Vor­teils­nah­me kom­mu­na­ler Ehren­be­am­te

Ehren­amt­li­che Bei­geord­ne­ter in einer thü­rin­gi­schen Stadt sind Ehren­be­am­te (§ 32 Abs. 9 Thü­rin­ger Kom­mu­nal­ord­nung, § 2 Abs. 2 Thü­rin­ger Gesetz über kom­mu­na­le Wahl­be­am­te) und daher Amts­trä­ger gemäß § 11 Abs. 1 Nr. 2 a) StGB.

Vor­teils­nah­me kom­mu­na­ler Ehren­be­am­te

Soweit Hand­lun­gen des Bei­geord­ne­ten als mit Ver­wal­tungs­funk­tio­nen betrau­ter ehren­amt­li­cher Bei­geord­ne­ter und nicht Tätig­kei­ten bei Wahr­neh­mung sei­nes Man­dats als Stadt­rats­mit­glied inmit­ten ste­hen, rich­tet sich die Straf­bar­keit allein nach § 331 StGB und nicht nach den Vor­schrif­ten über die Abge­ord­ne­ten­be­stechung 1.

Für die Fra­ge, ob eine Hand­lung nur eine Pri­vat­hand­lung dar­stellt als Dienst­aus­übung zu qua­li­fi­zie­ren ist, kommt es nicht dar­auf an, ob der Amts­trä­ger nach der inter­nen Geschäfts­ver­tei­lung kon­kret zustän­dig war 2. Die Gren­ze zur Pri­vat­hand­lung ist erst dann über­schrit­ten, wenn die Tätig­keit in kei­ner­lei funk­tio­na­lem Zusam­men­hang mit dienst­li­chen Auf­ga­ben mehr steht 3.

So liegt es aber nicht, wenn der Amts­trä­ger – wie im vor­lie­gen­den Fall – auf kon­kre­te Ersu­chen des Ober­bür­ger­meis­ters tätig wur­de.

Die­ser beauf­trag­te im vor­lie­gen­den Fall den ehren­amt­li­chen Bei­geord­ne­ten in sei­ner Eigen­schaft als Lei­ter der Gemein­de­ver­wal­tung und Ver­tre­ter der Gemein­de nach außen (§ 29 Abs. 1 Satz 1, § 32 Abs. 1 Thü­rin­ger Kom­mu­nal­ord­nung) mit den bezeich­ne­ten Gesprä­chen, die alle­samt ört­li­che Ange­le­gen­hei­ten der Stadt zum Gegen­stand hat­ten. Der Bei­geord­ne­te nahm mit­hin Auf­ga­ben wahr, die zum Zustän­dig­keits­be­reich der Gemein­de gehö­ren und die einem ehren­amt­li­chen Bei­geord­ne­ten grund­sätz­lich auch dau­er­haft über­tra­gen wer­den kön­nen (vgl. § 32 Abs. 7 Thü­rin­ger Kom­mu­nal­ord­nung). Der Bei­geord­ne­te trat vor­lie­gend auch gegen­über sei­nen Gesprächs­part­nern außer­halb der Stadt­ver­wal­tung ersicht­lich nicht als Pri­vat­per­son, son­dern als Beauf­trag­ter der Stadt auf. Er han­del­te somit nicht nur "bei Gele­gen­heit" der Dienst­aus­übung, son­dern in dienst­li­cher Eigen­schaft und im Rah­men sei­ner dienst­li­chen Oblie­gen­hei­ten; dies genügt 4.

Unge­ach­tet des Umstan­des, dass auch Dritt­vor­tei­le dem Anwen­dungs­be­reich der §§ 331 ff. StGB unter­fal­len, flos­sen vor­lie­gend dem Bei­geord­ne­ten die für die Dienst­aus­übung ver­spro­che­nen Vor­tei­le als allei­ni­gem Geschäfts­füh­rer und 50%igem Anteils­eig­ner der GmbH, mit der der Bera­tungs­ver­trag geschlos­sen war, wenigs­tens mit­tel­bar zu.

Dabei sind Rech­nungs­stel­lun­gen für meh­re­re Dienst­hand­lun­gen nicht als eigen­stän­di­ge Taten des "For­derns" gewer­tet, son­dern bil­den wegen des zu Grun­de lie­gen­den Bera­ter­ver­trags eine tat­be­stand­li­che Hand­lungs­ein­heit. Maß­geb­lich ist inso­weit, ob die Unrechts­ver­ein­ba­rung den Vor­teil hin­rei­chend genau fest­legt, mag er auch in bestimm­ten Teil­leis­tun­gen zu erbrin­gen sein 5. Durch die Lauf­zeit des Bera­ter­ver­trags war der Zeit­raum der Vor­teils­ge­wäh­rung abschlie­ßend fest­ge­legt; eben­so stand durch die Ver­gü­tungs­ver­ein­ba­rung jeden­falls die maxi­ma­le Höhe der monat­li­chen Teil­leis­tun­gen fest, die jeweils auch für die Dienst­aus­übung des Bei­geord­ne­ten gewährt wer­den konn­te.

