Betrug durch Last­schrif­ten­rei­te­rei

Last­schrif­ten­rei­te­rei mit dem Ziel einer Kre­dit­be­schaf­fung durch Last­schrif­ten, denen kei­ne For­de­run­gen zu Grun­de lie­gen, ist mit dem Wesen des Last­schrift­ver­fah­rens gene­rell nicht zu ver­ein­ba­ren.

Betrug durch Last­schrif­ten­rei­te­rei

Das Last­schrift­ver­fah­ren stellt aus­schließ­lich ein Instru­ment des bar­geld­lo­sen Zah­lungs­ver­kehrs dar1.

Im Rah­men des ver­trags­ge­mä­ßen Last­schrift­ver­fah­rens wird zuguns­ten des Zah­lungs­emp­fän­gers über sein Kre­dit­in­sti­tut von dem Kon­to eines Zah­lungs­pflich­ti­gen der sich aus der Last­schrift erge­ben­de Betrag ein­ge­zo­gen. Die­se ers­te Inkasso­stel­le nimmt Auf­trä­ge zum Ein­zug fäl­li­ger For­de­run­gen her­ein. Sie ist ver­pflich­tet, nicht ein­ge­lös­te oder wegen Wider­spruchs des Zah­lungs­pflich­ti­gen zurück­ge­ge­be­ne Last­schrif­ten zu ver­gü­ten.

Zwi­schen dem Zah­lungs­emp­fän­ger und sei­ner Bank wird eine Ver­ein­ba­rung getrof­fen, nach der das Last­schrift­ver­fah­ren aus­schließ­lich dazu dient, fäl­li­ge For­de­run­gen ein­zu­zie­hen. Last­schrif­ten­rei­te­rei mit dem Ziel einer Kre­dit­be­schaf­fung durch Last­schrif­ten, denen kei­ne For­de­run­gen zu Grun­de lie­gen, ist mit dem Wesen des Last­schrift­ver­fah­rens gene­rell nicht zu ver­ein­ba­ren2. Den Zah­lungs­emp­fän­ger trifft des­halb eine Auf­klä­rungs­pflicht, wenn Last­schrif­ten aty­pisch ver­wen­det wer­den.

Erfüllt er die­se Auf­klä­rungs­pflicht nicht, liegt Betrug zum Nach­teil der ers­ten Inkasso­stel­le vor, wenn dort ein Irr­tum erregt und des­halb eine Ver­mö­gens­ver­fü­gung ver­ur­sacht wird, die bei der ers­ten Inkasso­stel­le einen Ver­mö­gens­scha­den ver­ur­sacht, ver­such­ter Betrug dage­gen, wenn der Täter einen Irr­tum zu erre­gen glaubt, aber der Bank­mit­ar­bei­ter die Umstän­de bereits kennt und aus ande­ren Grün­den die Ver­mö­gens­ver­fü­gung vor­nimmt.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 29. Juni 2016 – 2 StR 520/​15

  1. vgl. BGH, Urteil vom 10.06.2008 – – XI ZR 283/​07, BGHZ 177, 96, 73 []
  2. vgl. BGH, Urteil vom 15.06.2005 – 2 StR 30/​05, BGHSt 50, 147, 154 mwN []