Betrug mit Akti­en­op­tio­nen – und der Ver­mö­gens­scha­den

Wur­de der Getäusch­te zur Aus­übung der Opti­on zur Zeich­nung von Akti­en ver­an­lasst, sind bei der für die Scha­dens­be­stim­mung erfor­der­li­chen Gesamt­sal­die­rung der Wert (Markt­wert) der (ver­meint­lich) erwor­be­nen Akti­en und der hier­für ent­rich­te­te Kauf­preis mit­ein­an­der zu ver­glei­chen.

Betrug mit Akti­en­op­tio­nen – und der Ver­mö­gens­scha­den

Hin­sicht­lich der ver­meint­lich erwor­be­nen Akti­en wird ggf. auch dem Umstand Rech­nung zu tra­gen sein, dass die AG die Beschlüs­se über die Schaf­fung geneh­mig­ten Kapi­tals nach § 202 AktG jeden­falls wie wirk­sa­me Beschlüs­se behan­delt hat, die gezeich­ne­ten Akti­en jeweils auch aus­ge­ge­ben wur­den und ähn­lich den Grund­sät­zen der feh­ler­haf­ten Gesell­schaft ein wirt­schaft­li­cher Wert der aus­ge­ge­ben Akti­en vor­han­den gewe­sen sein könn­te 1.

Für die ver­meint­lich erwor­be­nen Akti­en ist zunächst ein Ver­kehrs- oder Markt­wert ggf. unter Zuhil­fe­nah­me eines Sach­ver­stän­di­gen zu ermit­teln 2. Dabei wird der ver­ein­bar­te Kauf­preis der Akti­en als Anhalts­punkt für den maß­geb­li­chen Markt­wert zu berück­sich­ti­gen sein. Ein wich­ti­ges Indiz dafür, dass der Kauf­preis dem Markt­wert ent­sprach, wäre der Umstand, dass die ver­meint­lich erwor­be­nen Akti­en auch ande­ren Anle­gern am Markt für den­sel­ben Stück­preis ange­bo­ten und ver­kauft wur­den 3.

Bei einer Bewer­tung des Ver­mö­gens­scha­dens anhand des ver­ein­bar­ten Stück­prei­ses muss im Blick behal­ten wer­den, dass der Erwerb von Akti­en auch immer das zukünf­ti­ge Gewinn­erwar­tungs­po­ten­ti­al eines Unter­neh­mens zum Aus­druck bringt und die­se Erwar­tung gera­de nicht den gegen­wär­ti­gen wirt­schaft­li­chen Wert der Gegen­leis­tung wider­spie­gelt. Inso­fern wäre der Kauf­preis der Aktie jeden­falls um der­ar­ti­ge Erwar­tun­gen zu berei­ni­gen 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 16. Mai 2017 – 1 StR 306/​16

  1. Koch in Hüffer/​Koch, AktG, 12. Aufl., § 248 Rn. 7a; Münch­Komm-Akt­G/­Schürn­band, 4. Aufl., § 189 Rn. 18; Apfelbacher/​Niggemann in Höl­ters, AktG, 3. Aufl., § 189 Rn. 4; Klaaßen/​van Lier, NZG 2014, 1250; zur Anwend­bar­keit des Insti­tuts der feh­ler­haf­ten Gesell­schaft vgl. Münch­Komm-StG­B/­Rad­tke, 3. Aufl., § 14 Rn. 77[]
  2. BGH, Urteil vom 16.06.2016 – 1 StR 20/​16, NJW 2016, 3543; Beschluss vom 25.01.2012 – 1 StR 45/​11, BGHSt 57, 95, 115; vgl. auch Dan­ne­cker, NStZ 2016, 318, 319[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 02.02.2016 – 1 StR 435/​15, BGHSt 61, 149[]
  4. BGH, Beschluss vom 02.09.2015 – 5 StR 186/​15, NStZ-RR 2015, 374; Dan­ne­cker, NStZ 2016, 318, 324[]