Ver­ur­tei­lung nach Auf­he­bung und Zurück­ver­wei­sung – und die Kos­ten­ent­schei­dung

Wird der Ange­klag­te nach Auf­he­bung und Zurück­ver­wei­sung erneut ver­ur­teilt, hat er gemäß § 465 Abs. 1 StPO die Kos­ten des gesam­ten erst­in­stanz­li­chen Ver­fah­rens zu tra­gen, da das Ver­fah­ren des ers­ten Rechts­zugs kos­ten­recht­lich eine Ein­heit bil­det.

Ver­ur­tei­lung nach Auf­he­bung und Zurück­ver­wei­sung – und die Kos­ten­ent­schei­dung

Der Umstand, dass es wegen der zurück­ver­wei­sen­den Ent­schei­dung des Revi­si­ons­ge­richts gemäß § 354 Abs. 2 StPO zu meh­re­ren Haupt­ver­hand­lun­gen gekom­men ist, steht dem nicht ent­ge­gen 1.

Der abge­ur­teil­ten fahr­läs­si­gen Tötung liegt auch kei­ne ande­re pro­zes­sua­le Tat zugrun­de als dem Ankla­ge­vor­wurf der Kör­per­ver­let­zung mit Todes­fol­ge; ein Teil­frei­spruch war daher nicht gebo­ten.

Eine von der land­ge­richt­li­chen Kos­ten­ent­schei­dung abwei­chen­de Aus­la­gen­ver­tei­lung ist auch auf der Grund­la­ge von § 465 Abs. 2 StPO nicht ver­an­lasst.

Danach hat das Gericht die ent­stan­de­nen Aus­la­gen ganz oder teil­wei­se der Staats­kas­se auf­zu­er­le­gen, wenn durch Unter­su­chun­gen zur Auf­klä­rung bestimm­ter Umstän­de beson­de­re Aus­la­gen ent­stan­den sind, die­se Unter­su­chun­gen zuguns­ten des Ange­klag­ten aus­ge­gan­gen sind und es unbil­lig wäre, den Ange­klag­ten mit die­sen Aus­la­gen zu belas­ten 2. Dies gilt nament­lich dann, wenn der Ange­klag­te wegen ein­zel­ner abtrenn­ba­rer Tei­le einer Tat oder wegen ein­zel­ner von meh­re­ren Geset­zes­ver­let­zun­gen nicht ver­ur­teilt wird. Ent­schei­dend dafür ist, ob die tat­säch­lich erfolg­ten Unter­su­chun­gen auch dann not­wen­dig gewe­sen wären, wenn Ankla­ge und Eröff­nungs­be­schluss von vorn­her­ein dem spä­te­ren Urteil ent­spro­chen hät­ten 3.

Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind jedoch nicht allein des­we­gen erfüllt, weil die Ver­ur­tei­lung leich­ter wiegt als der ursprüng­li­che Vor­wurf und die Tat­ein­heit zwi­schen dem zur Ver­ur­tei­lung gelang­ten und dem ursprüng­lich erho­be­nen Tat­vor­wurf einen Teil­frei­spruch nicht zulässt 4. Zwar kann auch in sol­chen Fäl­len eine Quo­telung erfol­gen 5, wobei dahin­ste­hen kann, ob dies auch dann gilt, wenn – wie vor­lie­gend – der schwe­re­re Tat­vor­wurf den abge­ur­teil­ten Straf­tat­be­stand im Wege der Geset­zes­kon­kur­renz ver­drän­gen wür­de. Ange­sichts der Beson­der­hei­ten des Fal­les war und ist eine wei­te­re Auf­tei­lung der ange­fal­le­nen Aus­la­gen auch unter Berück­sich­ti­gung von deren Höhe nicht gebo­ten. Denn die Ein­ho­lung der Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten und die Ver­neh­mung der Zeu­gen waren zur gesetz­lich gebo­te­nen Sach­auf­klä­rung ver­an­lasst und auch dann uner­läss­lich, wenn die Ankla­ge von vorn­her­ein nicht auf Kör­per­ver­let­zung mit Todes­fol­ge, son­dern auf fahr­läs­si­ge Tötung gelau­tet hät­te 6. Dies gilt ins­be­son­de­re für die – vom Beschwer­de­füh­rer her­vor­ge­ho­be­nen – Beweis­erhe­bun­gen durch Ein­ho­lung von Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten und durch Ver­neh­mung von Zeu­gen, die das Gesche­hen nach der Zel­len­kon­trol­le um 11.45 Uhr und ins­be­son­de­re zum Ent­ste­hen des Bran­des zum Gegen­stand hat­ten. Denn die­se waren nicht zuletzt für die Vor­her­seh­bar­keit und damit auch für den – vom Ange­klag­ten eben­falls nicht hin­ge­nom­me­nen – Vor­wurf der fahr­läs­si­gen Tötung von Bedeu­tung 7.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 8. Okto­ber 2014 – 4 StR 473/​13

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 13.10.2005 – 4 StR 143/​05, NStZ-RR 2006, 32; Mey­er-Goß­ner/­Sch­mitt, StPO, 57. Aufl., § 465 Rn. 3 mwN[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 11.06.1991 – 1 StR 267/​91, BGHR StPO § 465 Abs. 2 Bil­lig­keit 3[]
  3. BGH, Beschlüs­se vom 23.09.1981 – 3 StR 341/​81, NStZ 1982, 80; vom 10.01.2002 – 3 StR 398/​01; KK-StPO/Gieg, 7. Aufl., § 465 Rn. 5[]
  4. BGH, Beschlüs­se vom 11.07.1985 – 4 StR 307/​85, NStZ 1986, 210, bei Pfeif­fer; vom 12.02.1998 – 1 StR 777/​97, BGHR StPO § 465 Abs. 2 Bil­lig­keit 4; KK-StPO/Gieg, 7. Aufl., § 465 Rn. 5[]
  5. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 02.06.2005 – 4 StR 177/​05; vom 09.10.2012 – 5 StR 441/​12[]
  6. vgl. BGH, Beschluss vom 23.02.1989 – 1 StR 12/​89, BGHR StPO § 465 Abs. 2 Bil­lig­keit 2[]
  7. vgl. fer­ner OLG Ros­tock, NStZ 2001, 199; Eisele in Schönke/​Schröder, StGB, 29. Aufl., vor §§ 13 ff. Rn. 101[]