Insol­venz­ver­schlep­pung – und die Annah­me einer Zah­lungs­un­fä­hig­keit

Zah­lungs­un­fä­hig­keit ist in der Regel durch eine stich­tags­be­zo­ge­ne Gegen­über­stel­lung der zu die­sem Zeit­punkt fäl­li­gen Ver­bind­lich­kei­ten einer­seits und der zu ihrer Til­gung vor­han­de­nen oder kurz­fris­tig her­bei­zu­schaf­fen­den Mit­tel ande­rer­seits fest­zu­stel­len.

Insol­venz­ver­schlep­pung – und die Annah­me einer Zah­lungs­un­fä­hig­keit

Eine rein auf wirt­schafts­kri­mi­na­lis­ti­sche Beweis­an­zei­chen gestütz­te Annah­me der Zah­lungs­un­fä­hig­keit der GmbH hält einer recht­li­chen Nach­prü­fung nicht stand. Das Gericht muss beden­ken, dass Zah- lungs­an­sprü­che in eine Gegen­über­stel­lung von For­de­run­gen und ver­füg­ba­ren Mit­teln nur ein­zu­stel­len sind, soweit sie im insol­venz­recht­li­chen Sin­ne fäl­lig sind (§ 17 Abs. 2 Satz 1 InsO).

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs, die auch nach Inkraft­tre­ten der Insol­venz­ord­nung nicht auf­ge­ge­ben wur­de 1, setzt Fäl­lig­keit von For­de­run­gen, zu deren voll­stän­di­ger Erfül­lung der Schuld­ner wegen Zah­lungs­un­fä­hig­keit zum Fäl­lig­keits­zeit­punkt oder inner­halb ange­mes­se- ner Zeit nicht mehr in der Lage ist, im insol­venz­recht­li­chen Sinn vor­aus, dass – über die Fäl­lig­keit im Sin­ne von § 271 BGB hin­aus – die geschul­de­te Leis­tung "ernst­haft ein­ge­for­dert" wird.

Dies ist der Fall, wenn eine Hand­lung des Gläu­bi­gers gege­ben ist, aus der sich der Wil­le ergibt, Erfül­lung mög­li­cher Zah­lungs- ansprü­che zu ver­lan­gen 2. An ein sol­ches Ein­for­dern sind aller­dings kei­ne hohen Anfor­de­run­gen zu stel­len.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 16. Mai 2017 – 2 StR 169/​15

  1. vgl. Püschel in Fest­schrift für Ris­sing­van Saan, 2011, S. 471, 483 ff. mwN[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 19.07.2007 – – IX ZB 36/​07, BGHZ 173, 286, 293 mit Anm. Erd­mann, NZI 2007, 695 ff.; s.a. BGH, Urteil vom 22.02.2001 – 4 StR 421/​00, NJW 2001, 1874, 1875[]