Bank­rott­straf­bar­keit des GmbH-Geschäfts­füh­rers

Beim Bun­des­ge­richts­hof bahnt sich ein Recht­spre­chungs­wech­sel an: Schafft der Geschäfts­füh­rer einer Gesell­schaft mit beschränk­ter Haf­tung bei dro­hen­der Zah­lungs­un­fä­hig­keit der Gesell­schaft Bestand­tei­le des Gesell­schafts­ver­mö­gens bei­sei­te, so ist er wohl auch dann wegen Bank­rotts straf­bar, wenn er hier­bei nicht im Inter­es­se der Gesell­schaft han­delt. Einem ent­spre­chen­den Anfra­ge­be­schluss des 3. Straf­se­nats 1 hat sich jetzt der 1. Straf­se­nat ange­schlos­sen.

Bank­rott­straf­bar­keit des GmbH-Geschäfts­füh­rers

Der 3. Straf­se­nat hat­te bereits mit Beschluss vom 10.02.2009 im Ver­fah­ren 3 StR 372/​08 gewich­ti­ge Argu­men­te ange­führt, die für ein Abwei­chen der Recht­spre­chung von der „Inter­es­sen­theo­rie“ spre­chen könn­ten 2. Nament­lich im Hin­blick auf die bei Anwen­dung der Inter­es­sen­theo­rie ent­ste­hen­de Ungleich­be­hand­lung von Ein­zel­kauf­leu­ten und GmbH-Geschäfts­füh­rern sowie auf den Umstand, dass die Anwen­dung der „Inter­es­sen­for­mel“ zu einer dem Schutz­zweck zuwi­der­lau­fen­den Zurück­drän­gung der Delik­te des Insol­venz­straf­rechts bei ver­mö­gens­schä­di­gen­den und damit in der Regel mas­se­schmä­lern­den Ver­hal­tens­wei­sen zum Nach­teil von Han­dels­ge­sell­schaf­ten führt 3, hat­te auch der 1. Straf­se­nat schon damals Beden­ken gegen die wei­te­re Anwen­dung der „Inter­es­sen­for­mel“ zur Bestim­mung des Anwen­dungs­be­reichs des Bank­rott­tat­be­stands bei Han­dels­ge­sell­schaf­ten. Er neig­te eben­falls dazu, von der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs zur Straf­bar­keit eines Ver­tre­ters wegen Bank­rotts abzu­wei­chen und die Abgren­zung zwi­schen den Insol­venz­de­lik­ten der §§ 283 ff. StGB und ins­be­son­de­re der Untreue nach § 266 StGB, aber auch den Eigen­tums­de­lik­ten gemäß §§ 242, 246 StGB nicht mehr nach der Inter­es­sen­for­mel vor­zu­neh­men. Mit Beschluss vom 01.09.2009 im Ver­fah­ren 1 StR 301/​09 hat der 1. Straf­se­nat dies klar zum Aus­druck gebracht. Ein Anfra­ge­ver­fah­ren kam damals man­gels Ent­schei­dungs­er­heb­lich­keit der Rechts­fra­ge nicht in Betracht.

Der 1. Straf­se­nat teilt die Rechts­auf­fas­sung des anfra­gen­den 3. Straf­se­nats und gibt eige­ne ent­ge­gen­ste­hen­de Recht­spre­chung auf.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 29. Novem­ber 2011 – 1 ARs 19/​11

  1. BGH, Beschluss vom 15.09.2011 – 3 StR 118/​11[]
  2. BGH NStZ 2009, 437, 439[]
  3. vgl. Rad­tke, GmbHR 2009, 875[]