Wie­der­ein­set­zung – zur Hei­lung von Zuläs­sig­keits­män­geln bei Ver­fah­rens­rügen

Das Rechts­in­sti­tut der Wie­der­ein­set­zung dient nicht der Hei­lung von Zuläs­sig­keits­män­geln von frist­ge­mäß erho­be­nen Ver­fah­rens­rügen.

Wie­der­ein­set­zung – zur Hei­lung von Zuläs­sig­keits­män­geln bei Ver­fah­rens­rügen

Die Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand zur Wie­der­ho­lung einer zunächst vom Ver­tei­di­ger nicht form­ge­recht vor­ge­tra­ge­nen und daher unzu­läs­si­gen Ver­fah­rens­rüge wider­sprä­che im Übri­gen der Sys­te­ma­tik des Revi­si­ons­ver­fah­rens. Könn­te ein Ange­klag­ter, dem durch die Antrags­schrift des Gene­ral­bun­des­an­walts ein for­ma­ler Man­gel in der Begrün­dung einer Ver­fah­rens­rüge auf­ge­zeigt wor­den ist, die­se unter Hin­weis auf ein Ver­schul­den sei­nes Ver­tei­di­gers nach­bes­sern, wür­de im Ergeb­nis die Form­vor­schrift des § 344 Abs. 2 Satz 2 StPO außer Kraft gesetzt. Da den Ange­klag­ten selbst an dem Man­gel regel­mä­ßig kei­ne Schuld trifft, wäre ihm auf einen ent­spre­chen­den Antrag hin stets Wie­der­ein­set­zung zu gewäh­ren 1. Dies stün­de nicht mit dem öffent­li­chen Inter­es­se in Ein­klang, einen geord­ne­ten Fort­gang des Ver­fah­rens zu sichern und ohne Ver­zö­ge­rung als­bald eine kla­re Ver­fah­rens­la­ge zu schaf­fen 2.

Eine Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand zur Nach­ho­lung einer Ver­fah­rens­rüge kommt daher nur in beson­de­ren Pro­zess­si­tua­tio­nen aus­nahms­wei­se in Betracht, wenn dies zur Wah­rung des Anspruchs des Beschwer­de­füh­rers auf recht­li­ches Gehör (Art. 103 Abs. 1 GG) uner­läss­lich erscheint 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 24. Okto­ber 2018 – 2 StR 578/​16

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 03.09.1987 – 1 StR 386/​87, BGHR StPO § 44 Ver­fah­rens­rüge 1[]
  2. BGH, Beschluss vom 21.02.1951 – 1 StR 5/​51, BGHSt 1, 44, 46; Beschluss vom 27.03.2008 – 3 StR 6/​08 5[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 07.09.1993 – 5 StR 162/​93, BGHR StPO § 44 Ver­fah­rens­rüge 8; Beschluss vom 15.03.2001 – 3 StR 57/​01 2; Beschluss vom 25.09.2007 – 1 StR 432/​07, NStZ-RR 2008, 18; BGH, Beschluss vom 27.03.2008 – 3 StR 6/​08 6; MeyerGoßner/​Schmitt, StPO, 61. Aufl., § 44 Rn. 7 ff.[]