber auf ein ande­res Ziel gerich­tet 7. Allein die Absicht, die vor­an­ge­gan­ge­ne Tat zu ver­de­cken, ver­mag eine (natür­li­che) Hand­lungs­ein­heit nicht zu begrün­den 8.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 24. Okto­ber 2013 – 4 StR 124/​13

  1. BGH, Beschluss vom 19.11.2009 – 3 StR 87/​09, NStZ-RR 2010, 140, 141; Beschluss vom 21.03.1985 – 1 StR 583/​84, BGHSt 33, 163, 165[]
  2. BGH, Urteil vom 17.07.1997 – 1 StR 208/​97, BGHSt 43, 149, 151; vgl. BGH, Urteil vom 11.01.1955 – 5 StR 290/​54, BGHSt 7, 149, 151[]
  3. BGH, Urteil vom 11.12.1990 – 5 StR 500/​90, BGHR StGB § 52 Abs. 1 Hand­lung, die­sel­be 22; vgl. auch BGH, Beschluss vom 27.06.2002 – 4 StR 158/​02, NStZ 2003, 371, 372[]
  4. BGH, Urteil vom 06.03.1986 – 4 StR 681/​85, MDR 1986, 622 bei Holtz[]
  5. st. Rspr.; vgl. BGH, Urteil vom 25.11.2004 – 4 StR 326/​04, NStZ 2005, 263, 264; Beschluss vom 19.11.1997 – 3 StR 574/​97, BGHSt 43, 312, 315; Urteil vom 27.03.1953 – 2 StR 801/​52, BGHSt 4, 219, 220[]
  6. vgl. BGH, Beschluss vom 22.01.2009 – 4 StR 573/​08, Rn. 6[]
  7. vgl. BGH, Urteil vom 06.03.1986 – 4 StR 681/​85, MDR 1986, 622 bei Holtz[]
  8. BGH, Beschluss vom 16.07.1953 – 4 StR 258/​53, S. 3[]