Wech­seln­de Opfer-Aus­sa­gen

Ein den Ange­klag­ten belas­ten­der Man­gel des Urteils ist dar­in zu sehen, dass das Gericht sich der auf­drän­gen­den nähe­ren Erläu­te­rung der Anga­ben des Neben­klä­gers ver­schlos­sen hat und die ange­foch­te­ne Ent­schei­dung des­halb lücken­haft ist 1.

Wech­seln­de Opfer-Aus­sa­gen

Bestrei­ten die Ange­klag­ten in wesent­li­chen Tat­tei­len den gegen sie erho­be­nen Vor­wurf, genügt es nicht, im Rah­men der Beweis­wür­di­gung all­ge­mein dar­auf hin­zu­wei­sen, dass der ein­zi­ge Tat­zeu­ge in sei­ner Ver­neh­mung in der Haupt­ver­hand­lung die in der poli­zei­li­chen Aus­sa­ge­si­tua­ti­on gemach­ten Anga­ben im Kern wider­spruchs­frei wie­der­holt habe, zumal er die genaue Abfol­ge der Gescheh­nis­se in der Haupt­ver­hand­lung nicht im Ein­zel­nen erin­nern konn­te.

Dies gilt umso mehr, als der Neben­klä­ger sei­nen Anga­ben vor der Kam­mer wesent­li­che Details ange­fügt hat, die in den poli­zei­li­chen Anga­ben nicht ent­hal­ten waren und die das Land­ge­richt offen­sicht­lich sei­ner Über­zeu­gungs­bil­dung zugrun­de gelegt hat.

Zur Über­prü­fung der vom Tat­ge­richt für glaub­haft ange­se­he­nen Aus­sa­ge durch das Revi­si­ons­ge­richt ist es in einem sol­chen Fall erfor­der­lich, den Inhalt der den Ange­klag­ten belas­ten­den Aus­sa­gen vor der Poli­zei und in der Haupt­ver­hand­lung im Ein­zel­nen dar­zu­stel­len 2. Nur so lässt sich auch nach­voll­zie­hen, auf­grund wel­cher Anga­ben die Straf­kam­mer zu den getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen gelangt ist und ob dies ohne Rechts­feh­ler gesche­hen ist.

Eben­so wenig ist es aus­rei­chend fest­zu­stel­len, die in der Haupt­ver­hand­lung abge­ge­be­nen Erklä­run­gen der Ange­klag­ten sei­en nicht geeig­net, die Anga­ben des Neben­klä­gers mit Erfolg in Zwei­fel zu zie­hen, und sich anschlie­ßend ledig­lich bei­spiel­haft mit der einen oder ande­ren Erwä­gung in den Urteils­grün­den aus­ein­an­der zu set­zen. Hier ist eine ins Ein­zel­ne gehen­de Dar­le­gung von­nö­ten, war­um die jewei­li­gen kon­kre­ten Ein­las­sun­gen der Ange­klag­ten die Anga­ben des Neben­klä­gers nicht in Fra­ge stel­len kön­nen. Dies gilt umso mehr, als die im Urteil im Wort­laut wie­der­ge­ge­be­nen Erklä­run­gen der Ange­klag­ten die Anga­ben des Neben­klä­gers gera­de nicht grund­sätz­lich bestä­tigt haben, son­dern wesent­li­che Abwei­chun­gen vom fest­ge­stell­ten Sach­ver­halt ent­hal­ten.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 14. Okto­ber 2015 – 2 StR 236/​15

  1. vgl. Ott, KK, StPO, 7. Aufl., § 261 Rn. 50[]
  2. vgl. BGH StV 2011, 7[]