Ver­such­tes Ein­schleu­sen von Aus­län­dern

Die Straf­bar­keit wegen Ver­suchs des Ein­schleu­sens von Aus­län­dern gemäß § 96 Abs. 1 Nr. 1, Abs. 3; § 95 Abs. 1 Nr. 3 Auf­en­thG bestimmt sich nach den §§ 22 ff. StGB. Für die Prü­fung des unmit­tel­ba­ren Anset­zens kann die Recht­spre­chung zur ver­such­ten Anstif­tung nach § 30 Abs. 1 StGB her­an­ge­zo­gen wer­den. Dar­auf, ob auch zur uner­laub­ten Ein­rei­se selbst unmit­tel­bar ange­setzt wor­den ist, kommt es nicht an.

Ver­such­tes Ein­schleu­sen von Aus­län­dern

Durch § 96 Abs. 1 Nr. 1 Auf­en­thG in der Tat­be­stand­s­al­ter­na­ti­ve des Hil­fe­leis­tens wer­den sonst nur nach den all­ge­mei­nen Regeln (§ 27 StGB) straf­ba­re Bei­hil­fe­hand­lun­gen zu Taten nach § 95 Abs. 1 Nr. 3 oder Abs. 2 Nr. 1 Auf­en­thG zu selbst­stän­di­gen, in Täter­schaft (§ 25 StGB) began­ge­nen Straf­ta­ten her­auf­ge­stuft, wenn der Gehil­fe zugleich eines der in § 96 Abs. 1 Nr. 1 Auf­en­thG unter den Buch­sta­ben a)) oder b)) genann­ten Schleu­ser­merk­ma­le erfüllt [1]. Als ein (täter­schaft­li­ches) Hil­fe­leis­ten im Sin­ne die­ser Vor­schrift kom­men des­halb grund­sätz­lich alle Hand­lun­gen in Betracht, die nach § 27 StGB und den zu die­ser Vor­schrift ent­wi­ckel­ten Grund­sät­zen als Bei­hil­fe zu der jewei­li­gen Bezug­s­tat erfasst wer­den [2]. Geht es – wie hier – um die Unter­stüt­zung der uner­laub­ten Ein­rei­se eines oder meh­re­rer Aus­län­der gemäß § 95 Abs. 1 Nr. 3 Auf­en­thG, fällt damit jede Hand­lung unter den Tat­be­stand des § 96 Abs. 1 Nr. 1 Auf­en­thG, die den uner­laub­ten Grenz­über­tritt eines Aus­län­ders in irgend­ei­ner Wei­se objek­tiv för­dert [3]. Dabei muss die Hil­fe­leis­tung nicht unmit­tel­bar zum Grenz­über­tritt geleis­tet wer­den. Schon eine Unter­stüt­zung im Vor­feld der Ein­rei­se (z. B. Beschaf­fung und Wei­ter­lei­tung von Infor­ma­tio­nen zum Grenz­über­tritt, Orga­ni­sa­ti­on von Rei­se­mög­lich­kei­ten, Beschaf­fung von gefälsch­ten Rei­se­do­ku­men­ten, Anwer­bung von Tran­sithel­fern) ist aus­rei­chend, wenn sie den Grenz­über­tritt ermög­licht oder erleich­tert [4]. Nach den Grund­sät­zen zur sog. Ket­ten­bei­hil­fe [5], die an die­ser Stel­le eben­falls Anwen­dung fin­den [6], kann ein täter­schaft­li­ches Hil­fe­leis­ten im Sin­ne des § 96 Abs. 1 Nr. 1 Auf­en­thG auch dann gege­ben sein, wenn sich die Unter­stüt­zungs­hand­lung auf die För­de­rung der Hil­fe­leis­tung eines ande­ren Schleu­sers (§ 96 Abs. 1 Nr. 1 Auf­en­thG) oder Gehil­fen (§ 95 Abs. 1 Nr. 3 Auf­en­thG, § 27 StGB) beschränkt.

