Vor­läu­fi­ge Ein­stel­lung wegen Ver­hand­lungs­un­fä­hig­keit – und der Ablauf der Ver­jäh­rungs­frist

Eine Unter­bre­chung des Ablaufs der Ver­jäh­rungs­frist erfolgt durch vor­läu­fi­ge Ein­stel­lung des Ver­fah­rens gemäß § 205 StPO wegen Ver­hand­lungs­un­fä­hig­keit des Ange­klag­ten.

Vor­läu­fi­ge Ein­stel­lung wegen Ver­hand­lungs­un­fä­hig­keit – und der Ablauf der Ver­jäh­rungs­frist

Für nach­fol­gen­de Anord­nun­gen zur Über­prü­fung der Ver­hand­lungs­un­fä­hig­keit im Sin­ne von § 78c Abs. 1 Nr. 11 StGB wären ins­be­son­de­re die Anord­nung einer amts­ärzt­li­chen Unter­su­chung oder ein Antrag auf Begut­ach­tung gemäß § 81a StPO und die ent­spre­chen­de Ent­schei­dung in Betracht gekom­men1.

Der­ar­ti­ge Maß­nah­men hat die Straf­kam­mer im vor­lie­gen­den Fall nicht ergrif­fen. Sie hat viel­mehr zufäl­lig von der Teil­nah­me des Ange­klag­ten an der Haupt­ver­hand­lung in einer ande­ren Straf­sa­che erfah­ren und dar­aus auf des­sen bestehen­de Ver­hand­lungs­fä­hig­keit geschlos­sen.

Der Beschluss der Straf­kam­mer vom 14.09.2017, dem Ver­fah­ren Fort­gang zu geben, hat­te kei­ne Unter­bre­chung der Frist gemäß § 78c StGB zur Fol­ge. Glei­ches gilt für die Teil­ein­stel­lung des Ver­fah­rens gemäß § 154 Abs. 2 StPO hin­sicht­lich ande­rer Tat­vor­wür­fe am 22.09.2017 sowie den an jenem Tag erfolg­los unter­nom­me­nen Ver­such des Vor­sit­zen­den, mit der Ver­tei­di­gung Ter­mi­ne für die Haupt­ver­hand­lung abzu­stim­men.

Nach allem ist die Straf­ver­fol­gung (hier:) wegen Haus­frie­dens­bruchs ver­jährt. Das tat­ein­heit­li­che Zusam­men­tref­fen meh­re­rer Tat­be­stän­de berührt den Lauf der Ver­jäh­rungs­frist der ein­zel­nen Delik­te nicht2. Bei Tat­ein­heit läuft die Frist viel­mehr für jedes Delikt selb­stän­dig3.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 24. Okto­ber 2018 – 2 StR 299/​18

  1. vgl. NKStGB/​Saliger, 5. Aufl., § 78c Rn. 62; LK/​Schmid, StGB, 12. Aufl., § 78c Rn. 35 []
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 06.10.1989 – 3 StR 80/​89, NStZ 1990, 80, 81; Beschluss vom 21.02.2013 – 3 StR 1/​13 []
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 02.03.2016 – 1 StR 619/​15, wis­tra 2016, 268 f. []