Bestechung und Bestech­lich­keit im geschäft­li­chen Ver­kehr – und die Ver­jäh­rung

Wer­den Bestechung oder Bestech­lich­keit im geschäft­li­chen Ver­kehr in der Form began­gen, dass der Bestechen­de zunächst den Vor­teil gewährt und der Besto­che­ne sodann die im Wett­be­werb unlau­ter bevor­zu­gen­de Hand­lung vor­nimmt, so sind bei­de Taten been­det und beginnt damit die Frist für deren Ver­fol­gungs­ver­jäh­rung zu lau­fen, wenn die­se Hand­lung voll­stän­dig abge­schlos­sen ist.

Bestechung und Bestech­lich­keit im geschäft­li­chen Ver­kehr – und die Ver­jäh­rung

Bestehen die bevor­zu­gen­den Hand­lun­gen nach der getrof­fe­nen Unrechts­ver­ein­ba­rung in dem Abschluss und der Durch­füh­rung eines Ver­trags, so tritt daher die Been­di­gung der Taten erst ein, wenn der Besto­che­ne die letz­te von ihm zur Ver­trags­er­fül­lung bestimm­te Leis­tung erbringt.

Die gegen die Neben­be­tei­lig­te als rechts­fä­hi­ge Per­so­nen­ge­sell­schaft fest­ge­setz­ten Geld­bu­ßen sind den­sel­ben Ver­jäh­rungs­re­geln unter­wor­fen wie die zugrun­de­lie­gen­den Taten der Bestechung im geschäft­li­chen Ver­kehr nach § 299 Abs. 2 aF StGB (vgl. § 2 Abs. 1 StGB). Löst eine von einer natür­li­chen Per­son began­ge­ne Straf­tat die Haf­tung einer juris­ti­schen Per­son oder einer Per­so­nen­ver­ei­ni­gung nach § 30 OWiG aus, so gel­ten im Ver­fah­ren gegen die juris­ti­sche Per­son bzw. die Per­so­nen­ver­ei­ni­gung die für die Tat der natür­li­chen Per­son maß­geb­li­chen Vor­schrif­ten über die Ver­jäh­rung 1.

Die Frist für die Ver­jäh­rung der Buß­geld­ver­fol­gung bemisst sich dem­nach gemäß § 78 Abs. 3 Nr. 4 i.V.m. § 299 Abs. 1, 2 aF StGB auf fünf Jah­re.

Die Ver­jäh­rungs­fris­ten für die Taten der Bestechung im geschäft­li­chen Ver­kehr haben nach § 78a StGB mit der jewei­li­gen mate­ri­el­len Tat­be­en­di­gung begon­nen.

Mate­ri­ell been­det ist eine Tat, wenn der Täter sein rechts­ver­nei­nen­des Tun ins­ge­samt abge­schlos­sen hat, das Tat­un­recht mit­hin tat­säch­lich in vol­lem Umfang ver­wirk­licht ist 2. Zur Tat­be­en­di­gung zäh­len daher auch sol­che Umstän­de, die zwar nicht mehr von der objek­ti­ven Beschrei­bung des Tat­be­stands erfasst wer­den, aber den­noch das mate­ri­el­le Unrecht der Tat ver­tie­fen, weil sie den Angriff auf das geschütz­te Rechts­gut per­p­etu­ie­ren oder gar inten­si­vie­ren 3.

Für die Bestechung im geschäft­li­chen Ver­kehr nach § 299 Abs. 2 aF bzw. § 299 Abs. 2 Nr. 1 nF StGB bedeu­tet dies: Sind sich der Besto­che­ne und der Bestechen­de über die bevor­zu­gen­de Hand­lung und die hier­für zu erbrin­gen­de Gegen­leis­tung einig und wird die Unrechts­ver­ein­ba­rung tat­säch­lich voll umge­setzt, kommt es für die Tat­be­en­di­gung auf die jeweils letz­te Hand­lung zur beid­sei­ti­gen Erfül­lung der getrof­fe­nen Ver­ein­ba­rung an. Die Taten sind in die­sen Fäl­len been­det, wenn der Vor­teil voll­stän­dig ent­ge­gen­ge­nom­men 4 und zugleich die bevor­zu­gen­de Hand­lung voll­stän­dig abge­schlos­sen ist.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat die­se Recht­spre­chung zu den Straf­tat­be­stän­den der Bestech­lich­keit (§ 332 StGB) und der Bestechung (§ 334 StGB) ent­wi­ckelt 5. Sie ist im Hin­blick auf die gleich­ar­ti­ge Delikts­struk­tur auf die Bestechung und die Bestech­lich­keit im geschäft­li­chen Ver­kehr (§ 299 Abs. 1 Nr. 1 und Abs. 2 Nr. 1 StGB) zu über­tra­gen 6. So wie die Lau­ter­keit der Amts­aus­übung am nach­hal­tigs­ten durch die erkauf­te pflicht­wid­ri­ge Dienst­hand­lung beein­träch­tigt wird 7, ist der freie Wett­be­werb in ers­ter Linie durch die bevor­zu­gen­de – wett­be­werbs­wid­ri­ge – Hand­lung bedroht.

