Ver­ti­ka­le Teil­rechts­kraft im Siche­rungs­ver­fah­ren.

Mit der Fra­ge einer ver­ti­ka­len Teil­rechts­kraft im selb­stän­di­gen Siche­rungs­ver­fah­ren hat­te sich aktu­ell der Bun­des­ge­richts­hof zu befas­sen:

Ver­ti­ka­le Teil­rechts­kraft im Siche­rungs­ver­fah­ren.

Die­je­ni­gen Vor­fäl­le, die Gegen­stand der Antrags­schrift waren, jedoch im ange­foch­te­nen Urteil als nicht tat­be­stands­mä­ßig ange­se­hen wor­den sind, kön­nen indes nicht mehr als Anlass­ta­ten für die Unter­brin­gung nach § 63 StGB her­an­ge­zo­gen wer­den. Inso­weit kann der Beschul­dig­te nicht schlech­ter ste­hen als ein teil­frei­ge­spro­che­ner Ange­klag­ter im Straf­ver­fah­ren, der sich mit sei­ner Revi­si­on man­gels Beschwer gegen den Teil­frei­spruch nicht wen­den kann (soge­nann­te ver­ti­ka­le Teil­rechts­kraft) [1].

Nach § 414 Abs. 1 StPO gel­ten auch für die Bestim­mung des Umfangs der Rechts­kraft eines im selb­stän­di­gen Siche­rungs­ver­fah­ren ergan­ge­nen Urteils die all­ge­mei­nen straf­ver­fah­rens­recht­li­chen Regeln. Auch wenn über die Anord­nung der Maß­re­gel oder die Ableh­nung des Antrags der Staats­an­walt­schaft im Siche­rungs­ver­fah­ren nur ein­heit­lich ent­schie­den wer­den kann, han­delt es sich bei den ein­zel­nen in der Antrags­schrift der Staats­an­walt­schaft geschil­der­ten Vor­fäl­len um selb­stän­di­ge Pro­zess­ge­gen­stän­de, über die durch das ange­foch­te­ne Urteil, soweit sie nicht für tat­be­stands­mä­ßig erach­tet wur­den, abschlie­ßend ent­schie­den ist. Aller­dings kön­nen sie – auf­grund neu­er Fest­stel­lun­gen – vom neu­en Tat­ge­richt bei der Beur­tei­lung der Gefähr­lich­keit des Beschul­dig­ten mit­be­rück­sich­tigt wer­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 9. April 2013 – 5 StR 120/​13

  1. vgl. zum Begriff Küh­ne in Löwe/​Rosenberg, StPO, 26. Aufl., Einl. K Rn. 68[]