Zusatz­ver­sor­gungs­kas­se für das Bau­ge­wer­be – und die zu nied­ri­gen Mel­dun­gen

Mit Beschluss vom 21.09.2016 1 hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt die All­ge­mein­ver­bind­li­cherklä­rung der Tarif­ver­trä­ge über das Sozi­al­kas­sen­ver­fah­ren im Bau­ge­wer­be vom 15.05.2008 2 in der Fas­sung des letz­ten Ände­rungs­ta­rif­ver­trags vom 20.08.2007 und die All­ge­mein­ver­bind­li­cherklä­rung vom 25.06.2010 3 in der Fas­sung des letz­ten Ände­rungs­ta­rif­ver­trags vom 18.12 2009 für unwirk­sam erklärt.

Zusatz­ver­sor­gungs­kas­se für das Bau­ge­wer­be – und die zu nied­ri­gen Mel­dun­gen

Auf Grund des Weg­falls der All­ge­mein­ver­bind­li­cherklä­rung der Tarif­ver­trä­ge über das Sozi­al­kas­sen­ver­fah­ren im Bau­ge­wer­be kann sich eine – nach § 263 Abs. 1, § 13 Abs. 1 StGB (Betrug zum Nach­teil der Soka-Bau) straf­be­wehr­te – Ver­pflich­tung zur Mel­dung und Bei­trags­ab­füh­rung nur unmit­tel­bar aus § 6 des Tarif­ver­trags über das Sozi­al­kas­sen­ver­fah­ren im Bau­ge­wer­be auf Grund einer Tarif­bin­dung der Unter­neh­men erge­ben.

Soweit der Gesetz­ge­ber mit § 7 des am 25.05.2017 4 in Kraft getre­te­nen Geset­zes zur Siche­rung der Sozi­al­kas­sen­ver­fah­ren im Bau­ge­wer­be (Soka­SiG) rück­wir­kend ab dem 1.01.2006 die Rechts­nor­men der hier maß­geb­li­chen und in Bezug auf die All­ge­mein­ver­bind­li­cherklä­rung vom Bun­des­ar­beits­ge­richt für unwirk­sam erklär­ten Tarif­ver­trä­ge über das Sozi­al­kas­sen­ver­fah­ren im Bau­ge­wer­be wie­der kraft Geset­zes für alle Arbeit­ge­ber und Arbeit­neh­mer in sei­nem Gel­tungs­be­reich für wirk­sam erklärt hat, kann dadurch eine die Straf­bar­keit aus § 263 Abs. 1, § 13 Abs. 1 StGB begrün­den­de Pflicht zur Mel­dung von Arbeit­neh­mern und zur Abfüh­rung von Bei­trä­gen an die Soka-Bau für den ange­klag­ten Zeit­raum nicht sta­tu­iert wer­den.

Sol­che straf­bar­keits­be­grün­den­den Pflich­ten, bei denen es sich um Pflich­ten im Sin­ne von § 13 Abs. 1 StGB han­delt, müs­sen bereits im Hin­blick auf die Gewähr­leis­tun­gen des Art. 103 Abs. 2 GG im Zeit­punkt der gefor­der­ten Hand­lung recht­lich wirk­sam bestan­den haben. Als straf­recht­lich bedeut­sa­me Pflich­ten kön­nen sie nicht rück­wir­kend begrün­det wer­den.

Bestand danach nicht auf­grund eig­ner Tarif­bin­dung – eine Ver­pflich­tung zur Bei­trags­zah­lung an die Zusatz­ver­sor­gungs­kas­se des Bau­ge­wer­bes (Soka-Bau), ging aber der Arbeit­ge­ber sub­jek­tiv von einer sol­chen Zah­lungs­pflicht aus, liegt kein untaug­li­cher Ver­such, son­dern nur ein straf­lo­ses Wahn­de­likt vor 5; denn der Arbeit­ge­ber hät­te dann ledig­lich irrig ange­nom­men, er ver­let­ze durch die Nicht­zah­lung der Bei­trä­ge an die Sozi­al­kas­se des Bau­ge­wer­bes ein Straf­ge­setz, obwohl eine sol­che Ver­pflich­tung dazu nicht bestand.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 8. Juni 2017 – 1 StR 614/​16

  1. BAG, Beschluss vom 21.09.2016 – 10 ABR 33/​15, NZA Bei­la­ge 2017, Nr. 1, 12[]
  2. Bun­des­an­zei­ger Nr. 104a vom 15.07.2008[]
  3. Bun­des­an­zei­ger Nr. 97 vom 02.07.2010[]
  4. BGBl. I 2017, 1210[]
  5. vgl. BGH, Beschluss vom 14.08.1986 – 4 StR 400/​86, NStZ 1986, 550[]