Wenn Du Eier hast, komm runter!

§ 213 StGB sieht eine Strafmilderung vor, wenn der Totschläger ohne eigene Schuld durch eine ihm oder einem Angehörigen zugefügte Mißhandlung oder schwere Beleidigung von dem getöteten Menschen zum Zorn gereizt war und hierdurch auf der Stelle zur Tat hingerissen wurde.

Wenn Du Eier hast, komm runter!

Bei der Prüfung dieses Milderungsgrundes darf nicht allein auf die Zeitdauer zwischen der provozierenden Aussage des Geschädigten und dem durchgeführten Angriff abgestellt werden.

Maßgebend ist vielmehr, ob der bei einem Täter durch die Provokation hervorgerufene Zorn noch angehalten und ihn zu seiner Tat hingerissen hat1 und als nicht durch rationale Erwägung unterbrochene Gefühlsaufwallung fortgewirkt hat2.

In dem hier vom Bundesgerichtshof entschiedenen Fall hatte das erstinstanzliche Schwurgericht hinsichtlich der tatbestandlichen Voraussetzungen des § 213 Alt. 1 StGB die Worte des Geschädigten “wenn Du Eier hast, komm runter” als ‘schwere Beleidigung’ angesehen. Es hat § 213 Alt. 1 StGB aber nicht angenommen, weil nach seiner Auffassung der Angeklagte nicht “auf der Stelle zur Tat hingerissen” worden sei, denn er habe zunächst die an der Wand hängende Axt an sich nehmen, die Wohnung verlassen und nach unten gehen müssen, bevor er auf den Geschädigten traf. Hierin sah der Bundesgerichtshof die Anwendung eines falschen Maßstabs: Der Täter hat auf die Bemerkung des Geschädigten sofort reagiert und ist nach unten auf die Straße gegangen, wobei er im Vorbeigehen die an der Wand hängende Axt erfasste und mitnahm. Damit liegt eine spontane Reaktion des Täters vor, welche insoweit die Voraussetzungen des § 213 Alt. 1 StGB erfüllt.

Bundesgerichtshof, Beschluss vom 8. September 2016 – 1 StR 372/16

  1. BGH, Beschlüsse vom 28.09.2010 – 5 StR 358/10, NStZ-RR 2011, 10; und vom 26.07.1994 – 1 StR 286/94, NStZ 1995, 83 []
  2. BGH, Beschluss vom 16.04.2007 – 5 StR 134/07, NStZ-RR 2007, 200 []