Ver­ur­tei­lung von Mit­glie­dern der FKD

Drei Mit­glie­der bzw. Unter­stüt­zer der sog. „Frei­en Kame­rad­schaft Dres­den“ (FKD) sind in den seit dem 15. Novem­ber 2018 geführ­ten Ver­fah­ren wegen Mit­glied­schaft in einer kri­mi­nel­len Ver­ei­ni­gung bzw. Unter­stüt­zung der­sel­ben, Land­frie­dens­bruchs und teil­wei­se auch wegen Her­bei­füh­rens einer Spreng­stoff­ex­plo­si­on sowie wegen Kör­per­ver­let­zungs­de­lik­ten ver­ur­teilt wor­den.

Ver­ur­tei­lung von Mit­glie­dern der FKD

So hat das Land­ge­richt Dres­den in den hier vor­lie­gen­den Fäl­len ent­schie­den und die Ange­klag­ten zu Gesamt­frei­heits­stra­fen von vier Jah­ren und sechs Mona­ten (Ange­klag­ter H.), drei Jah­ren und sechs Mona­ten (Ange­klag­ter L.) und zwei Jah­ren (Ange­klag­ter V.) ver­ur­teilt. Die Voll­stre­ckung der Gesamt­frei­heits­stra­fe hin­sicht­lich des Ange­klag­ten V. wur­de zur Bewäh­rung aus­ge­setzt. Beim Ange­klag­ten L. hat das Land­ge­richt Dres­den die Stra­fen aus einem frü­he­ren Urteil des Land­ge­richts Gera ein­be­zo­gen.

Ende Juli 2015 ist die FKD gegrün­det wor­den. Dabei ging es vor allem dar­um, durch die Teil­nah­me an rechts­ge­rich­te­ten Demons­tra­tio­nen die Gesin­nung ihrer Mit­glie­der nach außen hin kund­zu­tun. In der Fol­ge kam man indes rasch über­ein, die Zie­le der FKD auch durch gewalt­tä­ti­ge Aktio­nen gegen­über poli­tisch Anders­den­ken­den und Asyl­su­chen­den durch­zu­set­zen.

So hat­ten sich in Hei­denau am 21. August 2015 nach Been­di­gung einer von der NPD ver­an­stal­te­ten Demons­tra­ti­on rund 100 Per­so­nen, dar­un­ter der Ange­klag­te H., in unmit­tel­ba­rer Nähe einer Asyl­un­ter­kunft ver­sam­melt und eine Bar­ri­ka­de auf der Stra­ße errich­tet. Spä­ter kam es zu Angrif­fen auf Poli­zei­be­am­te mit­tels Wurf­ge­schos­sen.

Am Fol­ge­tag hat­te sich im Bereich die­ser Asyl­un­ter­kunft erneut eine ähn­lich gro­ße Anzahl gewalt­be­rei­ter Per­so­nen, dar­un­ter aber­mals der Ange­klag­te H., ver­sam­melt. Aus der Grup­pe her­aus wur­den die zum Schutz der Ein­rich­tung ein­ge­setz­ten Poli­zei­be­am­ten mit Feu­er­werks­kör­pern, Stei­nen, Fla­schen und Tei­len einer Bau­stel­len­ein­rich­tung bewor­fen. Zwei Poli­zei­be­am­te wur­den im Zuge die­ser Aus­ein­an­der­set­zung ver­letzt.

Ein zeit­glei­cher Angriff auf zwei Asyl­un­ter­künf­te in Dres­den war für den 23. August 2015 geplant wor­den. Die ers­te Grup­pe begab sich zu der Unter­kunft in der Pode­mus­stra­ße, wel­che mit Pflas­ter­stei­nen und Knall­kör­pern bewor­fen wur­de. Ein Knall­kör­per gelang­te in einem zu die­sem Zeit­punkt von zwei Flücht­lin­gen bewohn­ten Zim­mer zur Explo­si­on, wobei die­se nur auf­grund glück­li­cher Umstän­de nicht ver­letzt wur­den. Der geplan­te Angriff auf eine ande­re Asyl­un­ter­kunft durch die zwei­te Grup­pe, zu der wie­der­um der Ange­klag­te H. gehör­te, wur­de abge­bro­chen, nach­dem ein Teil­neh­mer auf dem Weg zum Tat­ort vor­zei­tig einen Knall­kör­per gezün­det hat­te und die Grup­pe in Panik gera­ten war.

