Wenn das Gericht dem Sach­ver­stän­di­gen folgt…

Beschränkt sich das Tat­ge­richt dar­auf, der Beur­tei­lung eines Sach­ver­stän­di­gen zur Fra­ge der Schuld­fä­hig­keit zu fol­gen, muss es die hier­für wesent­li­chen Anknüp­fungs­punk­te und Dar­le­gun­gen im Urteil so wie­der­ge­ben, wie dies zum Ver­ständ­nis des Gut­ach­tens und zur Beur­tei­lung sei­ner Schlüs­sig­keit erfor­der­lich ist [1].

Wenn das Gericht dem Sach­ver­stän­di­gen folgt…

Dem wer­den Urteils­grün­de nicht gerecht, in denen ledig­lich die Dia­gno­sen des Sach­ver­stän­di­gen wie­der­ge­ge­ben wer­den, aber nicht mit­ge­teilt wird, wel­che Anknüp­fungs- und Befund­tat­sa­chen der Sach­ver­stän­di­ge sei­nen Dia­gno­sen zugrun­de gelegt hat.

Der Umstand, dass sich der Beschul­dig­te im hier ent­schie­de­nen Fall viel­fach in psych­ia­tri­schen Kran­ken­häu­sern zur Behand­lung befand und ihm dort die Dia­gno­se einer hebe­phre­nen Psy­cho­se aus dem schi­zo­phre­nen For­men­kreis gestellt wur­de, deu­tet zwar auf eine gra­vie­ren­de Erkran­kung in die­sem Bereich hin, ver­mag aber eine kon­kre­te Dar­le­gung des Krank­heits­bil­des nicht zu erset­zen. Soweit in Bezug auf die „nor­ma­ti­ve Ein­sichts­fä­hig­keit“ des Beschul­dig­ten davon die Rede ist, dass er „viel­fach unter Beweis gestellt habe, dass er dies­be­züg­lich sehr schlecht aus­ge­stat­tet sei“, bei Maß­nah­men der Wie­der­ein­glie­de­rungs­hil­fe „krank­heits­be­dingt immer wie­der dekom­pen­siert“ sei und „mit­un­ter ein aggres­si­ves Ver­hal­ten gezeigt“ habe, fehlt es an einer nach­voll­zieh­ba­ren Dar­stel­lung der in Bezug genom­me­nen Vor­fäl­le und deren Beleg.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 19. Janu­ar 2017 – 4 StR 595/​16

  1. BGH, Urteil vom 23.11.2016 – 2 StR 108/​16, Rn. 8; Beschluss vom 28.01.2016 – 3 StR 521/​15, NStZ-RR 2016, 135; Beschluss vom 30.07.2013 – 4 StR 275/​13, NStZ 2014, 36, 37 mwN[]