Ver­ur­tei­lung wegen eines Dau­er­de­likts – und die wei­ter­hin ver­brei­te­ten Kin­der­por­nos

Die Ver­ur­tei­lung wegen eines Dau­er­de­likts hat zur Fol­ge, dass das Auf­recht­erhal­ten des Zustands nach dem straf­recht­li­chen Erkennt­nis als neue eigen­stän­di­ge mate­ri­ell­recht­li­che (wie pro­zes­sua­le) Tat zu wer­ten ist1.

Ver­ur­tei­lung wegen eines Dau­er­de­likts – und die wei­ter­hin ver­brei­te­ten Kin­der­por­nos

Ein ein­heit­li­ches Dau­er­de­likt schei­det aber aus, wenn ein durch­ge­hen­der Besitz nicht in der Lage ist, meh­re­re selb­stän­di­ge Ver­brei­tungs­ta­ten zu ver­klam­mern; denn der Tat­be­stand des Besit­zes bleibt in sei­nem straf­recht­li­chen Unwert, wie er in der Straf­an­dro­hung zum Aus­druck kommt, hin­ter dem­je­ni­gen der Ver­brei­tung zurück2. So über­steigt der in den Jah­ren 2012 und 2013 gel­ten­de Straf­rah­men des § 184b Abs. 1 StGB aF im Höchst­maß den­je­ni­gen des § 184b Abs. 4 StGB aF (fünf statt drei Jah­re Frei­heits­stra­fe).

Ab dem Beginn des Zur-Ver­fü­gung-Stel­lens der 614 Datei­en über ein File­sha­ring-Pro­gramm beging der Ange­klag­te somit eine wei­te­re eigen­stän­di­ge Tat, die vom Straf­be­fehl nicht umfasst ist.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 14. Juni 2018 – 3 StR 180/​18

  1. vgl. LK/​Rissingvan Saan, StGB, 12. Aufl., Vor § 52 Rn. 56; S/S‑­Stern­berg-Lie­ben/Bosch, StGB, 29. Aufl., Vor­bem. §§ 52 ff. Rn. 87 []
  2. zur Klam­mer­wir­kung s. BGH, Beschlüs­se vom 26.03.1982 – 2 StR 700/​81, BGHSt 31, 29, 31; vom 10.11.2010 – 5 StR 464/​10 3; vom 11.01.2012 – 1 StR 386/​11, wis­tra 2012, 310, 311; vom 04.04.2012 – 2 StR 70/​12, NStZ 2013, 158; vom 10.08.2017 – AK 35 u. 36/​17 36; s. fer­ner – zu Ver­schaf­fungs­de­lik­ten nach § 184b Abs. 4 Satz 1 StGB aF – BGH, Beschluss vom 10.07.2008 – 3 StR 215/​08, NStZ 2009, 208 []