Die bevor­zu­gen­de Hand­lung war hier erst mit der Zah­lungs­ab­wick­lung der Bau­stu­fe 6 abge­schlos­sen, mit­hin kei­nes­falls vor Erstel­lung der Schluss­rech­nun­gen. Bevor die Rech­nun­gen begli­chen waren, lag noch kei­ne voll­stän­di­ge Umset­zung der Unrechts­ver­ein­ba­rung vor.

Die Vor­schrift des § 299 Abs. 2 aF StGB (§ 299 Abs. 2 Nr. 1 nF StGB) defi­niert die Unrechts­ver­ein­ba­rung in einem wei­ten Sin­ne. Hier­nach muss die für den Vor­teil erstreb­te Gegen­leis­tung eine Bevor­zu­gung beim "Bezug von Waren oder gewerb­li­chen Leis­tun­gen" (nun­mehr "Dienst­leis­tun­gen", womit – zusätz­lich – Leis­tun­gen von Frei­be­ruf­lern erfasst wer­den 8) betref­fen, gleich­viel ob der Besto­che­ne oder – wie hier – der Bestechen­de Waren lie­fern oder Leis­tun­gen erbrin­gen soll 9. Der Begriff "Bezug" umfasst das gesam­te auf die Erlan­gung oder den Absatz von Waren oder Leis­tun­gen gerich­te­te Geschäft. Dar­un­ter fal­len alle wirt­schaft­li­chen Vor­gän­ge von der Bestel­lung bis zur Bezah­lung 10, mit­hin gera­de die als Ent­gelt bewirk­ten Geld­leis­tun­gen 11, die auch hier Bestand­teil der Unrechts­ver­ein­ba­rung waren.

Hin­zu kommt, dass durch die Werk­lohn­zah­lun­gen der Angriff auf die Rechts­gü­ter des § 299 StGB per­p­etu­iert und inten­si­viert wur­de. Die Straf­norm schützt neben dem frei­en Wett­be­werb auch die Geschäfts­in­ter­es­sen des Geschäfts­herrn des besto­che­nen Ange­stell­ten oder Beauf­trag­ten bei intern pflicht­wid­ri­gem Ver­hal­ten 12; der Geschäfts­herr ist unter öko­no­mi­schen Gesichts­punk­ten dar­auf ange­wie­sen, dass Mit­ar­bei­ter ihr geschäft­li­ches Han­deln grund­sätz­lich nach wett­be­werb­li­chen Kri­te­ri­en aus­rich­ten. Hier wur­de die die Inter­es­sen der Fir­ma B. ver­let­zen­de, wett­be­werbs­wid­ri­ge Bevor­zu­gung der Neben­be­tei­lig­ten durch H. und Bö. im Wege der Rech­nungs­be­glei­chung fort­ge­setzt; sie fand erst mit der letz­ten Zah­lung ihren Abschluss.