Fin­det die uner­laub­te Ein­rei­se nicht statt oder wird sie nur ver­sucht, kommt beim mit Schleu­ser­merk­ma­len han­deln­den Unter­stüt­zer eine Straf­bar­keit wegen ver­such­ten Hil­fe­leis­tens nach § 96 Abs. 1 Nr. 1, Abs. 3 Auf­en­thG in Betracht [7]. Dabei gel­ten die all­ge­mein zur Ver­suchs­straf­bar­keit ent­wi­ckel­ten Grund­sät­ze (§§ 22 ff. StGB). Für die Prü­fung des unmit­tel­ba­ren Anset­zens kann ergän­zend die Recht­spre­chung zur ver­such­ten Anstif­tung nach § 30 Abs. 1 StGB her­an­ge­zo­gen wer­den [8]. Daher beginnt die Straf­bar­keit wegen ver­such­ten Hil­fe­leis­tens nach § 96 Abs. 1 Nr. 1, Abs. 3 Auf­en­thG, wenn der Täter eine Hand­lung vor­nimmt, mit der er nach sei­ner Vor­stel­lung von der Tat unmit­tel­bar zu einer För­de­rung der prä­sum­ti­ven Bezug­s­tat – hier der uner­laub­ten Ein­rei­se nach § 95 Abs. 1 Nr. 3 Auf­en­thG – ansetzt. Ange­sichts der Viel­zahl denk­ba­rer Sach­ver­halts­ge­stal­tun­gen, die dem Begriff des Hil­fe­leis­tens unter­fal­len, bedarf das Kri­te­ri­um der Unmit­tel­bar­keit dabei regel­mä­ßig einer wer­ten­den Kon­kre­ti­sie­rung im Ein­zel­fall [9]. Maß­ge­bend ist, wie der Bun­des­ge­richts­hof zur ver­such­ten Gefan­ge­nen­be­frei­ung in der hier ver­gleich­ba­ren Alter­na­ti­ve des För­derns gemäß § 120 Abs. 1 Alt. 3, Abs. 3 StGB ent­schie­den hat, wie weit sich der Täter bereits dem von ihm anvi­sier­ten Unter­stüt­zungs­er­folg ange­nä­hert und durch sein Han­deln eine Gefahr für das betrof­fe­ne Rechts­gut begrün­det hat [10]. Dar­auf, ob auch die Bezug­s­tat in das Ver­suchs­sta­di­um ein­ge­tre­ten ist, kommt es dage­gen nicht an [11].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 6. Juni 2012 – 4 StR 144/​12

  1. vgl. BGH, Urteil vom 15.11.2006 – 2 StR 157/​06, NStZ 2007, 289, 290; Urteil vom 11.07.2003 – 2 StR 31/​03, NStZ 2004, 45; Urteil vom 25.03.1999 – 1 StR 344/​98, NStZ 1999, 409; GKAufenthG/​Mosbacher, § 96 Rn. 1; Schott, Ein­schleu­sen von Aus­län­dern, S. 175 f., 209[]
  2. BGH, Urteil vom 27.04.2005 – 2 StR 457/​04, NJW 2005, 2095, 2099; Bay­O­bLG, Beschluss vom 20.12.2004 – 4 St RR 184/​04, Bay­O­bLGSt 2004, 154, 158; GKAufenthG/​Mosbacher, § 96 Rn. 5; MüKo-StGB/­Ge­ri­cke, § 96 Auf­en­thG Rn. 10; Ren­ner, Aus­lR, 9. Aufl., § 96 Auf­en­thG Rn. 6[]
  3. BGH, Urteil vom 27.04.2005 – 2 StR 457/​04, NJW 2005, 2095, 2099; Urteil vom 26.05.1999 – 3 StR 570/​98, BGHSt 45, 103, 105; Stei­ner in Min­the, Ille­ga­le Migra­ti­on und Schleu­sungs­kri­mi­na­li­tät, S. 141, 144 ff.; Schott, Ein­schleu­sen von Aus­län­dern, S. 174 ff. jeweils mit vie­len Bei­spie­len[]
  4. BGH, Urteil vom 27.04.2005 – 2 StR 457/​04, NJW 2005, 2095, 2099 mwN[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 08.03.2001 – 4 StR 453/​00, NJW 2001, 2409, 2410; Hei­ne in Schönke/​Schröder, 28. Aufl., § 28 Rn. 18 mwN[]
  6. vgl. BGH, Urteil vom 25.03.1999 – 1 StR 344/​98, NStZ 1999, 409, 410[]
  7. BGH, Beschluss vom 12.09.2002 – 4 StR 163/​02, NJW 2002, 3642, 3643[]
  8. vgl. BGH, Urteil vom 25.03.1999 – 1 StR 344/​98, NStZ 1999, 409 f.; Schott, Ein­schleu­sen von Aus­län­dern, S. 229; MüKo-StGB/­Ge­ri­cke, § 96 Auf­en­thG Rn. 39[]
  9. vgl. BGH, Urteil vom 09.03.2006 – 3 StR 28/​06, NStZ 2006, 331 f.[]
  10. vgl. BGH, Urteil vom 25.10.1955 – 2 StR 282/​55, BGHSt 9, 62, 64; MüKo-StGB/­Bosch, 2. Aufl., § 120 Rn. 37; LK/​Rosenau, 12. Aufl., § 120 Rn. 68[]
  11. BGH, Beschluss vom 26.03.2012 – 5 StR 86/​12 mwN[]