Wenn der Dieb auf den Bus war­tet…

Ein Dieb­stahl ist noch nicht been­det, wenn der Dieb nach dem Ver­las­sen des Ladens mit dem Die­bes­gut an einer nahe­ge­le­ge­nen Bus­hal­te­stel­le auf den nächs­ten Bus war­tet und hier­bei vom Laden­in­ha­ber gestellt wird.

Wenn der Dieb auf den Bus war­tet…

Denn hier­für hät­te der Dieb den Gewahr­sam an den ent­wen­de­ten Gegen­stän­den bereits gefes­tigt und gesi­chert haben müs­sen [1]; dies war aber noch nicht gesche­hen [2]:

Zwar hat­te der Dieb den Ein­kaufs­markt und damit den unmit­tel­ba­ren Herr­schafts­be­reich der Bestoh­le­nen bereits ver­las­sen. Er befand sich aber noch immer in Sicht­wei­te der ihn sofort ver­fol­gen­den Inha­be­rin und war mit­hin einem erhöh­ten Risi­ko aus­ge­setzt, die Beu­te infol­ge der Nach­ei­le wie­der her­aus­ge­ben zu müs­sen [3]. Hier­an ändert nichts, dass bereits weni­ge Minu­ten ver­gan­gen waren, als er tat­säch­lich zur Her­aus­ga­be der ent­wen­de­ten Lebens­mit­tel auf­ge­for­dert wur­de.

Der Dieb war auch auf fri­scher Tat betrof­fen wor­den. Eine Tat ist „frisch“, solan­ge mit ihr noch ein enger ört­li­cher und zeit­li­cher Zusam­men­hang besteht [4]. Daher reicht es aus, wenn der Täter zwar den Tat­ort schon ver­las­sen hat, aber noch in des­sen unmit­tel­ba­rer Nähe und als­bald nach der Tat­aus­füh­rung wahr­ge­nom­men wird [5]. Ist dies – wie hier – der Fall, spielt es auch für die­ses Tat­be­stands­merk­mal kei­ne Rol­le, wenn es zum Ein­satz eines Nöti­gungs­mit­tels erst kommt, nach­dem der Täter ver­folgt wor­den ist [6].

Mer­ke: Ein räu­be­ri­scher Dieb­stahl kann auch dar­an lie­gen, dass der Bus noch nicht gekom­men ist.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 8. Okto­ber 2014 – 5 StR 395/​14

  1. vgl. BGH, Urtei­le vom 06.04.1965 – 1 StR 73/​65, BGHSt 20, 194, 196; vom 08.10.1975 – 2 StR 404/​75[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 26.05.2000 – 4 StR 131/​00, NStZ 2001, 88, 89[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 05.05.1987 – 1 StR 97/​87, BGHR StGB § 252 Fri­sche Tat 2; Beschluss vom 18.02.1988 – 4 StR 28/​88, BGHR StGB § 252 Fri­sche Tat 3; sie­he auch BGH, Urteil vom 22.08.1984 – 3 StR 203/​84[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 13.12 1978 – 3 StR 381/​78, BGHSt 28, 224, 229[]
  5. vgl. BGH, aaO S. 230; Urteil vom 08.06.1956 – 2 StR 206/​56, BGHSt 9, 255, 257[]
  6. vgl. BGH, Urteil vom 26.06.1952 – 5 StR 517/​52, NJW 1952, 1026[]