Insol­venz­ver­schlep­pung – und die Fest­stel­lung der Zah­lungs­un­fä­hig­keit

Nach § 17 Abs. 2 InsO ist der Schuld­ner zah­lungs­un­fä­hig, wenn er nicht in der Lage ist, die fäl­li­gen Zah­lungs­pflich­ten zu erfül­len.

Insol­venz­ver­schlep­pung – und die Fest­stel­lung der Zah­lungs­un­fä­hig­keit

Die Fest­stel­lung der Zah­lungs­un­fä­hig­keit erfolgt in der Regel durch die betriebs­wirt­schaft­li­che Metho­de. Sie setzt eine stich­tags­be­zo­ge­ne Gegen­über­stel­lung der fäl­li­gen Ver­bind­lich­kei­ten einer­seits und der zu ihrer Til­gung vor­han­de­nen oder kurz­fris­tig her­bei­zu­schaf­fen­den Mit­tel ande­rer­seits vor­aus.

Zur Abgren­zung von der blo­ßen Zah­lungs­sto­ckung ist die­se Metho­de um eine Pro­gno­se dar­über zu ergän­zen, ob inner­halb der Drei-Wochen-Frist mit der Wie­der­her­stel­lung der Zah­lungs­fä­hig­keit hin­rei­chend sicher zu rech­nen ist, etwa durch Kre­di­te, Zufüh­rung von Eigen­ka­pi­tal, Ein­nah­men aus dem nor­ma­len Geschäfts­be­trieb oder der Ver­äu­ße­rung von Ver­mö­gens­ge­gen­stän­den 1.

Dane­ben kann eine Zah­lungs­un­fä­hig­keit im Sin­ne des § 17 Abs. 2 InsO auch durch wirt­schafts­kri­mi­na­lis­ti­sche Beweis­an­zei­chen belegt wer­den 2. Als sol­che Warn­zei­chen kom­men bei­spiels­wei­se in Betracht die aus­drück­li­che Erklä­rung, nicht zah­len zu kön­nen, das Igno­rie­ren von Rech­nun­gen und Mah­nun­gen, geschei­ter­te Voll­stre­ckungs­ver­su­che sowie die Nicht­zah­lung von Löh­nen und Gehäl­tern, der Sozi­al­ver­si­che­rungs­ab­ga­ben oder der sons­ti­gen Betriebs­kos­ten.

Hier­an gemes­sen ist es nicht aus­rei­chend, bei der rück­bli­cken­den Beur­tei­lung der Zah­lungs­un­fä­hig­keit im Anschluss an die Aus­sa­ge des Insol­venz­ver­wal­ters dar­auf abzu­stel­len, dass im frag­li­chen Zeit­raum fäl­li­ge Ver­bind­lich­kei­ten bestan­den hät­ten, die bis zu dem Zeit­punkt der Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens nicht mehr begli­chen wor­den sei­en. Denn damit wür­de der bei der Fra­ge einer Insol­venz­an­trags­pflicht gel­ten­de Maß­stab ver­fehlt, nach dem ent­schei­dend ist, ob ein Liqui­di­täts­man­gel besteht, mit des­sen Besei­ti­gung inner­halb von maxi­mal drei Wochen nicht sicher zu rech­nen ist 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 12. April 2018 – 5 StR 538/​17

  1. BGH, Beschluss vom 21.08.2013 – 1 StR 665/​12, NJW 2014, 164, 165 mwN[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 20.07.1999 – 1 StR 668/​98, NJW 2000, 154, 156; Beschlüs­se vom 21.08.2013 – 1 StR 665/​12, aaO; und vom 23.07.2015 – 3 StR 518/​14, NStZ-RR 2015, 341, 342[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 21.08.2013 – 1 StR 665/​12, aaO; sie­he auch Urteil vom 12.10.2006 – – IX ZR 228/​03, ZIP 2006, 2222, 2224 f., abgren­zend zur ver­ein­fach­ten Fest­stel­lung end­gül­ti­ger Zah­lungs­un­fä­hig­keit bei der Insol­venz­an­fech­tung[]