Wenn der Dieb auf den Bus wartet…

Ein Diebstahl ist noch nicht beendet, wenn der Dieb nach dem Verlassen des Ladens mit dem Diebesgut an einer nahegelegenen Bushaltestelle auf den nächsten Bus wartet und hierbei vom Ladeninhaber gestellt wird.

Wenn der Dieb auf den Bus wartet…

Denn hierfür hätte der Dieb den Gewahrsam an den entwendeten Gegenständen bereits gefestigt und gesichert haben müssen1; dies war aber noch nicht geschehen2:

Zwar hatte der Dieb den Einkaufsmarkt und damit den unmittelbaren Herrschaftsbereich der Bestohlenen bereits verlassen. Er befand sich aber noch immer in Sichtweite der ihn sofort verfolgenden Inhaberin und war mithin einem erhöhten Risiko ausgesetzt, die Beute infolge der Nacheile wieder herausgeben zu müssen3. Hieran ändert nichts, dass bereits wenige Minuten vergangen waren, als er tatsächlich zur Herausgabe der entwendeten Lebensmittel aufgefordert wurde.

Der Dieb war auch auf frischer Tat betroffen worden. Eine Tat ist „frisch“, solange mit ihr noch ein enger örtlicher und zeitlicher Zusammenhang besteht4. Daher reicht es aus, wenn der Täter zwar den Tatort schon verlassen hat, aber noch in dessen unmittelbarer Nähe und alsbald nach der Tatausführung wahrgenommen wird5. Ist dies – wie hier – der Fall, spielt es auch für dieses Tatbestandsmerkmal keine Rolle, wenn es zum Einsatz eines Nötigungsmittels erst kommt, nachdem der Täter verfolgt worden ist6.

Merke: Ein räuberischer Diebstahl kann auch daran liegen, dass der Bus noch nicht gekommen ist.

Bundesgerichtshof, Urteil vom 8. Oktober 2014 – 5 StR 395/14

  1. vgl. BGH, Urteile vom 06.04.1965 – 1 StR 73/65, BGHSt 20, 194, 196; vom 08.10.1975 – 2 StR 404/75[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 26.05.2000 – 4 StR 131/00, NStZ 2001, 88, 89[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 05.05.1987 – 1 StR 97/87, BGHR StGB § 252 Frische Tat 2; Beschluss vom 18.02.1988 – 4 StR 28/88, BGHR StGB § 252 Frische Tat 3; siehe auch BGH, Urteil vom 22.08.1984 – 3 StR 203/84[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 13.12 1978 – 3 StR 381/78, BGHSt 28, 224, 229[]
  5. vgl. BGH, aaO S. 230; Urteil vom 08.06.1956 – 2 StR 206/56, BGHSt 9, 255, 257[]
  6. vgl. BGH, Urteil vom 26.06.1952 – 5 StR 517/52, NJW 1952, 1026[]

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