Geld­ab­he­bun­gen in der Unter­neh­mens­kri­se – und der Untreue­vor­wurf

Einer Gesell­schaft mit beschränk­ter Haf­tung kön­nen im Ein­ver­ständ­nis ihrer Gesell­schaf­ter grund­sätz­lich Ver­mö­gens­wer­te ent­zo­gen wer­den, weil sie gegen­über ihren Gesell­schaf­tern kei­nen Anspruch auf ihren unge­schmä­ler­ten Bestand hat.

Geld­ab­he­bun­gen in der Unter­neh­mens­kri­se – und der Untreue­vor­wurf

Ein Ein­ver­ständ­nis der Gesell­schaf­ter ist aller­dings unwirk­sam und die Ver­mö­gens­ver­fü­gung des Geschäfts­füh­rers des­halb miss­bräuch­lich, wenn unter Ver­stoß gegen Gesell­schafts­recht die wirt­schaft­li­che Exis­tenz der Gesell­schaft gefähr­det wird, etwa durch Beein­träch­ti­gung des Stamm­ka­pi­tals ent­ge­gen § 30 GmbHG, durch Her­bei­füh­rung oder Ver­tie­fung einer Über­schul­dung, durch Gefähr­dun­gen der Liqui­di­tät oder durch Ent­zie­hung der Pro­duk­ti­ons­grund­la­gen 1.

So auch in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall: Der D. war Gesell­schaf­ter der E. GmbH; er hielt die Geschäfts­an­tei­le treu­hän­de­risch für den Ange­klag­ten. Sowohl der Ange­klag­te als auch der D, der die Berech­ti­gung des Ange­klag­ten zum Erhalt der Zah­lun­gen nicht hin­ter­frag­te und dem die Gesell­schaft gleich­gül­tig war, waren mit dem Ver­mö­gens­ent­zug ein­ver­stan­den. Zur wirt­schaft­li­chen Lage der Gesell­schaft, die allein das Ein­ver­ständ­nis miss­bräuch­lich erschei­nen las­sen und zur Pflicht­wid­rig­keit füh­ren könn­te, ist indes nichts fest­ge­stellt.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 15. August 2019 – 5 StR 205/​19

  1. vgl. zum Gan­zen nur BGH, Beschlüs­se vom 15.09.2011 – 3 StR 118/​11, NZWiSt 2012, 62; vom 19.02.2013 – 5 StR 427/​12, NStZ-RR 2013, 345, 346, m.w.N.[]