HSH Nord­bank AG – und die Untreue­vor­wür­fe gegen die Vor­stän­de

Der Bun­des­ge­richts­hof hat die Frei­sprü­che der Vor­stands­mit­glie­der der HSH Nord­bank AG wegen des Vor­wurfs u.a. der Untreue auf­ge­ho­ben.

HSH Nord­bank AG – und die Untreue­vor­wür­fe gegen die Vor­stän­de

Die Staats­an­walt­schaft hat den sechs Ange­klag­ten, die zur Tat­zeit den Gesamt­vor­stand der HSH Nord­bank AG bil­de­ten, vor­ge­wor­fen, sich einer Untreue nach § 266 Abs. 1 StGB schul­dig gemacht zu haben, indem sie im Dezem­ber 2007 auf der Grund­la­ge unzu­rei­chen­der Infor­ma­tio­nen dem Abschluss eines Finanz­ge­schäfts zustimm­ten, das der Ver­bes­se­rung der bank­auf­sichts­recht­lich zu bestim­men­den Eigen­ka­pi­tal­quo­te die­nen soll­te, und dadurch der Bank einen Vermo¨gensnachteil zufüg­ten.

Zwei Vor­stands­mit­glie­dern ist dar­über hin­aus vor­ge­wor­fen wor­den, gemein­schaft­lich gemäß § 400 Abs. 1 Nr. 1 AktG die Ver­hält­nis­se des Bank­kon­zerns in Dar­stel­lun­gen oder Über­sich­ten über den Ver­mö­gens­stand unrich­tig wie­der­ge­ge­ben zu haben, indem sie in dem Quar­tals-Zwi­schen­be­richt zum 31. März 2008 und in einer Pres­se­mit­tei­lung vom 20. Juni 2008 feh­ler­haft einen Über­schuss in Höhe von 81 Mil­lio­nen Euro aus­wie­sen, wäh­rend tat­säch­lich ein Fehl­be­trag in Höhe von 31 Mil­lio­nen Euro vor­lag.

Das Land­ge­richt Ham­burg hat die Ange­klag­ten jeweils frei­ge­spro­chen 1. lm Hin­blick auf den Vor­wurf der Untreue habe die Haupt­ver­hand­lung zwar erge­ben, dass die Ange­klag­ten ihre Vor­stands­pflich­ten aus § 93 Abs. 1 AktG ver­letzt und hier­durch einen Ver­mö­gens­nach­teil bei der Bank her­bei­ge­führt hät­ten. Die Pflicht­ver­let­zun­gen sei­en jedoch nicht in einer Wei­se "offen­sicht­lich" und "gra­vie­rend", die sie im Lich­te der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts und des Bun­des­ge­richts­ho­fes als tat­be­stands­mä­ßig im Sin­ne des § 266 Abs. 1 StGB erschei­nen lie­ßen. Hin­sicht­lich des Vor­wur­fes nach § 400 Abs. 1 Nr. 1 AktG habe die Haupt­ver­hand­lung erbracht, dass in den betref­fen­den Dar­stel­lun­gen des Ver­mö­gens­stan­des zwar fälsch­lich ein Über­schuss anstel­le eines Fehl­be­tra­ges aus­ge­wie­sen wor­den sei. Die Unrich­tig­keit habe sich jedoch nicht als "erheb­lich" dar­ge­stellt, wes­halb es bereits an der objek­ti­ven Tat­be­stands­ver­wirk­li­chung feh­le.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat jetzt auf die Revi­sio­nen der Staats­an­walt­schaft das Urteil auf­ge­ho­ben und die Sache an eine ande­re Wirt­schafts­straf­kam­mer des Land­ge­richts Ham­burg zurück­ver­wie­sen.

Der Frei­spruch der Ange­klag­ten vom Vor­wurf der Untreue nach § 266 Abs. 1 StGB hat recht­li­cher Über­prü­fung nicht stand­ge­hal­ten. Als durch­grei­fen­der Rechts­feh­ler hat sich erwie­sen, dass die Begrün­dung, mit der das Land­ge­richt Ham­burg zwar eine Pflicht­ver­let­zung nach § 93 Abs. 1 AktG bejaht, die­se aber als nicht gra­vie­rend ein­ge­stuft hat, bereits hin­sicht­lich des Vor­lie­gens der Pflicht­ver­let­zung Dar­stel­lungs- und Erör­te­rungs­män­gel ent­hält, d. h. das Land­ge­richt die Rechts­fra­ge unvoll­stän­dig geprüft hat.

Hin­sicht­lich des Vor­wurfs eines Ver­sto­ßes gegen § 400 Abs. 1 Nr. 1 AktG hat das Land­ge­richt rechts­feh­ler­haft aus­schließ­lich auf das Ver­hält­nis der unzu­tref­fend dar­ge­stell­ten Ertrags­la­ge zur Bilanz­sum­me bzw. zum Geschäfts­vo­lu­men abge­stellt; die inso­weit erfor­der­li­che Gesamt­be­trach­tung aller Umstän­de hat das Land­ge­richt dabei nicht vor­ge­nom­men.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 12. Okto­ber 2016 – – 5 StR 134/​15

  1. LG Ham­burg, Urteil vom 09.07.2014 – 608 KLs 12/​11 (5550 Js 4/​09) []