Voll­rausch – und die Straf­rah­men­ver­schie­bung

Eine Mil­de­rung des in § 323a Abs. 1 StGB nor­mier­ten Straf­rah­mens gemäß § 49 Abs. 1 StGB unter dem Gesichts­punkt, dass bei Bege­hung der Rausch­tat die Schuld­un­fä­hig­keit (§ 20 StGB) des Ange­klag­ten ledig­lich nicht aus­zu­schlie­ßen ist, sei­ne ver­min­der­te Schuld­fä­hig­keit (§ 21 StGB) hin­ge­gen sicher fest­steht, kommt hier nicht in Betracht.

Voll­rausch – und die Straf­rah­men­ver­schie­bung

Dar­auf, inwie­weit der Tatrich­ter in Fäl­len ver­schul­de­ter Trun­ken­heit von der Straf­rah­men­ver­schie­bung abse­hen kann oder gar muss (hier­zu BGH, Beschluss vom 20.12 2016 – 3 StR 63/​15), kommt es dabei nicht an.

Bei nicht aus­schließ­ba­rer Schuld­un­fä­hig­keit und fest­ste­hen­der ver­min­der­ter Schuld­fä­hig­keit kann des­halb eine Straf­rah­men­mil­de­rung gemäß § 49 Abs. 1 StGB gebo­ten sein, weil die Ver­ur­tei­lung des Ange­klag­ten nach § 323a Abs. 1 StGB Fol­ge des Zwei­fels­sat­zes ist. Denn im Rah­men der Straf­zu­mes­sung darf dies für den Ange­klag­ten nicht nach­tei­lig sein. Sol­che Nach­tei­le bestün­den ohne Straf­rah­men­ver­schie­bung in Fäl­len, in denen für den rausch­be­dingt Schuld­un­fä­hi­gen ein höhe­rer Straf­rah­men wegen des Voll­rauschs als der für den erheb­lich ver­min­dert Schuld­fä­hi­gen gemil­der­te Straf­rah­men wegen der Rausch­tat vor­ge­se­hen wäre; dabei kön­nen auch mehr­fa­che Mil­de­rungs­mög­lich­kei­ten zu berück­sich­ti­gen sein 1.

In dem hier ent­schie­de­nen Fall kann indes der vom Land­ge­richt zugrun­de geleg­te Straf­rah­men des § 323a Abs. 1 StGB für den Ange­klag­ten nur vor­teil­haft sein. Bei nur ver­min­der­ter Schuld­fä­hig­keit wäre der anzu­wen­den­de Straf­rah­men selbst nach einer – hier eher fern­lie­gen­den – dop­pel­ten Straf­rah­men­mil­de­rung der­ge­stalt, dass der für den min­der schwe­ren Fall nach § 213 StGB gel­ten­de Straf­rah­men her­an­ge­zo­gen und nach § 49 Abs. 1 StGB noch­mals her­ab­ge­setzt wür­de, mit Frei­heits­stra­fe von drei Mona­ten bis zu sie­ben Jah­ren und sechs Mona­ten höher als der­je­ni­ge des § 323a Abs. 1 StGB (Frei­heits­tra­fe bis zu fünf Jah­ren oder Geld­stra­fe).

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 25. April 2017 – 3 StR 23/​17

  1. vgl. grund­le­gend BGH, Beschluss vom 17.10.1991 – 4 StR 465/​91, BGHR StGB § 323a Abs. 2 Straf­zu­mes­sung 5; fer­ner BGH, Urteil vom 27.03.2003 – 3 StR 435/​02, BGHR StGB § 21 Straf­rah­men­ver­schie­bung 31; Beschlüs­se vom 06.02.1996 – 4 StR 17/​96, NStZ-RR 1996, 290; vom 20.12 2016 – 3 StR 63/​15, aaO Rn. 46; Münch­Komm-StG­B/Geis­ler, 2. Aufl., § 323a Rn. 80[]