Wahl­fest­stel­lung zwi­schen Dieb­stahl und Heh­le­rei – und die Geld­wä­sche

Eine geset­zes­al­ter­na­ti­ve Ver­ur­tei­lung wegen (gewerbs­mä­ßig began­ge­nen) Dieb­stahls oder gewerbs­mä­ßi­ger Heh­le­rei ist auch trotz der gleich­zei­ti­gen Ver­wirk­li­chung des Tat­be­stands der Geld­wä­sche nach § 261 Abs. 2 Nr. 1 StGB mög­lich.

Wahl­fest­stel­lung zwi­schen Dieb­stahl und Heh­le­rei – und die Geld­wä­sche

Die wahl­deu­ti­ge Ver­ur­tei­lung steht in Ein­klang mit der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs [1]; sie ist nach Ansicht recht­lich nicht zu bean­stan­den.

Nach Ansicht des 5. Straf­se­nats des Bun­des­ge­richts­hofs Revi­si­on begeg­net die ungleich­ar­ti­ge Wahl­fest­stel­lung kei­nen ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken [2].

Die Ver­ur­tei­lung auf wahl­deu­ti­ger Grund­la­ge schei­det vor­lie­gend nicht des­halb aus, weil in allen betrof­fe­nen Fäl­len neben einer Straf­bar­keit wegen Dieb­stahls oder gewerbs­mä­ßi­ger Heh­le­rei auch eine Straf­bar­keit wegen Geld­wä­sche nach § 261 Abs. 2 Nr. 1 StGB gege­ben ist. Viel­mehr schließt die geset­zes­al­ter­na­ti­ve Ver­ur­tei­lung wegen der Kata­log­vor­tat auch nach der Neu­fas­sung der Straf­vor­schrift des § 261 StGB durch das Gesetz zur Ver­bes­se­rung der Bekämp­fung der Orga­ni­sier­ten Kri­mi­na­li­tät vom 04.05.1998 [3] einen Schuld­spruch wegen Geld­wä­sche aus (§ 261 Abs. 9 Satz 2 StGB).

Durch die genann­te Geset­zes­än­de­rung wur­de die Straf­bar­keit wegen Geld­wä­sche auf Fäl­le erwei­tert, in denen der (Allein)Vortäter selbst Geld wäscht. Damit soll­te die als unbe­frie­di­gend emp­fun­de­ne vor­ma­li­ge Rechts­la­ge geän­dert wer­den, nach der bei mög­li­cher, jedoch nicht sicher nach­weis­ba­rer Bege­hung der Vor­tat durch den Allein­vor­tä­ter des­sen Bestra­fung weder wegen der Vor­tat noch wegen Geld­wä­sche mög­lich sei [4]. Um eine Dop­pel­be­stra­fung zu ver­mei­den, wur­de in § 261 Abs. 9 Satz 2 StGB ein per­sön­li­cher Straf­aus­schlie­ßungs­grund bzw. eine Kon­kur­renz­re­gel [5] ein­ge­führt, wonach bei einer Straf­bar­keit wegen der Betei­li­gung an der Kata­log­vor­tat die zugleich ver­wirk­lich­te Geld­wä­sche straf­los gestellt wird. Nach die­sem Rege­lungs­ge­fü­ge bleibt im Blick auf die dann mög­li­che Post­pen­denz­fest­stel­lung [6] bei nicht nach­weis­ba­rer Vor­tat­be­tei­li­gung, aber siche­rer Ver­wirk­li­chung des Geld­wä­sche­tat­be­stan­des von vorn­her­ein kein Raum für eine ungleich­ar­ti­ge Wahl­fest­stel­lung zwi­schen Vor­tat und Geld­wä­sche.

