Vom Straf­ver­fah­ren zum Sicherungsverfahren

Im Siche­rungs­ver­fah­ren tritt an die Stel­le einer Ankla­ge­schrift die Antrags­schrift nach § 414 Abs. 2 StPO. Sie ist Pro­zess­vor­aus­set­zung, die nicht durch eine Ankla­ge­schrift ersetzt wer­den kann1.

Vom Straf­ver­fah­ren zum Sicherungsverfahren

Auf eine die Durch­füh­rung des Straf­ver­fah­rens bezwe­cken­de Ankla­ge­schrift darf das Haupt­ver­fah­ren im Siche­rungs­ver­fah­ren nicht eröff­net wer­den, weil das Eröff­nungs­ge­richt damit in unzu­läs­si­ger Wei­se in das hin­sicht­lich der Durch­füh­rung des selb­stän­di­gen Siche­rungs­ver­fah­rens bestehen­de Ermes­sen der Staats­an­walt­schaft ein­greift2.

Im hier vom Bun­des­ge­richts­hof beur­teil­ten Ver­fah­ren war damit Eröff­nung des Siche­rungs­ver­fah­rens durch das Land­ge­richt man­gels eines dahin­ge­hen­den Antrags der Staats­an­walt­schaft unwirk­sam3, wor­an die an den Eröff­nungs­be­schluss „ange­pass­te“ Antrags­schrift nichts zu ändern ver­mag. Die­se ist über­dies im Wege der als zwin­gend ange­se­he­nen dekla­ra­to­ri­schen Antrags­schrift nach § 207 Abs. 3 Satz 1 i.V.m. § 414 Abs. 1 StPO erfolgt und hat den Ein­griff in das Ermes­sen der Staats­an­walt­schaft dem­zu­fol­ge nicht beseitigt.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 5. Mai 2021 – 6 StR 152/​21

  1. vgl. BGH, Urteil vom 06.06.2001 – 2 StR 136/​01, BGHSt 47, 52, 53 mwN; Beschluss vom 21.06.2016 – 5 StR 266/​16, NStZ 2016, 693; Mey­er-Goß­ner/­Sch­mitt, StPO, 63. Aufl., § 414 Rn. 3[]
  2. vgl. RGSt 72, 143; BGH, Urteil vom 06.06.2001 – 2 StR 136/​01, aaO[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 06.06.2001 – 2 StR 136/​01, NJW 2001, 3560, 3561 – inso­weit in BGHSt 47, 52 nicht abge­druckt[]