Wider­ruf der Aus­set­zung einer lebens­lan­gen Frei­heits­stra­fe

Beim Wider­ruf der Aus­set­zung einer lebens­lan­gen Frei­heits­stra­fe darf die Annah­me fort­be­stehen­der Gefähr­lich­keit des Täters nur auf Delik­te von Art und Schwe­re bezo­gen wer­den, wie sie in der began­ge­nen Tat zu Tage getre­ten sind.

Wider­ruf der Aus­set­zung einer lebens­lan­gen Frei­heits­stra­fe

Allein die Gefahr der Bege­hung von Ver­mö­gens­de­lik­ten ver­mag den Wider­ruf der Straf­aus­set­zung zur Bewäh­rung wegen der Ver­ur­tei­lung wegen eines Tötungs­de­lik­tes nicht zu recht­fer­ti­gen. Anders ist die Rechts­la­ge jedoch dann zu beur­tei­len, wenn sich auf­grund der neu abge­ur­teil­ten Straf­ta­ten die kon­kre­te Befürch­tung ergibt, der Ver­ur­teil­te kön­ne auf­grund sei­ner Per­sön­lich­keits­zü­ge auch neue schwer­wie­gen­de Gewalt­straf­ta­ten bege­hen.

Zur Abklä­rung sol­cher pro­gnos­ti­schen Fra­gen wird das ver­fas­sungs­recht­li­che Gebot einer zurei­chen­den rich­ter­li­chen Sach­auf­klä­rung im Regel­fal­le die Ein­ho­lung eines Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens gebie­ten.

Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he, Beschluss vom 25. Juni 2010 – 1 Ws 325/​09 L