Ver­such­ter Woh­nungs­dieb­stahl – und das Betre­ten des Haus­flurs

Für eine Ver­suchs­straf­bar­keit ist es nicht erfor­der­lich, dass der Täter bereits ein Tat­be­stands­merk­mal ver­wirk­licht hat.

Ver­such­ter Woh­nungs­dieb­stahl – und das Betre­ten des Haus­flurs

Es genügt, dass er Hand­lun­gen vor­nimmt, die nach sei­nem Tat­plan der Erfül­lung eines Tat­be­stands­merk­mals vor­ge­la­gert sind und in die Tat­be­stands­hand­lung unmit­tel­bar ein­mün­den, die mit­hin – aus der Sicht des Täters das geschütz­te Rechts­gut in eine kon­kre­te Gefahr brin­gen.

Dem­entspre­chend erstreckt sich das Ver­suchs­sta­di­um auf Hand­lun­gen, die im unge­stör­ten Fort­gang unmit­tel­bar zur Tat­be­stands­er­fül­lung füh­ren sol­len oder die im unmit­tel­ba­ren räum­li­chen und zeit­li­chen Zusam­men­hang mit ihr ste­hen.

Dies ist der Fall, wenn der Täter sub­jek­tiv die Schwel­le zum "jetzt geht es los" über­schrei­tet und objek­tiv zur tat­be­stands­mä­ßi­gen Angriffs­hand­lung ansetzt, so dass sein Tun ohne Zwi­schen­ak­te in die Tat­be­stands­er­fül­lung über­geht 1.

Ein unmit­tel­ba­res Anset­zen zu Eigen­tums- oder auch zu Kör­per­ver­let­zungs­de­lik­ten in der Woh­nung eines Opfers liegt danach vor, wenn die Tat in der Woh­nung dadurch ermög­licht wer­den soll, dass sich ein Täter unter einem Vor­wand Ein­lass ver­schafft, um auf das Tat­op­fer ein­zu­wir­ken bzw. es zu besteh­len.

Der Angriff auf die kör­per­li­che Inte­gri­tät und den frem­den Gewahr­sam beginnt in die­sen Fäl­len bereits mit dem Begeh­ren um Ein­lass 2.

Glei­ches gilt, wenn der Täter für sei­ne Tat "das Über­ra­schungs­mo­ment aus­nut­zen" will, weil er davon aus­geht, dass das Tat­op­fer die Tür öff­nen wer­de 3.

Nach die­sem Maß­stab haben die Täter, als sie den Flur des Mehr­fa­mi­li­en­hau­ses betra­ten, die Schwel­le zum "jetzt geht es los" noch nicht über­schrit­ten und hier­durch unmit­tel­bar zur Ver­wirk­li­chung ihres Vor­ha­bens ange­setzt. Denn um zu dem Opfer zu gelan­gen, hät­ten sie noch die Trep­pen hoch zu des­sen Woh­nung gehen und dort um Ein­lass bit­ten müs­sen. Sie rech­ne­ten daher nach Betre­ten des Haus­flurs noch nicht damit, im unge­stör­ten Fort­gang unmit­tel­bar mit der Gewalt gegen das Opfer begin­nen zu müs­sen 4, wes­halb das Vor­ha­ben nach Vor­stel­lung der Täter nicht ohne einen wei­te­ren Zwi­schen­akt "in einem Zug" umsetz­bar war.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 10. August 2016 – 2 StR 493/​15

  1. st. Rspr.; vgl. BGH, Urteil vom 25.10.2012 – 4 StR 346/​12, NStZ 2013, 156, 157 mwN[]
  2. vgl. zum Dieb­stahl: BGH, Urteil vom 16.09.2015 – 2 StR 71/​15; zum Raub vgl. Bun­des­ge­richts­hof, 2.06.1993 – 2 StR 158/​93, BGHSt 39, 236, 238; Urteil vom 11.07.1984 – 2 StR 249/​84, NStZ 1984, 506[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 09.08.2011 – 1 StR 194/​11, NStZ 2012, 85[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 11.07.1984 – 2 StR 249/​84, NStZ 1984, 506[]