Die Taten sind auch nicht nach § 331 Abs. 3 StGB gerecht­fer­tigt, weil sie der Ober­bür­ger­meis­ter als Dienst­vor­ge­setz­ter des Bei­geord­ne­ten geneh­migt hät­te.

Gemäß § 331 Abs. 3 StGB ist die Tat u. a. dann nicht als Vor­teils­an­nah­me straf­bar, wenn sich der Amts­trä­ger einen nicht von ihm gefor­der­ten Vor­teil ver­spre­chen lässt oder annimmt, unver­züg­lich bei der zustän­di­gen Behör­de Anzei­ge erstat­tet und die­se im Rah­men ihrer Befug­nis­se die Annah­me des Vor­teils geneh­migt. Im vor­lie­gen­den Fall hat der Bei­geord­ne­te den Ober­bür­ger­meis­ter zwar über das Bestehen eines Bera­ter­ver­trags der GmbH infor­miert, ihm aber weder zu die­sem noch zu einem spä­te­ren Zeit­punkt die zu Grun­de lie­gen­den Kon­di­tio­nen mit­ge­teilt und ihn auch in der Fol­ge nicht dar­über infor­miert, wel­che kon­kre­te Tätig­kei­ten er dem Ver­trags­part­ner in wel­cher Höhe in Rech­nung stell­te. Damit hat­te der Bei­geord­ne­te dem zustän­di­gen Dienst­vor­ge­setz­ten gera­de nicht mit­ge­teilt, dass im Rah­men des Bera­tungs­ver­tra­ges auch even­tu­el­le dienst­li­che Tätig­kei­ten hono­riert wer­den soll­ten.

Schon des­we­gen kann in sei­ner pau­scha­len Mit­tei­lung kei­ne Anzei­ge des ver­spro­che­nen Vor­teils gemäß § 331 Abs. 3 StGB und in den spä­te­ren Auf­ga­ben­zu­wei­sun­gen durch den Ober­bür­ger­meis­ter kei­ne kon­klu­den­te Geneh­mi­gung erblickt wer­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 17. März 2015 – 2 StR 281/​14

  1. vgl. BT-Drs. 18/​476 S. 8 zu § 108e Abs. 1 und Abs. 3 Nr. 1 StGB n. F., sowie BGH, Urteil vom 12.07.2006 – 2 StR 557/​05, wis­tra 2006, 419, 420 und BGH, Urteil vom 09.05.2006 – 5 StR 453/​05, BGHSt 51, 44, 57 f., jeweils zu § 108e Abs. 1 a. F.[]
  2. allg. M.; vgl. BGH, Urtei­le vom 03.12 1997 – 2 StR 267/​97, NStZ 1998, 194; und vom 05.10.1960 – 2 StR 427/​60, BGHSt 16, 37, 38; Fischer, StGB, 62. Aufl., § 331 Rn. 6; Heine/​Eisele in Schönke/​Schröder, StGB, 29. Aufl., § 331 Rn. 32; SSW-StG­B/Ro­sen­au, 2. Aufl., § 331 Rn. 33; Sowa­da in LK, StGB, 12. Aufl., § 331 Rn. 56; Münch­Komm-StG­B/­Kor­te, 2. Aufl., § 331 Rn. 86; Sin­ner in Matt/​Renzikowski, StGB, § 331 Rn. 15[]
  3. vgl. OLG Ham­burg, StV 2001, 277, 278; Heine/​Eisele aaO; Rosen­au aaO; Sowa­da aaO; Kor­te aaO; Sin­ner aaO; sie­he auch BGH, Urteil vom 19.02.2003 – 2 StR 371/​02, BGHSt 48, 213, 220 f.[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 22.06.2000 – 5 StR 268/​99, NStZ 2000, 596, 598; Urteil vom 10.03.1983 – 4 StR 375/​82, BGHSt 31, 264, 280; OLG Köln, NJW 2000, 3727 f.; KG, NJW 1988, 1877, 1878; OLG Hamm, NJW 1973, 716, 717 f.[]
  5. vgl. hier­zu BGH, Beschluss vom 11.02.20141 StR 355/​13 40; Fischer, StGB, 62. Aufl., § 331 Rn. 39, jeweils mwN[]