Von der vor­ge­nann­ten, durch den Gesetz­ge­ber allein ins Auge gefass­ten Sach­ver­halts­kon­stel­la­ti­on [7] unter­schei­den sich die abge­ur­teil­ten Fäl­le dadurch, dass die Straf­bar­keit des Ange­klag­ten wegen einer Kata­log­vor­tat gera­de nicht zwei­fel­haft ist, son­dern sicher fest­steht. Dem­ge­mäß greift nach ihrem ein­deu­ti­gen und nicht durch Aus­le­gung kor­ri­gier­ba­ren Wort­laut die Rege­lung des § 261 Abs. 9 Satz 2 StGB ein, die der Ver­ur­tei­lung wegen der Kata­log­vor­tat den Vor­rang gegen­über der Ver­ur­tei­lung wegen etwa zugleich ver­wirk­lich­ter Geld­wä­sche ein­räumt [8]. Weder dem Geset­zes­wort­laut noch den Geset­zes­ma­te­ria­li­en kön­nen dabei irgend­wel­che Anhalts­punk­te dafür ent­nom­men wer­den, dass sie nach dem Wil­len des Gesetz­ge­bers nicht gel­ten soll, wenn der Ange­klag­te wegen der Kata­log­vor­tat nicht auf ein­deu­ti­ger, son­dern auf wahl­deu­ti­ger Grund­la­ge ver­ur­teilt wird. Damit ein­her­ge­hend fehlt jeg­li­cher Hin­weis dar­auf, dass der Gesetz­ge­ber die – auf­grund der Anknüp­fung an die in § 261 Abs. 1 StGB auf­ge­führ­ten Kata­log­ta­ten in ihrem Rege­lungs­be­reich ein­ge­schränk­te und hin­sicht­lich des Schutz­gu­tes jeden­falls nicht unmit­tel­bar auf Eigen­tum und Ver­mö­gen zie­len­de [9] – Geld­wä­sche ins­ge­samt oder ein­zel­ne ihrer Tat­hand­lun­gen als "Auf­fang­tat­be­stand" gegen­über (sämt­li­chen) Eigen­tums- und Ver­mö­gens­de­lik­ten oder gar allen im Vor­ta­ten­ka­ta­log auf­ge­führ­ten Straf­ta­ten aus­ge­stal­ten woll­te, um so der wahl­deu­ti­gen Schuld­fest­stel­lung gene­rell die Basis zu ent­zie­hen [10].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 16. August 2016 – – 5 StR 182/​16

  1. st. Rspr. seit BGH, Urteil vom 19.04.1951 – 3 StR 165/​51, BGHSt 1, 127; umfang­rei­che Recht­spre­chungs­nach­wei­se bei LR-StPO/­San­der, 26. Aufl., § 261 Rn. 141 ff.; KMR/​Stuckenberg, StPO, 68. EL, August 2013, § 261 Rn. 136 ff.[]
  2. vgl. hier­zu BGH, Beschlüs­se vom 24.06.2014 – 1 ARs 14/​14, NStZ-RR 2014, 308; vom 30.09.2014 – 3 ARs 13/​14, NStZ-RR 2015, 39; vom 11.09.2014 – 4 ARs 12/​14, NStZ-RR 2015, 40; vom 16.07.2014 – 5 ARs 39/​14, NStZ-RR 2014, 307; aM BGH, Beschluss vom 11.03.2015 – 2 StR 495/​12[]
  3. BGBl. I S. 845[]
  4. BT-Drs. 13/​8651 S. 10 f.[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 20.09.2000 – 5 StR 252/​00, NJW 2000, 3725; Beschluss vom 26.02.2003 – 5 StR 423/​02, BGHSt 48, 240, 245[]
  6. vgl. BGH, Urteil vom 21.06.1995 – 2 StR 157/​95, BGHR StGB vor § 1 Wahl­fest­stel­lung Post­pen­denz 5; Beschluss vom 26.02.2003 – 5 StR 423/​02, aaO; Urteil vom 20.09.2000 – 5 StR 252/​00, aaO[]
  7. vgl. BT-Drs. 13/​8651 S. 10 f.[]
  8. vgl. BGH, Urteil vom 24.01.2006 – 1 StR 357/​05, BGHSt 50, 347, 358[]
  9. vgl. BGH, aaO[]
  10. abwei­chend womög­lich BGH, Beschluss vom 11.03.2015 – 2 StR 495/​12 Rn. 75 f.[]