Des­wei­te­ren gehör­te bei dem gemein­sam mit der gleich­falls rechts­ex­tre­mis­ti­schen „Grup­pe Frei­tal“ durch­ge­führ­ten Über­fall in der Over­beck­stra­ße der Ange­klag­te H. der für die Durch­füh­rung eines „Ablen­kungs­an­griffs“ zustän­di­gen, v.a. aus Mit­glie­dern der FKD bestehen­den, Per­so­nen­grup­pe an, die das Gebäu­de von vorn angrei­fen soll­te. Kurz vor Mit­ter­nacht begann die Grup­pe, das Gebäu­de mit Pflas­ter­stei­nen und Spreng­kör­pern zu bewer­fen. Ein Spreng­kör­per gelang­te ins Gebäu­de­in­ne­re und explo­dier­te in der Nähe eines Bewoh­ners, der hier­durch leicht ver­letzt wur­de.

Wäh­rend­des­sen näher­te sich eine v.a. aus Mit­glie­dern der „Grup­pe Frei­tal“ bestehen­de zwei­te Grup­pe dem Haus von hin­ten und bewarf die­ses eben­falls mit Stei­nen und Spreng­kör­pern. Der Angriff muss­te auf­grund der Gegen­wehr der Bewoh­ner jedoch abge­bro­chen wer­den. Bei die­ser Akti­on war der Ange­klag­te V. zwar nicht per­sön­lich anwe­send, hat­te aber dabei gehol­fen, das Tref­fen der gewalt­be­rei­ten Per­so­nen im Vor­feld über die Chat-Grup­pe der FKD zu orga­ni­sie­ren.

Über 200 Per­so­nen aus dem rechts­ex­tre­men Spek­trum, dar­un­ter die Ange­klag­ten L. und V., hat­ten sich am 11. Janu­ar 2016 in Leip­zig ver­sam­melt, um in den Stadt­teil Con­ne­witz wegen des dort zu erwar­ten­den Zusam­men­tref­fens mit poli­tisch links­ge­rich­te­ten Grup­pen unter Mit­füh­rung von Pyro­tech­nik, Tele­skop­schlag­stö­cken und Äxten ein­zu­drin­gen. In der Fol­ge kam es zu schwe­ren Kra­wal­len, bei denen u.a. eine Viel­zahl von Gebäu­den und Kraft­fahr­zeu­gen beschä­digt wur­den.

Nach Über­zeu­gung des Land­ge­richts Dres­den war der Ange­klag­te H. an den Aus­schrei­tun­gen vom 21. und 22. August 2015 in Hei­denau, an dem Angriff auf zwei Asyl­un­ter­künf­te am 23. August 2015 in Dres­den und beim Über­fall auf das alter­na­ti­ve Wohn­pro­jekt „Man­gel­wirt­schaft“ in der Over­beck­stra­ße in Dres­den am 18. Okto­ber 2015 betei­ligt. Der Ange­klag­te V. hat nach den Fest­stel­lun­gen des Land­ge­richts das Tat­ge­sche­hen in der Over­beck­stra­ße im Vor­feld unter­stützt. Die­ser hat zudem mit dem Ange­klag­ten L. an den schwe­ren Aus­schrei­tun­gen in Leip­zig-Con­ne­witz am 11. Janu­ar 2016 mit­ge­wirkt.

Aus die­sen Grün­den wur­den die Ange­klag­ten u.a. wegen Mit­glied­schaft in einer kri­mi­nel­len Ver­ei­ni­gung bzw. Unter­stüt­zung der­sel­ben, Land­frie­dens­bruchs und teil­wei­se auch wegen Her­bei­füh­rens einer Spreng­stoff­ex­plo­si­on sowie wegen Kör­per­ver­let­zungs­de­lik­ten zu Gesamt­frei­heits­stra­fen von vier Jah­ren und sechs Mona­ten, drei Jah­ren und sechs Mona­ten und zwei Jah­ren ver­ur­teilt, wobei die Voll­stre­ckung der Gesamt­frei­heits­stra­fe hin­sicht­lich des Ange­klag­ten V. zur Bewäh­rung aus­ge­setzt wur­de.

Land­ge­richt Dres­den, Urtei­le vom 24. Sep­tem­ber 2020 – 16 KLs 373 Js 81/​16

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