Bestech­lich­keit im geschäft­li­chen Ver­kehr – und die erfor­der­li­che Unrechts­ver­ein­ba­rung

Die Vor­schrift des § 299 StGB setzt eine Unrechts­ver­ein­ba­rung der­ge­stalt vor­aus, dass der Vor­teil als Gegen­leis­tung für eine künf­ti­ge unlau­te­re Bevor­zu­gung ange­nom­men bzw. gewährt wird 1.

Bestech­lich­keit im geschäft­li­chen Ver­kehr – und die erfor­der­li­che Unrechts­ver­ein­ba­rung

Bevor­zu­gung in die­sem Sin­ne bedeu­tet dabei die sach­frem­de Ent­schei­dung zwi­schen zumin­dest zwei Bewer­bern, setzt also Wett­be­werb und Benach­tei­li­gung eines Kon­kur­ren­ten vor­aus. Hier­bei genügt es aber, wenn die zum Zwe­cke des Wett­be­werbs vor­ge­nom­me­nen Hand­lun­gen nach der Vor­stel­lung des Täters geeig­net sind, sei­ne eige­ne Bevor­zu­gung oder die eines Drit­ten im Wett­be­werb zu ver­an­las­sen.

Danach ist das Tat­be­stands­merk­mal der Bevor­zu­gung im Wett­be­werb sub­jek­ti­viert; es reicht aus, wenn nach der Vor­stel­lung des Täters der Wett­be­werb unlau­ter beein­flusst wer­den soll 2. Der Vor­stel­lung eines bestimm­ten ver­letz­ten Mit­be­wer­bers bedarf es nicht 3.

Zur Erfül­lung des Tat­be­stan­des braucht die ver­ein­bar­te Bevor­zu­gung tat­säch­lich nicht ein­ge­tre­ten zu sein. Es muss auch kei­ne objek­ti­ve Schä­di­gung eines Mit­be­wer­bers ein­ge­tre­ten sein. Schutz­gut des § 299 StGB ist die straf­wür­di­ge Stö­rung des Wett­be­werbs sowie die abs­trak­te Gefahr sach­wid­ri­ger Ent­schei­dun­gen 4.

Unter einem Vor­teil im Sin­ne des § 299 StGB ist jede Leis­tung zu ver­ste­hen, auf die der Emp­fän­ger kei­nen Rechts­an­spruch hat und die sei­ne wirt­schaft­li­che, recht­li­che oder auch nur per­sön­li­che Lage objek­tiv ver­bes­sert 5.

Ein sol­cher Vor­teil kann bereits in dem Abschluss eines Ver­tra­ges lie­gen 6.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 29. April 2015 – 1 StR 235/​14

  1. BGH, Urteil vom 10.07.2013 – 1 StR 532/​12, NStZ 2014, 42, 43 f.; BGH, Beschluss vom 14.07.2010 – 2 StR 200/​10, wis­tra 2010, 447[]
  2. Fischer, StGB 62. Aufl., § 299 Rn. 15[]
  3. BGH, Urteil vom 16.07.2004 – 2 StR 486/​03, NJW 2004, 3129, 3133[]
  4. BGH, Urteil vom 09.08.2006 – 1 StR 50/​06, NJW 2006, 3290, 3298[]
  5. BGH, Urteil vom 18.06.2003 – 5 StR 489/​02, BGH NJW 2003, 2996, 2997; Fischer, StGB, 62. Aufl., § 299 Rn. 7[]
  6. vgl. BGH, Urteil vom 21.06.2007 – 4 StR 99/​07, NStZ 2008, 216 f. zu § 333 Abs. 1 StGB; zur iden­ti­schen Begriff­lich­keit des Vor­teils in § 333 Abs. 1 und § 299 Abs. 1 vgl. nur Tie­de­mann in LK, 12. Aufl., § 299 Rn. 25[]