Die­ser recht­li­chen Beur­tei­lung steht die Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs zu den Amts­de­lik­ten der Bestech­lich­keit und der Bestechung nicht ent­ge­gen, wonach nach­fol­gen­de Hand­lun­gen des Bestechen­den, die die pflicht­wid­ri­ge Dienst­hand­lung des Besto­che­nen ledig­lich aus­nut­zen, für die Been­di­gung des Delikts des­halb ohne Belang sind, weil sie außer­halb der Erfül­lung der Unrechts­ver­ein­ba­rung lie­gen 13. Inwie­weit die­ser Rechts­satz sinn­ge­mäß auf die Bestechung und die Bestech­lich­keit im geschäft­li­chen Ver­kehr zu über­tra­gen ist 14, kann vor­lie­gend dahin­ste­hen. Eine ver­gleich­ba­re Fall­ge­stal­tung ist hier nicht gege­ben. Zu beur­tei­len sind nicht Hand­lun­gen des Bestechen­den, viel­mehr wei­te­re Hand­lun­gen des Besto­che­nen in Erfül­lung der Unrechts­ver­ein­ba­rung unter fort­wäh­ren­der Ver­let­zung der Inter­es­sen des Geschäfts­herrn. Über­dies hat­te der Bestechen­de in dem vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall 15 die Hand­lun­gen gera­de gegen­über drit­ten, nicht an der Unrechts­ver­ein­ba­rung betei­lig­ten Per­so­nen vor­ge­nom­men.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 18. Mai 2017 – 3 StR 103/​17

  1. vgl. BGH, Urteil vom 05.12 2000 – 1 StR 411/​00, BGHSt 46, 207[]
  2. vgl. BGH, Urtei­le vom 26.02.1997 – 3 StR 525/​96, BGHSt 43, 1, 7; vom 18.06.2003 – 5 StR 489/​02, NJW 2003, 2996, 2997[]
  3. BGH, Urtei­le vom 19.06.2008 – 3 StR 90/​08, BGHSt 52, 300, 302 f.; vom 06.09.2011 – 1 StR 633/​10, NStZ 2012, 511, 513[]
  4. s. hier­zu BGH, Urtei­le vom 13.10.1994 – 1 StR 614/​93, BGHR UWG § 12 Abs. 2 Ange­stell­ten­be­stech­lich­keit 1; vom 02.12 2005 – 5 StR 119/​05, NJW 2006, 925, 927 [in BGHSt 50, 299 nicht abge­dr.]; Beschluss vom 09.10.2007 – 4 StR 444/​07, NStZ-RR 2008, 42, 43[]
  5. s. insb. Urtei­le vom 29.01.1998 – 1 StR 64/​97, NJW 1998, 2373; vom 19.06.2008 – 3 StR 90/​08, BGHSt 52, 300, 303 ff.; fer­ner Urteil vom 06.09.2011 – 1 StR 633/​10, NStZ 2012, 511, 513; Beschluss vom 31.03.2011 – 4 StR 657/​10, wis­tra 2011, 308, 309[]
  6. vgl. SK-StG­B/Ro­gall, 131. Lfg., § 299 Rn. 90; fer­ner Fischer, StGB, 64. Aufl., § 299 Rn. 38; Münch­Komm-StG­B/K­rick, 2. Aufl., § 299 Rn. 38; Sahan in Graf/​Jäger/​Wittig, Wirt­schafts- und Steu­er­straf­recht, 2. Aufl., § 299 StGB Rn. 55[]
  7. vgl. BGH, Urteil vom 19.06.2008 – 3 StR 90/​08, aaO, S. 304[]
  8. s. Beck­OK StGB/​Momsen/​Laudien, § 299 Rn. 21[]
  9. vgl. Münch­Komm-StG­B/K­rick aaO, Rn. 26 mwN[]
  10. vgl. LK/​Tiedemann, StGB, 12. Aufl., § 299 Rn. 31[]
  11. BGH, Urteil vom 02.05.1957 – 4 StR 119120/​56, BGHSt 10, 269, 270[]
  12. vgl. BGH, Urteil vom 18.01.1983 – 1 StR 490/​82, BGHSt 31, 207, 210 ff.; Münch­Komm-StG­B/K­rick aaO, Rn. 2 mwN[]
  13. so BGH, Urteil vom 29.01.1998 – 1 StR 64/​97, NJW 1998, 2373; vgl. auch Urteil vom 19.06.2008 – 3 StR 90/​08, BGHSt 52, 300, 305[]
  14. so Münch­Komm-StG­B/K­rick aaO, Rn. 38: blo­ßes Aus­nut­zen der bevor­zu­gen­den Hand­lung[]
  15. BGH, Urteil vom 29.01.1998 – 1 StR 64/​97, aaO[]