Ver­wer­tung von Urkun­den im Selbstleseverfahren

Eine Revi­si­ons­be­grün­dung, in der unzu­tref­fend zu einer ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Tat­sa­che vor­ge­tra­gen wird, bie­tet kei­ne aus­rei­chen­de Grund­la­ge für die Beur­tei­lung der Begründ­etheit der erho­be­nen Rüge.

Ver­wer­tung von Urkun­den im Selbstleseverfahren

Eine Ver­fah­rens­rüge, mit der die Ver­wer­tung von Urkun­den im Selbst­le­se­ver­fah­ren bean­stan­det wird, weil die Fest­stel­lung zum Abschluss des Selbst­le­se­ver­fah­rens inso­weit feh­le, dass auch die übri­gen Betei­lig­ten Gele­gen­heit hat­ten, vom Wort­laut der Urkun­den Kennt­nis zu neh­men (Inbe­griffs­rü­ge, § 261 i.V.m. § 249 Abs. 2 Satz 3 StPO), kann daher wegen unzu­tref­fen­den und unvoll­stän­di­gen Vor­trags unzu­läs­sig sein, § 344 Abs. 2 Satz 2 StPO, wenn der Revi­si­ons­füh­rer nur pau­schal behaup­tet die „Urkund­s­in­hal­te [sei­en] auch nicht ander­wei­tig ord­nungs­ge­mäß in die Haupt­ver­hand­lung ein­ge­führt, ins­be­son­de­re weder im Rah­men von Zeu­gen­ver­neh­mun­gen, ander­wei­ti­ger Ver­le­sun­gen und/​oder durch Vor­hal­te, die Zeu­gen oder Sach­ver­stän­di­gen gemacht“ worden. 

Jedoch ergab sich in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Revi­si­ons­ver­fah­ren aus dem Pro­to­koll, dass eine Rei­he von Urkun­den, die Gegen­stand des Selbst­le­se­ver­fah­rens waren, durch Inau­gen­sch­ein­nah­me in die Haupt­ver­hand­lung ein­ge­führt und im Rah­men von Zeu­gen­ver­neh­mun­gen vor­ge­hal­ten und „erör­tert“ wurden. 

Auf Grund des unzu­tref­fen­den Sach­vor­trags zu einer ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Tat­sa­che1 bie­tet die Revi­si­ons­recht­fer­ti­gung kei­ne aus­rei­chen­de Grund­la­ge für die Beur­tei­lung der Begründ­etheit der Inbe­griffs­rü­ge durch das Revi­si­ons­ge­richt, so dass die­se nicht zuläs­sig erho­ben ist2

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss­vom 19. Mai 2021 – 1 StR 509/​20

  1. vgl. BGH, Urteil vom 09.03.2017 – 3 StR 424/​16 Rn. 5[]
  2. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 10.05.2011 – 4 StR 584/​10 Rn. 8; vom 18. August 2010 – 5 StR 312/​10 und vom 15.06.2005 – 1 StR 202/​05[]

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