Werk­zeugspu­ren – und die tatrich­ter­li­che Über­zeu­gungs­bil­dung

Ein Ver­gleichs­gut­ach­ten betref­fend Werk­zeugspu­ren ist kein stan­dar­di­sier­tes Ver­fah­ren, bei dem eine der­art auf die Mit­tei­lung des Ergeb­nis­ses des Gut­ach­tens beschränk­te Dar­stel­lung der tat­ge­richt­li­chen Über­zeu­gungs­bil­dung aus­rei­chen kann [1].

Werk­zeugspu­ren – und die tatrich­ter­li­che Über­zeu­gungs­bil­dung

Viel­mehr gel­ten wei­ter­ge­hen­de Dar­le­gungs­an­for­de­run­gen; es sind so vie­le Anknüp­fungs­tat­sa­chen; und vom Sach­ver­stän­di­gen gezo­ge­ne Schluss­fol­ge­run­gen wie­der­zu­ge­ben, dass das Revi­si­ons­ge­richt die Schlüs­sig­keit des Gut­ach­tens über­prü­fen kann [2].

Im vor­lie­gen­den Fall waren die­se Anfor­de­run­gen nicht erfüllt; das Land­ge­richt stütz­te sich für die Fest­stel­lung der Täter­schaft des Ange­klag­ten P. ledig­lich auf Hebel­spu­ren an Ter­ras­sen­tür und Ess­zim­mer­fens­ter des ange­gan­ge­nen Hau­ses stütz­te, weil die­se durch den Schrau­ben­dre­her die­ses Ange­klag­ten ver­ur­sacht wor­den sei­en. Nach den für über­zeu­gend erach­te­ten Aus­füh­run­gen des kri­mi­nal­tech­ni­schen Sach­ver­stän­di­gen ste­he „aus for­men­kund­li­cher Sicht auf­grund über­ein­stim­men­der Spu­ren­brei­te und über­ein­stim­men­der Ober­flä­chen­merk­ma­le als indi­vi­dua­li­sie­ren­de Gebrauchs­merk­ma­le an der Schau­fel­spit­ze“ fest, dass die gesi­cher­ten Prä­ge­spu­ren mit dem sicher­ge­stell­ten Schlitz­schrau­ben­dre­her ver­ur­sacht wor­den sei­en.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 29. Juli 2020 – 6 StR 211/​20

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 15.09.2010 – 5 StR 345/​10, BGHR StPO § 261 Sach­ver­stän­di­ger 11; LR-StPO/­San­der, 26. Aufl., § 261 Rn. 90b[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 29.09.1992 – 1 StR 494/​92, BGHR StPO § 261 Sach­ver­stän­di­ger 4[]