Vor­ent­hal­ten von Arbeits­ent­gelt – und die Urteils­fest­stel­lun­gen

Bei Straf­ta­ten des Vor­ent­hal­tens und Ver­un­treu­ens von Arbeits­ent­gelt nach § 266a Abs. 1 und 2 StGB muss das Urteil aus­rei­chen­den Fest­stel­lun­gen ent­hal­ten, die dem Revi­si­ons­ge­richt die Über­prü­fung der durch die Taten ver­ur­sach­ten Schä­den anhand einer – ggf. vor­zu­neh­men­den – Hoch­rech­nung der Schwarz­löh­ne und der sich dar­an anschlie­ßen­den Berech­nung der vor­ent­hal­te­nen Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge nach § 14 Abs. 2 Satz 2 SGB IV ermög­li­chen.

Vor­ent­hal­ten von Arbeits­ent­gelt – und die Urteils­fest­stel­lun­gen

Bei Straf­ta­ten des Vor­ent­hal­tens und Ver­un­treu­ens von Arbeits­ent­gelt nach § 266a Abs. 1 und 2 StGB müs­sen für jeden Fäl­lig­keits­zeit­punkt die Höhe der zu zah­len­den Arbeits­ent­gel­te und des Bei­trags­sat­zes der jeweils zustän­di­gen Kran­ken­kas­se ange­ge­ben wer­den, weil sich die Höhe der geschul­de­ten Bei­trä­ge auf der Grund­la­ge des Arbeits­ent­gelts nach den Bei­trags­sät­zen der jewei­li­gen Kran­ken­kas­se sowie den gesetz­lich gere­gel­ten Bei­trags­sät­zen der Ren­ten, Arbeits­lo­sen- und Pfle­ge­ver­si­che­rung errech­net 1.

Erfor­der­lich sind im Übri­gen auch Fest­stel­lun­gen zu den Bei­trags­sät­zen der ver­schie­de­nen Kran­ken­kas­sen. Zudem kann das Revi­si­ons­ge­richt nicht über­prü­fen, ob die vom Land­ge­richt ange­ge­be­nen – fik­ti­ven – Brut­to­ar­beits­ent­gel­te den Anfor­de­run­gen des § 14 Abs. 2 SGB IV ent­spre­chend berech­net wor­den sind, wenn es schon an der Anga­be der nach Über­zeu­gung der Straf­kam­mer aus­ge­zahl­ten Net­to­ent­gel­te fehlt.

Erfor­der­lich sind schließ­lich Anga­ben dazu, wel­che Lohn­steu­er­klas­sen die Straf­kam­mer bei der Berech­nung des fik­ti­ven Brut­to­ar­beits­ent­gelts jeweils zugrun­de gelegt hat 2. Zu die­sen Anga­ben besteht ins­be­son­de­re dann Anlass, wenn nach den Fest­stel­lun­gen ein Teil der Arbeit­neh­mer mit einem gerin­ge­ren als dem tat­säch­lich gezahl­ten Lohn gemel­det war und des­halb – anders als bei voll­stän­dig ille­ga­len Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­sen 3 – davon aus­zu­ge­hen ist, dass die Arbeit­neh­mer dem Ange­klag­ten ihre Lohn­steu­er­kar­te vor­ge­legt haben 4.

Der Tatrich­ter hat des­wei­te­ren – auch mit Blick auf die Beur­tei­lung der Kon­kur­renz­ver­hält­nis­se – dar­zu­le­gen, ob der Arbeit­ge­ber sei­ne Pflich­ten als Arbeit­ge­ber gegen­über unter­schied­lich zustän­di­gen Kran­ken­kas­sen als Ein­zugs­stel­len ver­letzt hat.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 8. Febru­ar 2017 – 2 StR 375/​16

  1. vgl. BGH, Urteil vom 11.08.2010 – 1 StR 199/​10, NStZ-RR 2010, 376[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 05.08.2015 – 2 StR 172/​15, wis­tra 2016, 153, 154[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 02.12 2008 – 1 StR 416/​08, BGHSt 53, 71, 79[]
  4. vgl. Richt­ars­ky in Wabnitz/​Janovsky, Hand­buch des Wirt­schafts- und Steu­er­straf­rechts, 4. Aufl., 19. Kap. Rn. 72[]